Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei | Bildquelle: picture alliance / AA

Abschuss einer russischen Militärmaschine Putin fordert türkische Entschuldigung

Stand: 26.11.2015 15:28 Uhr

Harter Kurs gegenüber Ankara: Russlands Präsident Putin will eine Entschuldigung und Schadensersatz für den Abschuss eines Kampfjets. Die blieb bislang aus: Der türkische Präsident Erdogan warf Russland vor, nicht nur den IS, sondern auch die syrische Opposition zu bekämpfen.

Wladimir Putin | Bildquelle: AFP
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Erwartet eine Entschuldigung: der russische Präsident Putin

Russlands Präsident Wladimir Putin erwartet eine Entschuldigung der Türkei für den Abschuss eines russischen Kampfbombers. Diese solle von "höchster militärpolitischer Stelle" kommen. Außerdem müssten die verantwortlichen "Verbrecher" bestraft werden. Die Türkei habe auch noch keine Angebote für einen Schadensersatz gemacht, kritisierte der Kreml-Chef.

Er bedauere, dass sich die Beziehungen beider Länder derart verschlechtert hätten. "Wir halten solche verräterischen Stöße in den Rücken von jenen, die wir im Kampf gegen den Terror als Partner und Verbündeten sahen, für absolut unerklärlich", sagte der Präsident der Agentur Interfax zufolge. In Russland entstehe der Eindruck, dass die türkische Führung die bilateralen Beziehungen bewusst in eine Sackgasse treibe.

Türkei kritisiert Syrien-Strategie Russlands

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte im Hinblick auf den Abschuss des russischen Kampfflugzeugs, sein Land habe nicht gezielt Russland ins Visier genommen. Das Vorgehen sei "eine automatische Reaktion" gewesen, die mit den türkischen Verhaltensregeln in Einklang gestanden habe. Wenn sich das Land heute dem gleichen Verstoß gegenüber sähe, würde es genauso reagieren, erklärte Erdogan.

Recep Tayyip Erdogan | Bildquelle: AFP
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Erdogan wies die russische Forderung nach einer Entschuldigung zurück.

Erdogan kritisierte zudem das russische Vorgehen in Syrien: Er warf Russland vor, den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" in Syrien als Vorwand zu nutzen, um Oppositionsgruppen ins Visier zu nehmen - mit dem Ziel, den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad zu stärken.

Ohne Russland direkt zu erwähnen, forderte Erdogan das Land auf, seinen Vorwurf zu beweisen, wonach die Türkei vom IS Öl und Gas kaufe. Die Anschuldigungen bezeichnete der türkische Präsident als beschämend. Die Türkei sei das Land, das den ernstesten Kampf gegen den IS führe.

Mehr Kontrollen für türkische Agrarprodukte

Die Verschlechterung der Beziehung zwischen Russland und der Türkei wirken sich auch auf andere Bereiche aus: So forderte die russische Regierung die Behörde für Lebensmittelsicherheit auf, Agrarprodukte aus der Türkei verstärkt zu überprüfen. Landwirtschaftsminister Alexander Tkaschjow begründete den Schritt mit "wiederholten Verletzungen russischer Normen durch türkische Hersteller". Er nannte "verbotene und schädliche Substanzen" und stark erhöhte Pestizid- und Nitratwerte als Grund für die Kontrollen. Einen Bezug zum Abschuss des russischen Kampfflugzeugs durch die Türkei stellte der Minister nicht her.

Flugzeugabsturz in der Türkei | Bildquelle: dpa
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Dieser Abschuss sorgt weiter für Spannungen in den russisch-türkischen Beziehungen. Laut Ankara fand er im türkischem Luftraum statt, laut Moskau über Syrien.

Putin-Sprecher Dmitri Peskow sagte, es gebe "verschiedene Gründe" für die zusätzlichen Überprüfungen. Dazu gehöre auch eine mögliche terroristische Bedrohung. Peskow legte Wert darauf, dass es kein Verbot türkischer Güter gebe. Mit Blick auf die Kontrollen sagte er: "Dies ist nur normal angesichts der unberechenbaren Handlungen der Türkei."

Es ist nicht das erste Mal, dass Russland auf geopolitische Spannungen mit wirtschaftlichen Maßnahmen reagiert. So besteht etwa seit Sommer 2014 ein Embargo auf die meisten Lebensmittel aus westlichen Ländern. Diese hatten Russland wegen seiner mutmaßlichen Verwicklungen in den Ukraine-Konflikt mit Sanktionen belegt. Auch in den Auseinandersetzungen mit Georgien und der Ukraine hatte Russland entsprechend regiert.

Die russische Regierung bereitet laut eigenen Angaben auch weitere wirtschaftliche Strafen gegen die Türkei vor. Ministerpräsident Dimitri Medwedew sagte, die Regierung solle nach dem "aggressiven Akt" ein "System von Antworten" erarbeiten, das sich unter anderem auf den Handel, den Tourismus und den Flugverkehr beziehe.

Offenbar neue Luftangriffe

Russische Kampfjets bombardierten laut Aktivisten an der Grenze zur Türkei erneut Stellungen syrischer Rebellen. Sie griffen unter anderem eine Bergregion nahe der Küste an, in der viele Angehörige der ethnischen Minderheit der Turkmenen leben. Auch eine Verbindungsstraße zwischen dem Ort Asas und dem Grenzübergang Bab al Salama sei beschossen worden, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und Aktivisten.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Laut einem Medienbericht hat Russland sein angekündigtes Luftabwehrsystem bereits nach Syrien gebracht. Die Langstreckenraketen seien auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt Hemeimim, berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Putin hatte die Verlegung des hochmodernen S-400-Systems am Mittwoch angekündigt, als Reaktion auf den Abschuss. Hemeimim liegt nur 50 Kilometer südlich der türkischen Grenze. Die S-400-Raketen gelten als sehr präzise und könnten türkische Kampfjets auf eine Entfernung von 400 Kilometern abschießen

Russland fliegt seit September zur Unterstützung des syrischen Machthabers Bashar al-Assad Luftangriffe in Syrien auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und andere Rebellengruppen, darunter auch Verbündete der Türkei. An der Grenze kam es bereits wiederholt zu Zwischenfällen zwischen russischen und türkischen Kampfflugzeugen.

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