Schriftzug der Radiostation ''Echo von Moskau'' | Bildquelle: picture alliance / Alexander Shc

Russland Journalistin in Moskau niedergestochen

Stand: 23.10.2017 19:24 Uhr

In Moskau hat ein Mann eine Journalistin im Sender "Echo Moskwy" mit einem Messer attackiert. Sie überlebte, der Mann wurde festgenommen. In Russland werden immer wieder Journalisten bedroht.

Tatyana Felgengauer
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Felgengauer moderiert eine beliebte Morgensendung.

Die Vizechefredakteurin des Radiosenders "Echo Moskwy" (Moskauer Echo) ist bei einer Messerattacke schwer verletzt worden. Der Angreifer sei in die Redaktion in der 14. Etage eines Gebäudes vorgedrungen und habe der Journalistin Tatjana Felgengauer in den Nacken gestochen, sagte Chefredakteur Alexej Wenediktow. Die 32-Jährige wurde demnach nicht lebensgefährlich verletzt, musste nach einer Operation aber in ein künstliches Koma versetzt werden.

Wenediktow zufolge verschaffte sich der Mann Zugang zu dem Gebäude, indem er einen Wachmann mit einem Spray außer Gefecht setzte. "Dann kam er in unsere Etage und drang in unser Büro ein." Er habe es offenbar auf Felgengauer abgesehen. Die liberale Journalistin ist Moderatorin einer beliebten Morgensendung: "Er wusste, wohin und zu wem er geht."

Der mutmaßliche Attentäter | Bildquelle: AP
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Der Angreifer wurde noch in der Redaktion überwältigt.

Ein Sicherheitsmann konnte den Angreifer überwältigen. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden handelt es sich um einen 48-Jährigen. Gegen ihn wurden Ermittlungen wegen versuchten Mordes eingeleitet. Die Moskauer Polizei erklärte, es handle sich um einen ausländischen Staatsbürger. Er habe aus "persönlicher Feindschaft" gehandelt. Russischen Medien zufolge soll er die israelische Staatsbürgerschaft haben.

In einem von der Polizei veröffentlichten Video macht der Mann unzusammenhängende Äußerungen und spricht von einer "telepathischen Verbindung" mit seinem Opfer. Wenediktow sagte, der Angreifer habe einen Plan der Redaktion mit den Namen der Büros in englischer Sprache bei sich gehabt. Die Polizei bestätigte, dass der Mann bereits mit einem Angriff gedroht hatte.

Hass gegen Journalisten genährt

Die Radiostation war der erste unabhängige Radiosender der Sowjetunion und wurde 1990 in Zeiten der Perestroika gegründet. Er ist bekannt für seine regierungskritische Ausrichtung, auch wenn der Mehrheitsaktionär des Senders seit 2001 der staatliche Energieriese Gazprom ist. Moderatorin Felgengauer nimmt regelmäßig an Kundgebungen der Opposition teil und hat auf Facebook Tausende Follower.

Alexej Wenediktow, Chefredakteur von Echo Moskwy
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Der langjährige Chefredakteur Wenediktow beschrieb die Geschehnisse in der Redaktion.

Die russische Journalistengewerkschaft kritisierte, dass der Radiosender und Felgenhauer in Reportagen des staatlich finanzierten Fernsehsenders "Rossija 24" immer wieder angegriffen wurde. Der Vorwurf lautete, sie würden mit dem US-Außenministerium und westlichen Nichtregierungsorganisationen kooperieren. Sie würden die Behörden kritisieren und an Demonstrationen des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny teilnehmen. Die Beiträge hätten Hass gegen die Journalisten genährt und damit womöglich zur Attacke gegen Felgengauer beigetragen, erklärte die Gewerkschaft.

Die Journalisten des Senders erhalten nach eigenen Angaben immer wieder Morddrohungen. Die Journalistin Julia Latynina hatte kürzlich mitgeteilt, sie habe Russland nach einer Reihe von Angriffen auf ihr Haus und ihr Auto verlassen. In Russland werden immer wieder Journalisten bedroht, angegriffen, verletzt oder gar getötet. Einer Journalistenorganisation zufolge wurden seit 1992 in Russland 58 Journalisten getötet.

Der ehemalige sowjetische Präsident und Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow sagte Felgengauer der Zeitung "Nowaja Gazeta" zufolge seine Unterstützung zu.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Oktober 2017 um 19:00 Uhr.

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