Demonstranten der Opposition schwingen in Moskau schwarz-gelb-weiße Fahnen. | Bildquelle: dpa

Fünf Jahre Bolotnaja-Protest Die Angst bleibt - der Widerstand auch

Stand: 06.05.2017 19:11 Uhr

2011 haben die Menschen in Moskau gegen die Amtseinführung von Präsident Putin demonstriert. Noch heute fürchten viele von ihnen, verhaftet und verurteilt zu werden. Doch die Angst hält die Menschen nicht davon ab, auch fünf Jahre später ihren Widerstand zu zeigen.

Von Hermann Krause, ARD-Studio Moskau

Die Kundgebung war genehmigt - genau wie die vor fünf Jahren. Am 6. Mai 2011 versammelten sich an die 40.000 Menschen auf dem Balotnaja Ploschad, in Sichtweite des Kreml. Einen Tag vor der Inauguration des Präsidenten: Wladimir Putin wurde zum dritten Mal vereidigt.

Die Leute demonstrierten dagegen, mit radikalen Sprüchen, wie etwa "Putin ist ein Dieb" - aber dennoch friedlich. Ein Teilnehmer erinnert sich: "Die Menschen kamen friedlich, alles hätte ruhig ablaufen können. Aber dann trieben sie die Leute quasi in die Enge und schlugen mit Knüppeln beliebig auf die Menschen ein. Wir saßen fest und wurden verprügelt. Dazu gab es auch speziell ausgebildete Provokateure. Es war hart."

Demonstranten noch immer in Haft

Diese "Provokateure" waren plötzlich zwischen den Demonstranten, warfen Steine und verschwanden dann hinter den Reihen der Sondereinheiten. Später hieß es, die Sondereinheiten - ausgestattet mit Helmen, kugelsicheren Westen und Schlagstöcken - wurden angeblich angegriffen.

Das Ergebnis: 400 Festnahmen, zahlreiche Verurteilungen. Noch immer sitzen Demonstranten von damals in Haft. Ihre Bilder wurden auf der Protestaktion, fünf Jahre danach, hochgehalten. Fünf ältere Frauen skandierten: "Zeigen Sie Solidarität! Helfen Sie den Gefangenen vom 6. Mai. Wir sind frei und sie sind im Gefängnis. Für unsere und ihre Freiheit! Heute sitzen sie im Gefängnis, morgen kann man Dich festnehmen."

"Es geht darum, Angst zu erzeugen"

Die Kundgebung fand auf dem "Sacharow-Prospekt" statt, weiträumig abgesperrt. Schwere Lkw und Polizeimannschaftswagen blockierten die Nebenstraßen, auch hier wieder Sondereinheiten. Die Straßen rechts und links wurden mit Gittern abgesichert, so als würde von den wenigen Demonstranten eine Gefahr ausgehen.

Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich etwa 2000 Menschen an der Demonstration. Unter ihnen auch Alexander Tscherkassow von der Menschenrechtsorganisation "Memorial". Er spricht von politischen Repressalien, die den Menschen klar machen sollten: Wer zu einer Demonstration komme, laufe Gefahr, verhaftet und verurteilt zu werden. "Es geht darum, Angst zu erzeugen. Unsere Waffen sind die Wahrheit und das Recht. Auch wenn unsere Staatsmacht immer so tut, als würden wir nur Gewalt anwenden", sagt Tscherkassow.

Protest für ein "freies Land"

Um kurze Zeit verzögerte sich der Beginn der Kundgebung. Schuld war laut einem Vertreter der Stadt Moskau ein Plakat, auf dem der Rücktritt Putins gefordert wurde - dies sei Extremismus. Das Plakat wurde entfernt. Einer der Organisatoren, Alexander Ryklin, lässt sich dennoch nicht einschüchtern. "Schluss mit Putin, Schluss mit dem Krieg, Schluss mit den Repressionen! Schluss mit dem Diktat der Kirche. Schluss mit all diesen Sachen - wir wollen in einem freien Land leben", fordert er.

Gehör wird dies alles nicht finden. Gegen zahlreiche Teilnehmer der Demo vor fünf Jahren wird immer noch ermittelt, viele fürchten, verurteilt zu werden. Genauso wie die jungen Leute, die sich am 26. März auf der "Twerskaja-Strasse" versammelten: Auch gegen sie, darunter viele Studenten, sind Strafverfahren anhängig, wegen Teilnahme an oder sogar der Organisation von Massenunruhen.

Auch zum fünften Jahrestag der Bolotnaja-Proteste gibt es Festnahmen - allerdings nur sehr wenige. Laut Polizei wurden zunächst sieben Teilnehmer wegen Störung der öffentlichen Ordnung festgenommen, vier von ihnen seien kurz darauf wieder freigelassen worden.

Gewaltsame Auflösung der Anti-Putin-Demo vor 5 Jahren
Hermann Krause, ARD Moskau
06.05.2017 18:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Mai 2017 um 15:00 Uhr.

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