Hacker | Bildquelle: dpa

Mutmaßlich russische Cyberattacken auf USA Virtuelles Säbelrasseln

Stand: 16.10.2016 09:59 Uhr

Immer wieder haben US-Vertreter betont, Hacker-Angriffe blieben nicht ungestraft. Das war auch eine Warnung an Russland - dem die jüngste Cyberattacke auf Hillary Clintons Wahlkampfteam angelastet wird. Der Sender NBC berichtet nun über CIA-Pläne für einen Gegenschlag - und Moskau zürnt.

Das Verhältnis zwischen Russland und den USA ist schlecht wie lange nicht mehr - tief zerstritten sind die beiden Mächte unter anderem über den Umgang mit dem Assad-Regime und der Lösung des Bürgerkriegs in Syrien. Zusätzlich belastet sind die Beziehungen durch Hackerangriffe auf Computersysteme politischer Organisationen und Institutionen im laufenden US-Präsidentschaftswahlkampf. Denn Washington macht die russische Führung in Moskau dafür verantwortlich - die freilich dementiert.

Ein Bericht des US-Senders NBC verschärft die Spannungen nun noch einmal: Der Sender berichtet unter Berufung auf Quellen im Geheimdienst, die CIA bereite heimliche Cyberattacken mit dem Ziel vor, den Kreml bloßzustellen. Frühere Geheimdienstmitarbeiter eröffneten NBC News demnach, dass die CIA Dokumente gesammelt habe, die zwielichtige Taktiken von Kremlchef Wladimir Putin ans Licht bringen könnten. Noch pikanter: Der Auftrag stamme direkt aus dem Weißen Haus.

Gestützt werden diese Gerüchte zumindest indirekt durch Äußerungen von Vizepräsident Joe Biden: Der sagte in der NBC-Sendung "Meet the Press": "Wir senden eine Botschaft" an Russland - und zwar "zu einem Zeitpunkt unserer Wahl und unter den Umständen, die die größte Wirkung entfalten werden".

Biden in der Türkei
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US-Vizepräsident Joe Biden: "Senden eine Botschaft an Russland"

Moskau empört

Die russische Führung reagierte mit Empörung auf den Bericht und warf Washington "Unberechenbarkeit und Aggressivität" vor: "Das ist schon am Rande der Grobheit", sagte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow. Und legte seinerseits mit einer Drohung nach: "Falls das geschieht, werden wir natürlich reagieren."

Völlig unklar ist allerdings, ob die US-Pläne - wenn es sie denn überhaupt gibt - jemals in die Tat umgesetzt werden. Denn laut NBC ist man sich innerhalb der US-Regierung keineswegs einig. Ein Teil der Führungsspitze gibt traditionellen Druckmitteln wie etwa Sanktionen einem geheimen Cyberangriff klar den Vorzug. Anordnen kann einen solchen Cyberangriff nur US-Präsident Barack Obama.

Angriff auf Hillary Clinton

Die Enthüllungsplattform WikiLeaks hatte vor einer Woche begonnen, Tausende E-Mails vom persönlichen Konto des Wahlkampfmanagers der demokratischen US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, John Podesta, zu veröffentlichen. Ein Hacker mit dem Pseudonym Guccifer 2.0 stellte auch anderen Websites das Material zur Verfügung. Der Hackerangriff soll von Russland ausgegangen sein. Das Clinton-Lager äußerte sich nicht zu den Veröffentlichungen, stritt sie aber auch nicht ab. Ein Sprecher sagte, dies sei ein zweites Watergate. Laut der Dokumente soll Clinton im Hinblick auf Finanzmarktregulierungen gesagt haben, dass sie genauer untersucht werden müssten, um nicht das zu zerstören, was funktioniert.

Die Veröffentlichung der E-Mails löste bislang keine Skandale aus, allerdings erhielt die Öffentlichkeit dadurch Einblicke in die Arbeitsweise von Clintons Wahlkampfteam. Lanhee Chan, ehemaliger Berater des Republikaners Marco Rubio, hält das Vorgehen für eine neue Taktik: Statt in Aktenschränke würde in E-Mails eingebrochen, um eine Wahl zu beeinflussen. "In einem normalen Wahlkampf wären diese Veröffentlichungen verheerend. Man sieht, wer die private Hillary Clinton ist im Vergleich zur öffentlichen Person", sagte Chan gegenüber NBC.

Mit Informationen von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Oktober 2016 um 14:00 Uhr.

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