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Serie "Highway to Hell" - Teil 4

Ruta de la Muerte - Mit dem Bus in den Tod

Staus, Raserei, Verkehrschaos - das gibt es mittlerweile überall auf der Welt. Auf einigen Straßen ist es allerdings besonders gefährlich zu fahren. Die ARD-Hörfunkkorrespondenten erzählen in einer Serie vom "Highway to Hell" in ihrem Berichtsgebiet.

In Mexiko herrschen vielerorts Drogenkartelle. Straßen sind für sie strategisch wichtige Nachschubrouten für Drogen und Waffen - so auch die Bundesstraße 101 im Nordosten. Fast täglich werden dort Unbeteiligte überfallen. So kann eine Busfahrt mit dem Tod enden.

Von Malte Führing, ARD Studio Mexiko

"Trauer und Scham überkamen mich, als ich von der schrecklichen Nachricht hörte. In San Fernando wurden 72 unschuldige Migranten umgebracht." So eine Zeile in einem Lied für die Toten von San Fernando.

Ein Polizist in Monterrey bewacht einen Tatort
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Im Konkurrenzkampf der Drogenkartelle ist die Polizei weitgehend machtlos. Hier bewacht ein Polizist einen Tatort in Monterrey im Nordosten Mexikos.

Ständig werden hier Lastwagen und Busse überfallen, verschwinden Menschen spurlos. Die Bundesstraße 101 im Nordosten Mexikos gehört zu den gefährlichsten Straßen des Landes. Sie verbindet Ciudad Victoria mit Matamoros an der Grenze zu den USA. Für die mächtigen Drogenkartelle Mexikos ist sie strategisch wichtig: Sie transportieren hier Kokain, Waffen und Menschen. Die Regierung hat längst keine Kontrolle mehr.

"Es sind so viele Menschen hier verschwunden oder überfallen worden. Ganze Familien sind mit ihren Autos verschwunden", berichtet ein Bewohner der Region, die nur noch "Das Bermudadreieck" genannt wird.

Viele Verbrecher sitzen selbst bei der Polizei

Die meisten Überfälle passieren im Umkreis der Stadt San Fernando. Der mexikanische Journalist Luis Pablo Beauregard hat hier zu den verschwundenen Menschen in der Region recherchiert. "Offensichtlich herrscht in San Fernando Angst. Niemand spricht, niemand gibt zu, wie schlimm es steht. Niemand zeigt die Verbrecher an, denn viele von denen sind selbst bei der Polizei", sagt Luis Pablo Beauregard. Er war selbst auf der Bundesstraße 101 unterwegs.

Die Straße der Drogenbosse
M. Führing, RBB
03.08.2012 13:24 Uhr

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Als er für einen Fernsehbeitrag über die Massengräber bei San Fernando unterwegs war, wurde er mit seinem Kameramann im Auto angehalten. Zwei Vans, abgedunkelte Scheiben, keine Nummernschilder. "Einer von ihnen trug eine Kappe mit der Aufschrift ‚CDG’ für Cartel del Golfo. Das war so etwas wie eine Uniform des Golf-Kartells. Sie hatten offensichtlich Gewehre. Sie fragten uns aus: Was wir hier machen, wie lange, wie wir hergekommen sind und warum. Wir wurden etwa eine halbe Stunde festgehalten. Mitten am Tag! Alle konnten uns sehen. Aber kein Polizist ist näher gekommen, niemand!"

Zwischen den Fronten der Clans

Zwei Männer allein in einem Auto aus einem anderen Bundesstaat: Das ist verdächtig für die Aufpasser der Drogenkartelle, zumal bei einem Autokennzeichen aus einem Staat, in dem die Rivalen des Golf-Kartells das Sagen haben: die Zetas.

Ein Polizist bewacht ein Büro der Zeitungsredaktion "El Norte" in Monterrey
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Immer wieder werden auch Journalisten Ziel von Angriffen. So schossen Anfang Juli Bewaffnete auf ein Büro der Zeitung "El Norte" in Monterrey im Nordosten Mexikos.

"Wir hatten große Angst, dass sie uns umbringen - als ein Zeichen, damit unser Sender nicht weiter berichtet. Aber es waren ja die Zetas, die da Menschen getötet haben. Wir wurden vom Golfkartell angehalten. Denen schien es recht zu sein, dass über die Gräueltaten ihrer Rivalen berichtet wird. Aber ich will mir nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn uns die Zetas angehalten hätten", berichtet Beauregard.

Mit dem Bus in den Tod

Ein Busticket für diese Strecke zu kaufen, war lange Zeit wie ein Glückslos: Ankommen oder nicht. Zeitungen berichten: An den Bus-Terminals in der Region stapeln sich Koffer, die nie abgeholt wurden. Von bis zu 400 Gepäckstücken ist die Rede.

Ein Zeuge erinnert sich an einen Überfall auf einen Reisebus: "Auf dem Weg nach Ciudad Victoria waren wir allein auf der Straße. Da kamen fünf Pickups auf uns zu - alle Insassen waren bewaffnet. Das war mitten in der Nacht, ungefähr um drei Uhr. Sie halten den Bus an und umzingeln ihn. Dann steigt einer von ihnen ein und sagt 'Du, du und du – aussteigen!’ Die holen einfach die Leute raus!"

Inzwischen hat die mexikanische Regierung zwar Truppen der Armee nach San Fernando geschickt. Doch selbst die kann die Überfälle nicht komplett verhindern.

So bleibt das Lied über die Ruta de la Muerte aktuell: "Ich schäme mich, weil es in meinem Land passiert ist. In meinem Land, das ich mit Herz und Seele liebe. Ich hoffe bei Gott, dass bald wieder Ruhe einkehrt, damit uns die Welt wieder besuchen kommt, ohne sich zu fürchten."

Stand: 03.08.2012 11:55 Uhr

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