Russland könnte wieder an der Uhr drehen Zweifel an der ewigen Sommerzeit

Stand: 26.10.2013 12:03 Uhr

In Russland werden die Uhren seit 2011 nicht mehr umgestellt, um den Bürgern dadurch entstehenden Stress zu ersparen. Doch ein Anstieg bei Patienten mit Depressionen lässt viele Russen am Sinn der ewigen Sommerzeit zweifeln.

Von Bernd Großheim, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Sieben Mal in den vergangenen 100 Jahren wurde die gesetzliche Regelung der Uhrzeit in Russland geändert. Das achte Mal wird vorerst nicht kommen. Es bleibt bei der ewigen Sommerzeit. Damit beträgt der Zeitunterschied zwischen den Hauptstädten Moskau und Berlin im Winter drei Stunden, im Sommer dagegen nur zwei Stunden.

Nur kurz gab es die Hoffnung, dass Russland zum Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit zurückkehren könnte. Doch für die Olympischen Winterspiele in Sotschi hätten die Fernsehsender weltweit den Zeitunterschied schon eingeplant, hieß es. Der Kreml fürchtete Vertragsstrafen.

Medwedjews (einziges) Vermächtnis

Präsident Putin (rechts) feierte ungeachtet der Demonstration den Tag Russlands. | Bildquelle: dpa
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Noch hat Putin (re.) die Entscheidung seines Vorgängers und Nachfolgers Medwedjew nicht zurückgenommen.

Die ewige Sommerzeit ist ein Vermächtnis des früheren Präsidenten und jetzigen Regierungschefs Dimitri Medwedjew. Eigentlich ist es eine der letzten Entscheidungen seiner Amtszeit, die noch nicht von seinem Nachfolger und Vorgänger Wladimir Putin zurückgenommen wurde.

Eingeführt wurde die ewige Sommerzeit 2011. Sie wurde gepriesen als Vorteil für Mensch und Tier. Zunächst war Russland auch überwiegend zufrieden, inzwischen findet nur noch ein Drittel der Bevölkerung die geltende Regelung gut. Alexander ist aber dagegen, wieder zum Wechsel von Sommer- und Winterzeit zurückzukehren: "Unser Körper muss sich ständig umstellen, da ist es notwendig, dass das nicht zu oft passiert. Eigentlich ist es nicht so wichtig, ob man nach der Sommerzeit oder der Winterzeit lebt. Wichtiger ist der Stress durch die ewigen Zeitumstellungen. Darauf reagiert unser Körper. Am besten wäre es ohne Veränderungen."

Wenn die Sommerzeit endet

Zweimal im Jahr wird in Deutschland und mehr als 60 weiteren Staaten die Zeit umgestellt. In allen EU-Mitgliedsstaaten endet die Sommerzeit jeweils am letzten Sonntag im Oktober, am letzten Sonntag im März beginnt sie dann wieder. Die Uhren wurden in diesem Jahr in der Nacht zum 26. Oktober nach 02.59 Uhr wieder auf 02.00 Uhr zur auch "Winterzeit" genannten Normalzeit zurückgestellt. Die Nacht wurde also um 60 Minuten verlängert und man bekam die vermeintlich im März "gestohlene" Stunde wieder.

Mehr Depressionen, weniger Geburten

Wissenschaftler sehen vor allem ein Problem der ewigen Sommerzeit: Im Winter bleibt es morgens sehr lange dunkel. Ärzte berichten von deutlich mehr Patienten mit Depressionen seit 2011. Einige Politiker machen die ewige Sommerzeit sogar für den Geburtenrückgang verantwortlich.

Die Uhrzeit am Spasski-Turm des Kreml zeigt 12.01 Uhr. | Bildquelle: dpa
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Die ewige Sommerzeit führt offenbar zu mehr depressiven Menschen und angeblich zu weniger Geburten.

Natalia hat ihr persönliches Problem mit der ewigen Sommerzeit: "Ich kann mich nur ganz schlecht daran gewöhnen. Ob es gut ist oder schlecht ist, weiß ich nicht, aber es ist stressig für mich."

Kommt nun die ewige Winterzeit?

Die Regierung Medwedjew reagierte auf die Kritik: Seit Beginn dieses Jahres werden die Auswirkungen der ewigen Sommerzeit auf die Gesundheit der Menschen offiziell untersucht. Im Mai hieß es, die geltende Regelung sei optimal für Russland. Trotzdem befasst sich das russische Parlament mit einem Gesetzentwurf, der die achte Änderung der gesetzlichen Zeitregelung vorsieht - diesmal zur ewigen Winterzeit. Das letzte Oktoberwochenende hat die Duma als Umstellungszeitpunkt aber nun verpasst.

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