Die Besatzung eines russischen Su-24 Kampfflugzeugs bereitet ihren Abflug von einer Basis nahe Latakia vor (Oktober 2015) | Bildquelle: REUTERS

Nach Abschuss von russischem Jet Russland rüstet Truppen in Syrien auf

Stand: 25.11.2015 11:38 Uhr

Die russische Regierung reagiert auf den Abschuss ihres Kampfjets: Sie stattet ihre Truppen in Syrien mit einem Luftabwehrsystem aus. Ministerpräsident Medwedew drohte zudem damit, gemeinsame Wirtschaftsprojekte mit der Türkei zu stoppen.

Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe im türkisch-syrischen Grenzgebiet stehen die Zeichen zwischen Moskau und Ankara weiter auf Konfrontation. Der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu teilte laut einer Meldung der Nachrichtenagentur "Interfax" mit, der Stützpunkt Hmeimim in Syrien werde mit dem Luftabwehrsystem S-400 ausgestattet. Das mobile System, das im NATO-Code SA-21-Growler heißt, kann alle Typen von Kampfflugzeugen, Marschflugkörpern und auch taktische Raketen abfangen. Zudem sei der Lenkwaffenkreuzer "Moskwa" an die syrische Küste bei Latakia geschickt worden. Er ist mit dem Luftabwehrsystem S-300 ausgestattet.

Ministerpräsident Dmitri Medwedew drohte der Türkei zudem an, gemeinsame Wirtschaftsprojekte zu stoppen. Welche er damit meinte, führte Medwedew nicht weiter aus. Er sagte aber, türkische Unternehmen könnten Marktanteile in Russland verlieren.

Gemeinsamer Militärstab?

Unklar ist, ob Moskau zugleich auch deeskalierende Signale an den Westen aussendet. Die Nachrichtenagenturen AFP und Reuters zitierten den russischen Botschafter in Frankreich, Alexander Orlow, mit den Worten, Russland sei zur Einrichtung eines gemeinsamen Militärstabes im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) bereit. Daran könnten sich die USA, Frankreich, aber auch andere Länder beteiligen - und auch die Türkei, sagte Orlow demnach dem französischen Radiosender Europe 1.

Der französische Präsident Francois Hollande reist am Donnerstag nach Moskau, um mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin über ein gemeinsames und besser koordiniertes Vorgehen gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" zu sprechen. Eine Bestätigung der Äußerung Orlows gab es aus Moskau bislang nicht. Vielmehr bekräftigte Schoigu, dass Moskau alle militärischen Kontakte mit Ankara vorerst einfrieren werde.

Putin hält weitere Zwischenfälle für möglich

Putin selbst kritisierte am Vormittag abermals den Abschuss des Kampfjets. Er sagte gegenüber Journalisten, es sei nicht ausgeschlossen, dass es in der Region zu weiteren Zwischenfällen kommen könne. In diesem Fall werde Russland reagieren müssen. Er warf dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor, eine Islamisierung der Türkei zu betreiben - das sei das eigentliche Problem hinter dem gestrigen Abschuss.

Er forderte seine Landsleute auf, nicht mehr in die Türkei zu reisen. Sie könnten dort in Gefahr geraten. Die Türkei ist in Russland eines der beliebtesten Urlaubsländer.

Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei | Bildquelle: picture alliance / AA
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Nur wenige Sekunden in türkischem Luftraum? Fakt ist: Erstmals seit 50 Jahren hat ein NATO-Mitglied einen russischen Kampfjet abgeschossen.

Erdogan will Beziehungen nicht weiter belasten

Der türkische Präsident Erdogan bekräftigte, sein Land wolle keine Eskalation mit Russland. Das türkische Militär habe lediglich die Sicherheit des Landes verteidigt und die "Rechte unserer Brüder in Syrien".

Ministerpräsident Ahmet Davutoglu kritisierte erneut russische Luftangriffe auf die turkmenische Bevölkerung in Syrien. Diese seien nicht durch den Kampf gegen den IS zu rechtfertigen. Die Türkei begreift sich als Schutzmacht der Turkmenen, die vor allem in den Provinzen Latakia und Aleppo angesiedelt sind.

Pilot gerettet

Russlands Verteidigungsminister Schoigu gab zudem bekannt, dass der zweite Pilot der abgeschossenen Maschine von der syrischen Armee gerettet wurde. Spezialeinheiten hätten den Soldaten auf einem von Rebellen kontrollierten Gebiet in Sicherheit und zum Stützpunkt Latakia gebracht.

Der andere Pilot war nach dem Abschuss der Suchoj-24 ums Leben gekommen. Rebellen hatten die Soldaten unter Beschuss genommen, als sie versuchten, sich mit dem Fallschirm zu retten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. November 2015 um 12:00 Uhr.

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