Die Opposition demonstriert gegen die Amtseinführung von Präsident Wladimir Putin. (Archivbild) | Bildquelle: REUTERS

Fünf Jahre Bolotnaja-Protest Mit Provokateuren und Schlagstöcken

Stand: 06.05.2017 14:23 Uhr

Es war ein "Marsch des Volkes" - die Großdemonstration in Moskau am Tag vor der Amtseinführung des russischen Präsidenten Putin. 400 Menschen waren damals - vor fünf Jahren - festgenommen worden. Einige sitzen immer noch in Haft.

Von Hermann Krause, ARD-Studio Moskau

Es war der 6. Mai 2012. Am nächsten Tag sollte Wladimir Putin wieder als russischer Präsident im Kreml vereidigt werden zum dritten Mal. Der lange vorher inszenierte Tausch mit Dmitri Medwedjew, der als Putins Statthalter vier Jahre Präsident sein durfte, hatte viele Russen empört. Dieses Verfahren habe mit Demokratie nichts zu tun, so die einhellige Meinung. Aufgerufen wurde zu einer Demonstration - in Sichtweite des Kreml, aber immer noch mehrere hundert Meter Luftlinie davon entfernt.

Das politische Klima war aufgeheizt, zur Demonstration kamen viel mehr Menschen als erwartet - zwischen 30.000 und 50.000. "Putin ist ein Dieb und Verbrecher" und "die Regierung muss weg", skandierten die Teilnehmer. Anscheinend wollten die Demonstranten danach Richtung Kreml ziehen, wurden dann aber auf den Bolotnaja Platz abgedrängt, der eigentlich viel zu klein war. Der Zugang jedenfalls erwies sich als zu eng, die Organisatoren riefen zu einer Sitzblockade auf.

"Professionelle Schläger eingesetzt"

Dann griffen Sicherheitskräfte willkürlich zu, nahmen Menschen fest, die einfach nur herumstanden. Friedliche Demonstranten wurden brutal weggeschleppt, darunter auch ältere Menschen und viele Frauen. Hinterher hieß es, die Omon-Einheiten, ausgestattet mit Helmen, Knie- und Armschützern sowie Schlagstöcken, seien angegriffen worden.

Sergey Parchomenko, ein oppositioneller Journalist, der damals die Demo mitorganisiert hatte, musste ansehen, wie das Ganze in Gewalt ausartete: "Es lief nach einem ausgeklügelten Plan ab. Es wurden professionelle Schläger eingesetzt, viele Demonstranten wurden verletzt, viele wurden verhaftet. Danach kam es zu zahlreichen Gerichtsprozessen, unschuldige Menschen wurden verurteilt. So hat man die Bürger eingeschüchtert."

Drei Festgenommene immer noch in Haft

Auch unabhängige Beobachter sahen, dass Provokateure eingeschleust wurden. So hätten Männer mit Masken und in schwarzen Traniningsanzügen von hinten die Kette der Sicherheitskräfte passieren dürfen. Sie warfen Steine auf die Omon-Einheiten und konnten sich ungehindert wieder unter die Polizisten mischen. 

Festgenommen hingegen wurden mehr als 400 Menschen unter dem Vorwurf der Anstachelung zu Massenunruhen: "Von da an begann für viele von ihnen ein richtiger Leidensweg", erzählt Parchomenko. Viele saßen zwei bis drei Monate in Haft, manche sogar vier Jahre. "Drei von uns sind immer noch in Strafkolonien. Und es können auch morgen noch Leute verhaftet werden, die Ermittlungen gehen ja weiter." So ist die Staatsanwalt immer noch aktiv.

Kundgebung am Jahrestag

Der Widerstand gegen Putin ist seitdem weitgehend zum Erliegen gekommen. Doch es gibt sie noch, diejenigen, die sich wehren: "Gegen die Handlungen der Staatsmacht treten wir auf. Wir sind doch in unserem eigenen Land  - haben wir Angst, dass jemand das Feuer eröffnen wird? Nein. Es geht hier um die illegale Gewaltanwendung von Seiten der Regierung und einer legalen Antwort des Volkes", sagt der Oppositionelle Wjatscheslaw Malzew.

Und so kamen fünf Jahre nach den Ereignissen auf dem Bolotnaja Platz rund 1000 Demonstranten in Moskau zusammen, zu einer - von den Behörden genehmigten - Kundgebung "für Russland, gegen Willkür und Repressionen".

Gewaltsame Auflösung der Anti-Putin-Demo vor fünf Jahren
H. Krause, ARD Moskau
06.05.2017 13:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Mai 2017 um 15:00 Uhr.

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