Russlands Präsident Wladimir Putin auf einem Bildschirm während seiner Rede an die Nation. | Bildquelle: AP

Russische Rüstungsprojekte Zweifel an Putins Wunderwaffen

Stand: 02.03.2018 21:08 Uhr

Nach der Rede von Präsident Putin an die Nation diskutieren Fachleute, ob die vorgestellten neuen Waffen wirklich existieren oder funktionieren. Die Skepsis ist groß.

Von Markus Sambale, ARD-Studio Moskau

Abschuss einer russischen Interkontinetalrakete gezeigt während einer Rede von Russlands Präsidenten Wladimir Putin | Bildquelle: dpa
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Abschuss einer russischen Interkontinetalrakete - gezeigt während der Rede von Russlands Präsidenten Putin.

Manches sah aus wie bei James Bond und in Science-Fiction-Filmen: Atomwaffen, die jedes gegnerische Abwehrsystem überwinden, Raketen, die mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit fliegen, unbemannte Atom-U-Boote. Das neue Kriegsgerät, das Wladimir Putin gestern in seiner "Rede an die Nation" in Computer-Animationen präsentierte, sorgt für heftige Diskussionen.

Die Staatsmedien in Russland preisen die militärische Stärke Russlands. Doch Rüstungsexperten fragen, ob die angekündigten Waffen wirklich so neu und unverwundbar sind. Und funktioniert die beschriebene Technik überhaupt?

"Zu aggressiv dargestellt"

Simulation einer russischen Interkontinetalrakete gezeigt während einer Rede von Russlands Präsidenten Wladimir Putin | Bildquelle: KREMLIN/HANDOUT/EPA-EFE/REX/Shut
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Eine russische Rakete mit Sprengkopf. Das Gerät werde einfach zu schwer, wenden Experten ein.

Der Experte für Militärtechnik Andrej Krjutschenko versuchte im unabhängigen russischen Fernsehsender Doschd zu differenzieren: "Ich glaube, dass in der Rede alles zu aggressiv dargestellt wurde", sagte er. Vieles sei nur eine Weiterentwicklung bestehender Waffensysteme. "Die Interkontinentalrakete 'Sarmat' ist eine Modernisierung einer Rakete, die in den 1970er/80er-Jahren gebaut wurde. Sie wird in denselben alten Raketenschächten stationiert werden", sagte Krjutschenko.

Technisch sei diese Interkontinentalrakete mit ihrem Flüssigtreibstoff aber eher rückständig im Vergleich zu amerikanischen Entwicklungen, so der Militärtechnik-Experte. Bei einer anderen von Putin präsentierten Wunderwaffe meldete er sogar grundsätzliche Zweifel an. Dabei ging es um einen atomgetriebenen Marschflugkörper. "Das wirklich Seltsame ist die Sache mit dem atomgetriebenen Marschflugkörper. Ein System, das schon in den 1950er und 1960er-Jahren getestet und verworfen wurde - von der Sowjetunion wie auch von den USA", sagte Krjutschenko.

Westliche Raketen-Fachleute skeptisch

Eine russische Unterwasserdrohne gezeigt während einer Rede von Russlands Präsidenten Wladimir Putin | Bildquelle: AP
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Eine russische Unterwasserdrohne in einer Simulation. "Unser Präsident versteht genau, wie man das Land in den nächsten zehn Jahren entwickeln muss."

Auch westliche Raketen-Fachleute sind skeptisch, dass ein Marschflugkörper mit kleinem Atomkraftwerk an Bord funktioniert. Das Gerät werde einfach zu schwer, sagte der Münchener Experte Robert Schmucker.

Putin aber bleibt dabei. Alle vorgestellten Waffen seien funktionstüchtig. In einem Interview des amerikanischen Senders NBC bekräftigte Putin in seiner ins Englische übersetzten Antwort: "Alle diese Tests waren erfolgreich", so Putin. "Allerdings ist jedes dieser Waffensysteme in einer anderen Phase, was die Einsatzfähigkeit betrifft. Eins davon ist schon bereit für den Kampfeinsatz und bei den Truppen."

Reaktion auf amerikanische Aufrüstung

Die russische Führung betont, dass alle neuen Waffen nur eine Reaktion auf eine amerikanische Aufrüstung seien. Auch der russische Gouverneur Alexej Dumin folgt dieser Argumentation. "Wir haben Technik des Verteidigungsministeriums gesehen, die unser Land gegen Aggressoren überall auf der Welt verteidigt. So können wir uns auf die inneren Probleme konzentrieren", sagte der Parteikollege von Putin. "Unser Präsident versteht genau, wie man das Land in den nächsten zehn Jahren entwickeln muss."

So rückt in den Hintergrund, ob die präsentierten neuen Waffen wirklich existieren und funktionieren. Denn allein durch die scharfe Rhetorik hat sich Putin Gehör verschafft.

Neue russische Waffen: Experten bezweifeln Realisierbarkeit
Markus Sambale, ARD Moskau
02.03.2018 18:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. März 2018 um 20:00 Uhr.

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