Der russische Blogger Sokolovski in Handschellen | Bildquelle: AP

Russischer Blogger Verurteilt wegen "Pokémon Go"

Stand: 11.05.2017 12:44 Uhr

Ein russischer Blogger, der als Provokation in einer Kirche "Pokémon Go" gespielt hatte, ist zu dreieinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er habe religiöse Gefühle verletzen wollen, sagte die Richterin. Menschenrechtler kritisierten den Prozess.

Der russische Blogger Ruslan Sokolowski ist zu dreieinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden, weil er in einer Kirche "Pokémon Go" gespielt hat. Eine Richterin befand ihn der Anstachelung zu religiösem Hass für schuldig.

Sokolowski hatte im vergangenen Jahr auf Youtube ein Video gepostet, auf dem er in der Kathedrale auf dem Blut in Jekaterinburg auf seinem Smartphone spielt. Das Aufnahme ist teilweise mit Musik unterlegt, die einen anstößigen Fluch enthält. Mit seinem Video habe er religiöse Gefühle verletzen wollen, sagte die Richterin. Seine Videos seien anti-religiös und zeigten seine Missachtung der Gesellschaft.

"Vielleicht bin ich ein Idiot, aber kein Extremist"

"Vielleicht bin ich ein Idiot, aber kein Extremist", hatte Sokolowski vor Gericht über seine Aktion gesagt. Der Clip war als bewusster Versuch gedacht, nachdem das russische Fernsehen zuvor davor gewarnt hatte, in Gotteshäusern Pokemons zu jagen. In dem Video thematisiert Sokolowski eingangs sein Unverständnis für diese Warnung und seine Überzeugung, dass eine entsprechende Aktion ohne Folgen bleiben werde.

Kurz darauf wurde der Blogger unter Hausarrest gestellt und im Oktober in Untersuchungshaft genommen. Nach seiner Anhörung im April hatte sich Sokolowski empört über die Vorwürfe geäußert: "Ich bin schockiert, dass die Anklage eine solche Strafe für mich beantragt hat", sagte er der Agentur Tass. "Ich habe niemandes Recht und Freiheit verletzt, seinen Glauben auszuüben."

Die Kathedrale auf dem Blut steht in Jekaterinburg an der Stelle, in der 1918 der letzte Zar Nikolaus II. und seine Familie erschossen wurden. Die Zarenfamilie wurde später heiliggesprochen. Ort und Gotteshaus haben deshalb für Anhänger der Monarchie wie für die Russisch-Orthodoxe Kirche eine besondere Bedeutung.

Screenshot aus dem Youtube-Video des russischen Bloggers Sokolovski
galerie

Screenshot aus dem Youtube-Video des russischen Bloggers Sokolowski

Erinnerungen an "Pussy Riot"

Bei "Pokémon Go" wird auf Straßen und in Gebäuden nach virtuellen Figuren gesucht. Der Fall löste in der russischen Blogger-Szene scharfe Kritik aus. Menschenrechtler verurteilen den Prozess. Er sei bereit, sich zu entschuldigen und gemeinnützige Arbeit zu verrichten, sagte Sokolowski.

Das international bekannteste Urteil wegen Anstachelung zu religiösem Hass in Russland fiel 2012 und traf die Punkrock-Band "Pussy Riot". Diese hatte mit einem Kurzauftritt in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale gegen eine Allianz von Staat und Kirche protestiert. Die drei Musikerinnen wurden zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Pokemon Go in Kirche: Russisches Gericht verurteilt Blogger zu dreieinhalb Jahren
S. Stöhr, ARD Moskau
11.05.2017 13:52 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 11. Mai 2017 um 14:11 Uhr

Darstellung: