Mitglieder der Zeugen Jehovas am Gericht in Moskau | Bildquelle: AP

Oberstes Gericht Russland verbietet Zeugen Jehovas

Stand: 20.04.2017 21:38 Uhr

Sie seien eine Bedrohung der öffentlichen Ordnung und der Sicherheit: Das Oberste Gericht Russlands hat die Zeugen Jehovas verboten. Künftig gelten sie als extremistische Gruppe. Die Gemeinschaft will das nicht hinnehmen und in Berufung gehen.

Das Oberste Gericht Russlands hat die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas verboten. Das Gericht billigte einen Antrag des Justizministeriums, in dem die Glaubensgemeinschaft als extremistische Gruppe eingestuft wird. Die Zentrale der Gruppe und ihre 395 Regionalverbände würden geschlossen, ihr Besitz beschlagnahmt, hieß es.

Die Anwältin des Justizministeriums, Swetlana Borissowa, sagte der Nachrichtenagentur Interfax zufolge, die Zeugen Jehovas bedrohten die Bürgerrechte sowie die öffentliche Ordnung und Sicherheit. Außerdem verstießen sie gegen die Gesundheitsgesetze des Landes, weil sie Bluttransfusionen ablehnen.

Strafverfolgung, Geldstrafen oder Gefängnis?

Die Zeugen Jehovas haben in Russland nach eigenen Angaben mehr als 170.000 Anhänger. Die Gruppe sei sehr enttäuscht und tief besorgt über die Auswirkungen, die das Urteil auf ihre religiösen Aktivitäten haben werde, sagte ihr Sprecher Jaroslaw Siwulski. Die Gemeinschaft kündigte an, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu ziehen.

Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch erklärte, die Gerichtsentscheidung sei ein schwerer Schlag für die Religions- und Verbandsfreiheit in Russland. Sollte die Entscheidung in Kraft treten, müssten Zeugen Jehovas mit Strafverfolgung, Geldstrafen oder gar Gefängnis rechnen.

Mehrere Veröffentlichungen bereits verboten

Die russischen Behörden hatten bereits mehrere Veröffentlichungen der Zeugen Jehovas verboten. Ermittler stellen sie als Organisation dar, die Familien zerstört, Hass sät und eine Gefahr für Menschenleben ist. Die christliche Gemeinschaft weist dies zurück. Die Zeugen Jehovas sind vor allem dafür bekannt, für ihren Glauben an Haustüren zu werben. Sie lehnen Wehrdienst und Bluttransfusionen ab. Weltweit haben sie etwa acht Millionen Anhänger.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. April 2017 um 20:00 Uhr.

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