Aktion gegen Kremlkritiker Russland sperrt Websites der Opposition

Stand: 14.03.2014 11:04 Uhr

Russland hat in einer bisher beispiellosen Aktion den Zugang zu mehreren regierungskritischen Internetseiten blockiert. Wie die russische Medienaufsichtsbehörde mitteilte, ist unter anderem der Blog des führenden Kremkritikers Alexej Nawalny betroffen. Dieser steht seit Februar unter Hausarrest. Begründet wurde die Sperre damit, dass er trotz eines Verbots zur Internetnutzung seinen Blog über Vertraute weiter betrieben habe.

Alexej Nawalny und  Garri Kasparow
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Die Websites von Alexej Nawalni und Garry Kasparow sind in Russland nicht mehr erreichbar.

Website des Kremls
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Unbekannte Hacker legten die Website des Kremls einige Zeit lang lahm. Ein Zusammenhang mit den Sperren ist aber unklar.

Laut der Behörde wurde auch die Internetseite Kasparov.ru des Ex-Schachweltmeisters und Bürgerrechtlers Garri Kasparow auf die schwarze Liste gesetzt. Die Behörde warf ihm "Aufruf zu illegalen Aktivitäten und Teilnahme an Massenkundgebungen, die die öffentliche Ordnung verletzen" vor. Deswegen wurden auch die kremlkritischen Internetseiten EJ.ru und Grani.ru gesperrt. Die Seiten konnten jedoch noch außerhalb Russlands erreicht werden.

Die russischen Behörden hatten bei den Telekom-Unternehmen des Landes eine weitreichende Infrastruktur installieren lassen, die schnelle Websperren und laut Medienberichten auch eine weitreichende Überwachung ermöglicht. Gesperrt wurden bisher vor allem Seiten mit Kinderpornografie oder dubiosen Geschäftspraktiken.

Prominente Chefredakteurin entlassen

Die Entscheidung kam zwei Tage, nachdem die Chefredakteurin der ältesten und meistgelesenen Nachrichtenseite Russlands, Lenta.ru, wegen der Verbreitung "extremistischen Materials" entlassen worden war. Lenta.ru hatte unter anderem wiederholt über die rechtsradikale paramilitärische Gruppierung Prawy Sektor berichtet, die bei den Protesten in der Ukraine eine führende Rolle spielte.

Kreml-Website attackiert

Am Vormittag war die Webseite des russischen Präsidialamtes nach offiziellen Angaben Ziel eines Hackerangriffs. Die Seite sei vorübergehend lahmgelegt worden; sie funktioniert aber inzwischen wieder. Auch die Seite der russischen Notenbank war vor der heutigen Zinssitzung offensichtlich attackiert worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. März 2014 um 20:00 Uhr.

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