Russische Suchoi-Kampfjets bei einer Flugschau | Bildquelle: dpa

Kampf gegen die Terrormiliz IS Russland fliegt erste Angriffe in Syrien

Stand: 30.09.2015 16:11 Uhr

Russland hat mit Luftangriffen in Syrien begonnen. Laut Verteidigungsministerium richteten sich die Angriffe gegen Stellungen des IS. Doch nach Angaben von USA und syrischer Opposition ist der IS in dem Gebiet gar nicht präsent. Laut Menschenrechtlern wurden mindestens 27 Menschen getötet.

Russland hat erste Luftangriffe in Syrien geflogen. Das teilte das Verteidigungsministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit und bestätigte damit US-Informationen. Der Angriff habe in der Region Homs stattgefunden, sagte ein US-Regierungsvertreter. Russland habe die USA eine Stunde vorher über entsprechende Pläne informiert, auch um US-Kampfflugzeuge aus dem syrischen Luftraum abzuziehen.

Nach russischen Angaben richteten sich die Angriffe gegen Stellungen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Die USA widersprachen aber dieser Darstellung, ebenso wie die syrische Opposition: Die Region werde von verschiedenen gemäßigten Rebellengruppen beherrscht, sagte Samir Naschar, führendes Mitglied des Oppositionsbündnisses Nationale Syrische Koalition. Dessen Vorsitzender Khaled Khudscha erklärte über Twitter, in dem Gebiet gebe es weder Kämpfer des IS noch des Terrornetzwerkes Al-Kaida.

Bei den Angriffen wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 27 Menschen getötet. Aktivisten berichteten sogar von mehr als 35 Toten, darunter Frauen und Kinder.

Die Einsätze des US-geführten Bündnisses gingen ungeachtet der russischen Angriffe planmäßig weiter, wie der Sprecher der Mission zur Bekämpfung des IS mitteilte. Die USA fliegen seit Monaten gemeinsam mit Frankreich und anderen Alliierten Angriffe gegen den IS in Syrien und im Irak, wo die Islamisten jeweils große Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht haben.

Russische Militärpräsenz in Syrien

Auf ein gemeinsames militärisches Vorgehen gegen den IS konnten sich die USA und Russland bisher nicht einigen. Nach russischen Angaben sollen Militärexperten in Bagdad Informationen über russische Luftangriffe mit den USA teilen.

Der russische Präsident Wladimir Putin. | Bildquelle: dpa
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Der russische Präsident Putin hatte sich am Vormittag den Militäreinsatz vom Parlament genehmigen lassen.

Russland gehört neben dem Iran zu den wichtigsten Verbündeten von Syriens Präsidenten Bashar al-Assad. Die Regierung in Moskau hatte in den vergangenen Wochen ihre Militärpräsenz in Syrien massiv verstärkt. Präsident Wladimir Putin hatte am Vormittag vom Parlament das Mandat für einen Militäreinsatz in Syrien erhalten. Bodentruppen sollen nach Angaben des russischen Präsidialamtes aber nicht eingreifen.

Mit den Luftangriffen in Syrien wolle man Assad militärisch helfen, sagte Putin. Gleichzeitig erwarte er aber auch, dass Assads Regierung Verhandlungen mit der Opposition aufnehme.

Die syrische Regierung begrüßte die Bereitschaft Russlands, militärisch in den Bürgerkrieg einzugreifen. Die militärische Hilfe sei eine Reaktion auf eine entsprechende Anfrage aus Damaskus, teilte das Büro von Präsident Assad mit. Das Assad-Regime steht militärisch unter Druck, vor allem von Seiten des IS.

Russische Kampfjets bombardieren Stellungen in Syrien
tagesschau 16:00 Uhr, 30.09.2015, Daniel Asche, ARD Moskau

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Streit über Rolle Assads

Bei der UN-Generalversammlung hatte es Streit über die Rolle Assads für eine mögliche Neuordnung Syriens gegeben. Während die USA und Europa darauf bestehen, Assad müsse sein Amt räumen und den Weg für eine neue Regierung frei machen, besteht Wladimir Putin darauf, dass es eine friedlich Lösung nur mit Assad geben könne. Der syrische Machthaber soll für die Ermordung Hunderttausender Syrer während des Kriegs, unter anderem mit chemischen Waffen, verantwortlich sein.

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