Demonstration in Gedenken an Boris Nemzow in Moskau.

Gedenkmarsch in Moskau für ermordeten Nemzow "Wir vergessen und vergeben nicht!"

Stand: 27.02.2016 15:29 Uhr

Tausende Anhänger der russischen Opposition haben auf Moskaus Straßen an den vor einem Jahr ermordeten Regierungskritiker Nemzow erinnert. Zugleich forderten sie die Ablösung von Präsident Putin.

Für viele der Demonstranten ist es eine Herzensangelegenheit: Ein Jahr nach der Ermordung des Regierungskritikers Boris Nemzow wollen sie auf die Straßen Moskaus gehen: "Er war die Verkörperung von Freiheit und Courage - für mich war er ein Vorbild", sagt Kamala Igamberdijewa. Die 26-Jährige ist eine von mehreren Tausend, die an dem Gedenkmarsch teilnehmen.

Gedenkmarsch für ermordeten Oppositionsführer Nemzow in Moskau
tagesschau 17:00 Uhr, 27.02.2016, Golineh Atai, ARD Moskau

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"Wir haben immer noch eine Chance"

Und ihr geht es darum, ein Signal zu setzen: "Wir haben immer noch eine Chance, wenn die Opposition klug handelt und sich zusammentut", sagt Igamberdijewa. Der Trauermarsch zum Jahrestag ist auch ein Test: Wieviele Menschen können die Kreml-Gegner vor der Parlamentswahl im Herbst mobilisieren? Die Polizei spricht von 7500 Teilnehmern. Russische Medien und Augenzeugen sprechen von 20.000.

Ein Demonstrant mit Putin-Maske wird von einem Polizisten gestoppt. | Bildquelle: AP
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Unerwünschter Protest: Ein Polizist stoppt einen Demonstranten mit Putin-Maske.

Die Schuldfrage ist allgegenwärtig

Viele Demonstranten geben Präsident Putin eine Mitschuld an dem Mord ihres Hoffnungsträgers. "Wir vergessen und vergeben nicht", rufen sie. Einige tragen Plakate mit der Aufschrift: "Ich fürchte mich nicht". Viele führen russische Fahnen mit, an denen ein Trauerflor hängt. Sie wollen damit Vorwürfe der Staatsführung entkräften, die Kritiker als Vaterlandsverräter abtut.

Marschroute am Tatort vorbei

Ein Großaufgebot der Polizei kontrolliert die Kundgebung. Für den Marsch hatten die Behörden nur eine Route genehmigt, die nicht am Tatort vorbeiführt. Viele Teilnehmer wollen nach der Kundgebung Blumen auf der Brücke niederlegen, auf der Nemzow erschossen worden war.

Eine Frau trauert an der Stelle, an der Boris Nemzow ermordet wurde. | Bildquelle: REUTERS
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Gedenken am Tatort: Boris Nemzow wurde in Sichtweite des Kreml ermordet.

Tschetschenen als Tatverdächtige

Der ehemalige russische Vizeregierungschef Nemzow war am 27. Februar 2015 in Sichtweite des Kremls erschossen worden. Er wurde nur 55 Jahre alt. Obwohl mehrere Verdächtige aus Tschetschenien in Untersuchungshaft sitzen, gelten die Hintergründe als ungeklärt.

Nemzows Tochter Schanna forderte, "dass der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow vor Gericht aussagen muss und dass es eine internationale Kontrolle der Ermittlungen gibt". Kadyrow habe Oppositionelle wie ihren Vater als Verräter beschimpft.

Die Karriere eines Hoffnungsträgers

Nemzow wurde 1997 Erster Vizepremier unter Präsident Boris Jelzin und galt damals als einer der Hoffnungsträger Russlands. Zuvor hatte er in den 90er-Jahren als junger Gouverneur von Nischni Nowgorod die Stadt zu einem Vorzeigeprojekt für marktwirtschaftliche Reformen gemacht. Als Putin Ende der 90er-Jahre an die Macht kam, entschied sich Nemzow für die Opposition. Zweimal wurde er inhaftiert, mehrmals angegriffen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Februar 2016 um 20:00 Uhr.

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