Wladimir Kara-Mursa  | Bildquelle: imago/ITAR-TASS

Kara-Mursa vergiftet Russischer Oppositioneller kämpft um sein Leben

Stand: 13.02.2017 09:35 Uhr

Der russische Oppositionelle Kara-Mursa liegt seit Tagen auf einer Intensivstation. Nach Angaben seiner Frau stellten seine Ärzte eine Vergiftung fest. Kara-Mursa war Verbündeter des Oppositionspolitikers Nemzow, der 2015 erschossen wurde.

Von Sabine Stöhr, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Wladimir Kara-Mursa kämpft um sein Leben. Das will ihm offenbar jemand nehmen. Der 35-Jährige hat eine schwere Vergiftung. Wodurch sie ausgelöst wurde, ist unklar. So zumindest lautet die Diagnose der Ärzte in Russland.

Kara-Mursas Frau genügte die Aussage nicht. Sie schickte Blutproben ihres Mannes auch nach Frankreich und Israel, weil Untersuchungen in Russland zu keinem Ergebnis geführt hätten, erklärte sie.

Seit sechs Tagen liegt der russische Oppostionspolitiker auf der Intensivstation in einem Moskauer Krankenhaus, nachdem er Anfang des Monats plötzlich zusammengebrochen war.

Das geschah nicht zum ersten Mal. Bereits vor zwei Jahren musste er mit plötzlichem Nierenversagen ins Krankenhaus gebracht und dort ins künstliche Koma versetzt werden. Eine Vergiftung wurde aber nie bestätigt. Möglicherweise hängt sein Zusammenbruch jetzt mit dem Fall von damals zusammen, vermuten Anhänger von Kara-Mursa.

"Alles kann den Gegnern Putins passieren"

Seine Frau sagte der BBC in einem Interview: "Seine Aktivitäten irritieren eine Menge Leute. Es ist schwer zu sagen, wer jetzt hinter der Geschichte steckt. Aber wir wissen, dass in Russland heutzutage Oppositionsführer erschossen, vergiftet oder ins Gefängnis gesteckt werden können. Alles kann passieren, wenn Menschen sich gegen Putin stellen."

Kara-Mursa tut genau das: Vor sieben Jahren gründete er die russische Oppositionspartei Parnas mit. Partei gegen Willkür und Korruption nannte sie sich und inzwischen Partei der Volksfreiheit.

Mit dabei war damals Boris Nemzow, der vor fast zwei Jahren erschossen wurde. Auch der Schachspieler Garri Kasparow, der mittlerweile im Ausland lebt, stieß später dazu.

Blumen und letzte Grüße für Boris Nemzow
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Nemzow wurde in der Nähe des Kreml erschossen. Blumen und Kerzen an seinem Todesort werden immer wieder entfernt.

Für russische Staatsmedien ein Volksverräter

Außerdem ist Kara-Mursa Koordinator der Plattform Offenes Russland, einer Stiftung des ehemaligen Ölmagnaten Michail Chodorkowski. In ihr verbündeten sich mehrere oppositionelle Parteien Russlands. Ihr Ziel ist es, Putin abzusetzen und offene Wahlen zu unterstützen.

Darüber hinaus pflegt Kara-Mursa gute Kontakte in die USA. Damit vereint er alles in einer Person, was ihn nach Ansicht russischer Staatsmedien zu einem Volksverräter macht. Inzwischen ist Kara-Mursa aus dem Koma erwacht.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. Februar 2017 um 11:45 Uhr

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