Ryanair-Flugzeug | Bildquelle: REUTERS

Gestrichene Flüge Ryanairs Dienstplan-Turbulenzen

Stand: 18.09.2017 20:50 Uhr

Seit diesem Wochenende streicht die irische Billig-Airline kurzfristig jeden Tag Dutzende Flüge. Ryanair hat die Streichungen zunächst damit begründet, dass man die Pünktlichkeit verbessern wolle. Nun kommen neue Gründe hinzu.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Der britische Passagier wollte eigentlich am vergangenen Freitag früh um 6:45 Uhr von Leeds nach Bratislava fliegen. Als er wenige Stunden vor dem Abflug eine SMS von Ryanair bekam, dachte er zunächst, es sei nur die Erinnerung, einzuchecken. Doch dann bekam er einen Schreck. "Sie schrieben, es täte ihnen sehr leid", erzählt er. "Aber der Flug wäre gestrichen."

So ging es am Samstag und am Sonntag weiter. Ryanair schreibt auf seiner Internet-Seite, "bis zu 50 Flüge pro Tag" würden gecancelt. Allein heute sind es allerdings der offiziellen Liste zufolge 56 Verbindungen - darunter auch die von Frankfurt/Hahn nach Ibiza, Mailand-Malpensa und Porto sowie die von Hamburg nach Manchester.

Ryanair bietet millionenhohe Entschädigung

Ryanair bietet betroffenen Fluggästen eine Entschädigung von insgesamt bis zu 20 Millionen Euro für die gestrichenen Flüge an. Die Fluggesellschaft erklärte die Ausfälle mit Kapazitätsengpässen bei der Flugkontrolle, Streiks in Frankreich und einer chaotischen Urlaubsplanung im Unternehmen. Der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Markus Wahl, erklärte: "Ryanair-Mitarbeiter sagen uns, es werden Flüge gestrichen, weil Piloten das Weite suchen", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung". Ryanair habe eine hohe personelle Fluktuation, weil die Airline niedrigere Gehälter zahle als die Wettbewerber.

Kritik an Ryanair wegen Flugstreichungen
tagesschau 20:00 Uhr, 18.09.2017, Hanni Hüsch, ARD London

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Mehrere Hunderttausend Passagiere betroffen

Inzwischen hat das Unternehmen mit der Veröffentlichung einer Liste von Flügen begonnen, die in den Wochen bis zum 31. Oktober ausfallen sollen. Zunächst wurden von Ryanair am Montagabend zehn Verbindungen genannt, die täglich ausfallen sollen, darunter zwei nach London und je eine nach Barcelona, Brüssel, Dublin, Lissabon, Madrid, Mailand, Porto und Rom. Die Airline nannte eine Website, auf der die Liste samt Hinweisen an die betroffenen Passagiere veröffentlicht werden soll. Bis Dienstag werde es eine "vollständige Liste" von allen gestrichenen Verbindungen bis Ende Oktober geben, erklärte Ryanair. Zuvor hatten die EU und die britische Regierung die Airline gerügt und zur Transparenz gedrängt. Mehrere Hunderttausend Passagiere sind demnach die Leidtragenden, und Millionen weitere sind verunsichert. Ryanairs Facebook-Seite und auch Twitter quillt über von Kommentaren wütender Kunden, die nie wieder dort buchen wollen.

Am Firmensitz in Dublin erwischte ein Reporter von Sky News am Mittag den Ryanair-Chef Michael O’Leary, als dieser zu einer Krisensitzung eilte. "Es ist offenkundig ein Durcheinander", räumte O'Leary ein. "Da wir jeden Tag mehr als 2500 Flüge anbieten, ist das Problem zwar vergleichsweise klein - aber die betroffenen Passagiere hatten natürlich Unannehmlichkeiten." O'Leary entschuldigte sich bei denen, die bereits Opfer der Annullierungen geworden sind. Man arbeite gerade daran, eine Liste aller ausfallenden Flüge zu erstellen, versprach der Ryanair-Chef - und wolle dazu in Kürze Details nennen.

Piloten: kompliziertes Beschäftigungsverhältnis

Zunächst hatte Ryanair die Flugstreichungen damit begründet, dass man pünktlicher werden wolle - nachdem es in den ersten beiden September-Wochen mehr Verspätungen gab als üblich. Später schob die Airline eine andere Erklärung hinterher: Man habe betriebsintern das Urlaubsjahr umgestellt, und zwar von April bis März auf Januar bis Dezember. Das habe dazu geführt, dass bis Jahresende besonders viele Piloten noch ihren Urlaub nähmen. Für das plötzliche Tohuwabohu in den Dienstplänen könnte auch das umstrittene Beschäftigungsverhältnis der Piloten eine Rolle spielen - das meint etwa der Luftfahrt-Korrespondent der BBC, Dominic Grieves.

"Nur ein Teil der Piloten ist angestellt bei Ryanair", erklärt Grieves. "Andere werden über eine Agentur, einen Vertragspartner angeheuert - und es ist sehr schwierig, dieses Personal zu kontrollieren, wenn man es nicht direkt beschäftigt."

Flugzeuge der Fluggesellschaften Air Berlin und Ryanair sind am 17.08.2017 in Hamburg auf dem Flughafen Hamburg - Helmut Schmidt zu sehen | Bildquelle: dpa
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Ein Experte der deutschen Beratungsfirma Airborne mutmaßt, dass Ryanairs Gebaren auch mit der Insolvenz von Air Berlin zusammenhängen könnte.

Noch dazu hat der Billig-Konkurrent Norwegian nach eigenen Angaben allein in diesem Jahr 140 Piloten von Ryanair abgeworben. Ein Experte der deutschen Beratungsfirma Airborne mutmaßt, dass Ryanairs Gebaren auch mit der Insolvenz von Air Berlin zusammenhängen könnte. Die Iren wollten womöglich Maschinen in der Hinterhand haben für den Fall, dass kurzfristig Slots von Air Berlin frei werden.

Verbraucherschützer in Europa weisen auf die Rechte der Betroffenen hin: Die Ryanair-Passagiere müssen entweder das Flugticket erstattet bekommen oder kostenlos umgebucht werden, notfalls auf eine Konkurrenz-Airline. Darüber hinaus haben sie ein Anrecht auf Entschädigung: 250 Euro für die Kurzstrecke, 440 Euro für die Mittelstrecke. Die irische Kommission zur Regulierung des Luftverkehrs will sich mit dem Fall Ryanair befassen. Derweil verliert die Aktie an der Londoner Börse deutlich an Wert.

Cancelled: Ryanair verärgert Passagiere
Stephanie Pieper, ARD London
18.09.2017 14:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. September 2017 um 15:49 Uhr.

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