Die Moskauer Basilius-Kathedrale durch ein Gitter auf dem Roten Platz fotografiert. | Bildquelle: REUTERS

Antwort auf US-Sanktionen Weniger US-Diplomaten - und was noch?

Stand: 28.07.2017 14:55 Uhr

Nach dem Beschluss neuer Sanktionen durch den US-Kongress müssen die USA ihr diplomatisches Personal in Russland reduzieren und Gebäude räumen. Dass es bei diesen Maßnahmen bleibt, darf bezweifelt werden.

Von Christina Nagel, ARD-Studio-Moskau

Eine erste Entscheidung ist gefallen. Die Vereinigten Staaten müssen bis zum 1. September ihr Botschaftspersonal in Russland verringern - und zwar drastisch, wie der Duma-Abgeordnete Sergej Schelesnjak im russischen Staatsfernsehen erklärte.

Die Amerikaner hätten im vergangenen Jahr 35 russische Diplomaten ausgewiesen. Um auf dieselbe Anzahl an Personal zu kommen, müssten die USA jetzt etwa 700 Mitarbeiter aus Russland zurückholen. "Das werden sie spüren. Sowohl im diplomatischen Dienst, aber auch bei den US-Spionagediensten."

Außerdem dürfen amerikanische Diplomaten einen Erholungskomplex und Lagerstätten in Moskau nicht mehr nutzen.

US-Kongress entscheidet über Russland-Sanktionen
tagesschau 20:00 Uhr, 28.07.2017, Claudia Buckenmaier, ARD Washington

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Weitere Schritten könnten folgen

Dass es bei diesen Maßnahmen bleibt, darf bezweifelt werden. Das russische Außenministerium behält sich in seiner Erklärung ausdrücklich das Recht vor, weitere Schritte zu unternehmen.

Es gebe da noch andere Hebel, meint Wladimir Dschabarow, Mitglied des Föderationsrates: "Wir arbeiten mit den Amerikanern sehr aktiv zusammen - im Bereich Flugzeugbau oder in der Raumfahrtbranche. In unseren Städten gibt es an jeder Ecke Restaurants einer Fastfood-Kette, die ich nicht nennen möchte. Sie verdienen sehr viel Geld in unserem Land. Wir können auch ohne sie leben."

Ein Burger liegt neben einer Packung Pommes Frites von Burger King (Archiv)
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Vor allem russische Zulieferbetriebe und russische Franchiseunternehmer - etwa die von Burger King - wären betroffen, wenn Moskau seine Maßnahmen verschärft.

Der Verzicht auf Fastfood unter amerikanischem Label mag aus Sicht russischer Wirtschaftsexperten noch angehen. Vor einer Aufkündigung der Zusammenarbeit in wichtigen Branchen - wie der Luft- und Raumfahrt - wird allerdings gewarnt. 

Würde Russland dem Boeing-Konzern zum Beispiel kein Titan mehr liefern, so Andrej Kortunow, Generaldirektor des russischen Rates für internationale Beziehungen, dann hätte das nicht nur für Boeing unangenehme Folgen: "Ich denke, es würde auch unseren Produzenten schaden. Die Amerikaner werden schnell Ersatz finden. Es wird nicht dazu führen, dass Boeing keine Flugzeuge mehr herstellen kann."

Die Raumstation ISS im Weltall (Foto: dpa)
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Die Raumstation ISS ist ein multinationales Projekt, an dem die US-amerikanische NASA sowie die russische Raumfahrtagentur Roskosmos beteiligt sind.

USA schadet Russlands Wirtschaft - aber nicht umgekehrt

Schmerzhaft wäre sicher ein Ausstieg Russlands aus dem gemeinsamen Raumfahrtprojekt ISS. Aber auch damit, heißt es aus Fachkreisen, würde sich Russland selbst schaden.

Er glaube nicht, so Kortunow, dass Russland den Vereinigten Staaten wirtschaftlich großen Schaden zufügen könnte: "Unsere Gegenaktionen werden eher asymmetrisch sein. Sie können US-Diplomaten und US-Immobilien in Moskau betreffen. Es kann auch um amerikanische NGOs gehen."

Außenpolitik als Druckmittel

Hebel gibt es aber auch im außenpolitischen Bereich: keinerlei Zusammenarbeit mehr mit Blick auf Syrien. Keine Unterstützung mehr für von Amerika propagierte Resolutionen im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Dafür mehr Kooperation mit China.

Die Sanktionen, so viel steht bereits vor ihrem Inkrafttreten fest, werden alle - nicht nur Russland - zu spüren bekommen.

Reaktion Russlands zu US-Sanktionen
Christina Nagel, ARD Berlin
28.07.2017 14:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. Juli 2017 um 12:02 Uhr.

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