Rekordinvestitionen in Raumfahrt geplant Russland nimmt Mond und Mars ins Visier

Stand: 12.04.2013 20:08 Uhr

Russland will bis 2020 eine Rekordsumme von umgerechnet 40 Milliarden Euro in sein Raumfahrtprogramm investieren. Nach mehreren Pannen will Präsident Wladimir Putin dadurch den Ruf des Landes als eine der führenden Raumfahrtnationen aufpolieren.

Die Weiterentwicklung der russischen Raumfahrt werde zum Hauptanliegen seiner Politik, verkündete Putin auf der Baustelle des neuen Weltraumbahnhofs im russischen Wostotschni. Für seinen Besuch wählte er ein historisches Datum: den Jahrestag von Juri Gagarins erstem bemannten Flug ins All 1961.

Die Weiterentwicklung der russischen Raumfahrt werde | Bildquelle: dpa
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Im Wettlauf mit den USA, Europa und China habe die russische Raumfahrt an Boden verloren, sagte Putin.

Neuer Weltraumbahnhof soll ab 2015 in Betrieb gehen

Als Ziel gab Putin an, den Vorsprung anderer Nationen bei der Erforschung des Alls einholen zu wollen. In einer im Fernsehen übertragenen Direktschaltung zur Besatzung der Internationalen Raumstation ISS versprach er, das neue 7,4 Milliarden Euro teure Kosmodrom werde bis Ende des Jahrzehnts "in vollem Umfang einsatzfähig" sein. Schon ab 2015 sollten von dort erste Raumfahrzeuge starten, ab 2018 die ersten bemannten Flüge. Auch Europa und den USA stünde das Kosmodrom ab 2015 zur Verfügung, sagte Putin.

Bis heute starten alle bemannten Raumflüge vom Weltraumbahnhof im kasachischen Baikonur. Seit einigen Jahren streitet sich Russland jedoch mit den kasachischen Behörden um die Pachtbedingungen. Die Fertigstellung von Wostotschni soll für die neuen Raumfahrtambitionen nur ein Sprungbrett sein.

Station auf dem Mond als "Rampe" zum Mars

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Putin hört dem Chef der Weltraumbehörde, Popowkin, bei dessen Ausführungen zum Weltraumbahnhof Wostotschni zu.

Das Jahr 2030 werde als Startschuss für eine Station auf dem Mond angepeilt, sagte der Chef der russischen Weltraumbehörde Roskosmos, Wladimir Popowkin, im staatlichen Fernsehen. Der Mond sei eine großartige "Abschussrampe" für den Weiterflug zum Mars, sagte Popowkin. "Er ist im Grunde ein großes Weltraumobjekt, auf dem eine ganze Menge an Sachen untergebracht werden können. Ihn nicht zu nutzen wäre eine Sünde."

Als Vehikel für eine Mondstation und den späteren Weiterflug zum Mars will Russland ab 2018 einen atomar betriebenen Motor bauen. "Zum ersten Mal werden wir einen kompakten Atomantrieb bauen", zitierte die Zeitung "Rossijskaja Gaseta" Popowkin. Das Modul eröffne "völlig neue Möglichkeiten im All". Ein bemannter Flug zum Mars gilt als so aufwändig, dass ihn Experten zufolge nur mehrere Raumfahrtnationen gemeinsam bewältigen können.

Russland ist derzeit zwar noch führend bei der bemannten Raumfahrt. Die russischen Sojus-Raketen sind seit der Einstellung des US-Shuttle-Programms 2011 die einzige Möglichkeit, Astronauten zur ISS zu befördern. Bei der Erforschung des Alls und bei der Beförderung von Satelliten musste das Land aber einige Pannen einstecken. So büßte es im Januar 2012 seine Mars-Sonde "Phobos-Grunt" ein. Sie war von Baikonur aus gestartet, stürzte dann aber in den Pazifik.

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