Gedenkmarsch für Boris Nemzow: Demonstranten tragen ein Banner mit der Aufschrift "Für die Freiheit ermordet". | Bildquelle: dpa

Gedenkmarsch in Moskau für ermordeten Nemzow "Eine Schande für die Regierung"

Stand: 27.02.2016 18:25 Uhr

Es war ein deutliches Lebenszeichen der Opposition: In Moskau haben Tausende Demonstranten an den vor einem Jahr ermordeten Regierungskritiker Nemzow erinnert - seit langem die größte Kundgebung von Gegnern Präsident Putins.

Von Gesine Dornblüth, Deutschlandradio Moskau

Schweigend zogen die Menschen im Gedenken an Boris Nemzow durch das Zentrum von Moskau. Viele hatten Blumen und Fotos des getöteten Oppositionspolitikers dabei. Auf einem Transparent an der Spitze des Trauerzuges stand: "Für die Wahrheit ermordet."

Die Rentnerin Lilija Orlowa war unter den Tausenden Teilnehmern des Gedenkmarsches: "Wenn in einem Land ein solcher Mord möglich ist, ist das eine Schande für die Regierung. Unser Land geht den Bach runter. Vielleicht sind wir bald am Boden, dann geht es wenigstens wieder bergauf."

Gedenkmarsch für ermordeten Oppositionsführer Nemzow in Moskau
tagesschau 17:50 Uhr, 27.02.2016, Golineh Atai, ARD Moskau

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200 Meter vor dem Kreml erschossen

Nemzow war vor einem Jahr kurz vor Mitternacht nur 200 Meter entfernt vom Kreml hinterrücks erschossen worden. Er war in den 1990er-Jahren stellvertretender Premierminister Russlands. Als Wladimir Putin vor mehr als 15 Jahren an die Macht kam, begann sein politischer Abstieg. Zuletzt saß Nemzow in einem Regionalparlament. Für viele Russen verkörperte er politischen Anstand, denn er machte immer weiter, organisierte friedliche Proteste, kritisierte Korruption in höchsten Regierungskreisen, prangerte die Aggression Russlands gegen die Ukraine an.

Ein Demonstrant mit Putin-Maske wird von einem Polizisten gestoppt. | Bildquelle: AP
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Unerwünschter Protest: Ein Polizist stoppte einen Demonstranten mit Putin-Maske.

Ein Symbol für Optimismus

Die Managerin Xenia Iwanowa nahm gemeinsam mit Freunden an dem Trauermarsch teil: "Er war ein Symbol. Dafür, dass man optimistisch bleiben kann, selbst in so einer Situation wie heute. Sie sind zwar nicht wahrscheinlich, aber ich hoffe immer noch auf Veränderungen in Russland. Wir müssen heute ein Signal setzen und zeigen, dass es durchaus noch sehr viele Menschen gibt, die mit der Regierung nicht einverstanden sind."

Viele haben sich ins Private zurückgezogen

Demonstration in Gedenken an Boris Nemzow in Moskau.
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Die Teilnehmer führten Russland-Fahnen mit. Regierungskritiker werden oft als Vaterlandsverräter abgestempelt.

Unabhängige Beobachter zählten 22.000 Teilnehmer, die Polizei sprach von 7500. Es war die größte Veranstaltung der Opposition seit dem Trauermarsch für Nemzow vor einem Jahr. Die Bevölkerung ist passiv, viele haben sich ins Private zurückgezogen. In den vergangenen Monaten haben mehrere Oppositionelle und regierungskritische Journalisten Todesdrohungen erhalten, vor allem aus der russischen Nordkaukasusrepublik Tschetschenien.

Dorthin führen auch die Spuren im Nemzow-Mord. Wenige Tage nach der Tat wurden fünf Tatverdächtige aus Tschetschenien festgenommen. Sie haben zum Teil gestanden. Die Hintermänner sind hingegen auf freiem Fuß. Ein Mann ist zur Fahndung ausgeschrieben, ein Chauffeur. Er soll den Mord nach Ansicht der Ermittler in Auftrag gegeben haben.

Eigene Untersuchung in Auftrag gegeben

Journalisten und Vertraute Nemzows haben eigene Untersuchungen angestellt. Sie vermuten, dass die wahren Drahtzieher viel höher angesiedelt sind, dass der Chef der Republik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, die Hintermänner deckt - ja, dass er sogar selbst an dem Verbrechen beteiligt ist.

Eine Frau trauert an der Stelle, an der Boris Nemzow ermordet wurde. | Bildquelle: REUTERS
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Gedenken am Tatort: Nemzow wurde in Sichtweite des Kreml ermordet.

Ohne Strafe weitere politische Morde?

"Die Leute, die Nemzow umgebracht haben, sind mit dem Umfeld Kadyrows verbunden. Ich habe große Zweifel, dass sie handeln konnten, ohne das mit Ramsan Kadyrow abzustimmen", sagte Ilja Jaschin von der Partei Parnas, deren Co-Vorsitzender Nemzow war. Wenn die Auftraggeber ungestraft blieben, würden die politischen Morde in Russland weitergehen.

Der Tschetschene Kadyrow meldete sich heute in einem Interview zu Wort. Er sagte, Boris Nemzow habe ihn nicht gestört, er sei unter seinem Niveau gewesen. Im Anschluss an den Gedenkmarsch legten viele Teilnehmer am Tatort in Kremlnähe Blumen nieder. Die Polizei war präsent. Es blieb friedlich.

Gedenkmarsch für ermordeten Oppositionspolitiker Nemzow
Gesine Dornblüth, DLF
27.02.2016 16:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesthemen am 27. Februar 2016 um 23:15 Uhr.

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