Saakaschwili an der ukrainischen Grenze | Bildquelle: AP

Machtkampf mit Poroschenko Saakaschwili zurück in der Ukraine

Stand: 10.09.2017 22:19 Uhr

Er war Präsident in Georgien und Gouverneur der ukrainischen Stadt Odessa, bis er sich mit Präsident Poroschenko überwarf. Doch nun ist Saakaschwili zurück. Trotz Verbots gelang es ihm, die Grenze zur Ukraine zu überqueren. Dort hofft er auf ein politisches Comeback.

Der frühere georgische Präsident und ukrainische Gouverneur Michail Saakaschwili ist demonstrativ in seine zweite Heimat Ukraine eingereist, obwohl im das Land zuvor offiziell seine Staatsbürgerschaft entzogen hatte. Zwar sperrten Grenzschützer einen Übergang von Polen, den Saakaschwili zu Fuß passieren wollte. Doch dann durchbrach eine Gruppe seiner Anhänger von ukrainischer Seite die Kette und holte ihn aus dem Niemandsland bei dem Ort Schehyni. Stunden vorher war seine Einreise mit dem Zug von der polnischen Stadt Przemysl aus blockiert worden.

Staatenlos durch Passentzug

Saakaschwili wurde bei den Einreiseversuchen von der Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko und mehreren ukrainischen und polnischen Abgeordneten begleitet. Saakaschwili war 2015 von Präsident Petro Poroschenko als Reformhelfer in die Ukraine berufen worden. Seitdem haben die beiden sich aber überworfen. Poroschenko entzog seinem früheren Freund im Juli die ukrainische Staatsbürgerschaft. Die Einreise begründete er damit, dass Saakaschwili vor Gericht um seine Staatsbürgerschaft kämpfen wolle.

Als Gouverneur der ukrainischen Schwarzmeerstadt Odessa hatte Saakaschwili zunächst versucht, Reformen durchzusetzen. Dann trat er aber zurück und ging auf Konfrontationskurs zu Poroschenko, dem er Korruption vorwarf. Saakaschwili strebt in der Ukraine nun mit seiner Partei "Bewegung neuer Kräfte" eine neue Politkarriere an. Wie es in dem Land für ihn weitergeht, ist jedoch unklar. Es drohen im die Festnahme und die Übergabe an georgische Behörden, die einen Auslieferungsantrag gestellt haben.

In Georgien gesucht

2003 hatte Saakaschwili schon einmal einen Polizeikordon durchbrochen, allerdings in Georgien. Damals wollte er das Gebäude des georgischen Parlaments in Tiflis stürmen. Das war der entscheidende Schritt in der sogenannten Rosenrevolution, in der Präsident Eduard Schewardnadse die Macht verlor.

Georgien hat wegen Vorwürfen des Amtsmissbrauchs die Auslieferung seines Ex-Staatschefs beantragt. Saakaschwili war von 2004 bis 2013 Präsident Georgiens. Er verlor die georgische Staatsbürgerschaft, als er die ukrainische annahm, um Gouverneur der Provinz Odessa zu werden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. September 2017 um 21:00 Uhr.

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