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Wieder sind zehntausende Russen auf die Straße gegangen, um gegen eine erneute Präsidentschaft Putins zu protestieren. Der Milliardär Prochorow könnte von dieser Stimmung profitieren. Auch er will Präsident werden. Medien argwöhnen jedoch, er kandidiere im Auftrag des Kreml.
Von Heide Rasche, ARD-Hörfunkstudio Moskau
Es sei wahrscheinlich die ernsthafteste Entscheidung seines Lebens gewesen, erklärte der 46-jährige Michail Prochorow bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur. Das glauben ihm viele Russen aufs Wort. Bislang tauchte der drittreichste Mann Russlands eher selten auf den Politikseiten der Zeitungen auf.
Bekannt wurde er vor gut fünf Jahren, als er in Begleitung mehrerer junger Damen in einem französischen Skiort nach einer ausschweifenden Party festgenommen wurde, Prochorow gilt seitdem einer breiten Öffentlichkeit als Playboy. Seine Milliarden verdiente er unter anderem als Chef eines Investmentfonds, sowie mit Unternehmen im Aluminium und Metall-Bereich.
Auf dem politischen Parkett tauchte der jungenhafte Hüne, immerhin misst er mehr als zwei Meter, erstmals im Frühjahr auf, als er mit ausdrücklichem Rückenwind des Kreml den Vorsitz der liberalen Partei "Gerechte Sache" übernahm. Mit viel Elan und relativ schnell mit viel Kritik am Kreml. Sein Wahlkampfmotto "Wer im Recht ist, ist stärker" hielt gerade mal ein paar Wochen. Schon im Herbst, noch weit vor der Parlamentswahl, putschten unzufriedene Parteimitglieder den aus ihrer Sicht allzu eigenmächtigen Mann aus der Partei - offenbar ebenfalls mit Billigung des Kreml.
Ein Vierteljahr sammelte sich der Geschasste, zwei Tage nach den landesweiten Massenprotesten gegen Wahlfälschungen meldete sich Prochorow dann wieder zu Wort. Konkrete Wahlaussagen gibt es bislang kaum. Eines aber steht für den 46-jährigen jetzt schon fest, sollte er die Wahl am 4. März gewinnen: "Die erste Entscheidung, die ich treffen würde, ist eine zutiefst menschliche Entscheidung: Ich werde Chodorkowski begnadigen."
Prochorow ist der erste russische Großunternehmer seit Michail Chodorkowski, der politische Ambitionen zeigt. Der ehemalige Öl-Magnat Chodorkowski hatte den damaligen Kremlchef Putin offen herausgefordert. Er wurde in international kritisierten Prozessen zweimal wegen Steuerhinterziehung und Betrugs zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Nach dem letzten Urteil soll er bis 2017 in Lagerhaft bleiben.
Auf Fragen, ob er Parallelen zwischen sich und Chodorkowski sehe, betonte Prochorow bereits mehrfach, er habe keine Angst, er handele im Rahmen der russischen Gesetze und sei sich sicher, er werde Chodorkowskis Schicksal nicht wiederholen. Und auch Wladimir Putin fand lobende Worte für seinen möglichen künftigen Widersacher. Der dürfe wie jeder andere Russe in seinem Alter an der Präsidentschaftswahl teilnehmen.
Es habe zwar im Herbst Probleme gegeben bei seinem ersten Versuch, sich politisch zu engagieren, so Putin. Prochorow sei ein konsequenter Mann, der Komplikationen nicht ausweiche: "Ich verstehe das so, dass er versucht, die Ideen, die er für unser Land hat, auf einem neuen Spielfeld durchzusetzen. Er agiert im Rahmen der Gesetze, der Verfassung, und hat - wie jeder Bürger - das Recht dazu. Ich würde nicht sagen, dass ich ihm viel Erfolg wünsche, denn ich kandidiere ja selbst. Aber ich bin mir sicher, dass er ein würdiger und starker Konkurrent sein wird."
Russische Medien argwöhnen, Prochorow sei zu einem Zeitpunkt vom Kreml ins Rennen geschickt worden, als die Proteste gegen die Wahlfälschungen bei der Parlamentswahl ihren ersten Höhepunkt erreichten. Der 46-jährige solle Protestwähler gegen Putin abfangen und so den bislang aussichtsreichsten Gegenkandidaten, den Kommunistenchef Gennadi Sjuganow, schwächen.
Der Basketball-Fan Prochorow selbst versucht Bedenken zu zerstreuen, er sei ein politisches Leichtgewicht und chancenlos gegen den Politprofi Putin: Wer im Sport einen starken Rivalen habe, der wachse selbst auch schneller. Und wenn alle Stricke reißen, würde Russlands begehrtester Junggeselle sogar bis zum Äußersten gehen. Wenn es für das Land und seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl nötig sei, dann wäre er sogar bereit zu heiraten.
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