Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei | Bildquelle: picture alliance / AA

Türkisch-russischer Konflikt Herkunft bei Abschuss unbekannt?

Stand: 26.11.2015 09:14 Uhr

Russland und die Türkei bestehen weiter auf ihren konträren Versionen zum Abschuss eines russischen Kampfjets an Syriens Grenze. Für Moskau ist klar: Es gab keine Warnungen, die Attacke fand über Syrien statt. Aber Ankara will seine Position mit neuen Details bekräftigen.

Das türkische Militär wusste nach eigenen Angaben nicht, dass das an der syrischen Grenze abgeschossene Kampfflugzeug russisch war. "Die Einsatzregeln wurden auf automatische Weise angewendet", erklärten die Streitkräfte. Sie versicherten zudem, sich nach dem Abschuss am Dienstag bemüht zu haben, die Piloten zu finden und zu retten. Demnach kontaktierten sie auch das russische Militär, um ihre Bereitschaft zu "jeder Form der Kooperation" kundzutun.

Russische Militärvertreter seien ins türkische Armee-Hauptquartier eingeladen worden. Dort sei ihnen erläutert worden, dass eine Einsatzregel befolgt worden sei, weil die Besatzung des russischen Flugzeugs nicht auf Warnungen reagiert habe.

Verhältnis zwischen Russland und der Türkei angespannt
tagesthemen 22:15 Uhr, 25.11.2015, Birgit Virnich, ARD Moskau

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Aufnahme mit angeblicher Warnung veröffentlicht

Die türkischen Streitkräfte wiederholten auch ihre Darstellung, es habe Warnungen an die russische Besatzung gegeben. Die Nachrichtenagentur DHA stellte unter Berufung auf die Armee eine Sprachaufnahme ins Netz. Auf dieser ist die mehrmalige Aufforderung zu hören, nach Süden abzudrehen. Es soll sich dabei um den Funkspruch an die Piloten des am Dienstag abgeschossenen Flugzeugs handeln.

Schon direkt nach dem Abschuss hatte die Türkei erklärt, die Suchoi Su-24 sei mehrfach und über mehrere Minuten hinweg kontaktiert worden.

Pilot bestreitet Kontakt

Der überlebende Pilot des abgeschossenen Kampfjets widersprach der türkischen Darstellung allerdings. Er sagte nach Angaben der Agentur Interfax: Es habe keinen Kontakt gegeben. Laut russischer Darstellung wurde die Maschine am Dienstag über syrischem Gebiet abgeschossen. Außenminister Sergej Lawrow sprach von einer "geplanten Provokation" der Türkei.

Landwirtschaftsminister Alexander Tkaschjow ordnete verschärfte Kontrollen für türkische Lebensmittel an. Dortige Hersteller hätten immer wieder gegen russische Vorschriften verstoßen. Den Abschuss erwähnte der Minister zwar nicht. Experten hatte aber wirtschaftspolitische Schritte gegen die Türkei erwartet. Gestern hatte Ministerpräsident Dimitri Medwedew schon angekündigt, russisch-türkische Projekt würden gestoppt.

Russland fliegt seit September zur Unterstützung des syrischen Machthabers Bashar al-Assad Luftangriffe in Syrien auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und andere Rebellengruppen, darunter auch Verbündete der Türkei. An der Grenze kam es bereits wiederholt zu Zwischenfällen zwischen russischen und türkischen Kampfflugzeugen.

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