Trauerzeremonie für den getöteten russischen Botschafter in Ankara | Bildquelle: dpa

Nach Mord an Botschafter Mehr als ein Täter?

Stand: 20.12.2016 21:32 Uhr

Gut und professionell geplant: Hinter dem tödlichen Anschlag auf den russischen Botschafter in Ankara vermuten die Behörden mehr als einen Täter. Russland und die Türkei bezeichneten die Tat als offene Provokation. Unterdessen wurde Karlows Leiche nach Moskau übergeführt.

Für den Mordanschlag auf den russischen Botschafter in Ankara ist nach Einschätzung der Behörden mehr als nur ein Täter verantwortlich. Es sei gut und professionell geplant gewesen, sagte ein ranghoher türkischer Beamter. Informationen zu möglichen Hintermännern oder dem Motiv des Täters gab es allerdings nicht.

Am Vormittag waren 18 Experten eines russischen Ermittlerteams in Ankara eingetroffen, um bei der Aufklärung des Attentats zu helfen. Dies hatten der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan telefonisch vereinbart, wie ein Kreml-Sprecher mitteilte.

Die Leiche von Andrej Karlow wurde nach einer Zeremonie am Flughafen nach Moskau übergeführt. Türkische Regierungsvertreter, Diplomaten und Angehörige des Botschafters nahmen an der Trauerfeier teil. Am Moskauer Flughafen Wnukowo empfingen der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein türkischer Kollege Mevlüt Cavusoglu den Sonderflug aus Ankara.

Vor dem russischen Auslandsministerium in Moskau legen Menschen Blumen für den getöteten Botschafter nieder. | Bildquelle: dpa
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Vor dem russischen Auslandsministerium in Moskau legen Menschen Blumen für den getöteten Botschafter nieder.

22-jähriger Polizist als Schütze

Der 62-Jährige war am Montagnachmittag bei der Eröffnung einer Fotoausstellung in Ankara von einem türkischen Polizisten angeschossen worden und wenig später seinen Verletzungen erlegen. Der Attentäter wurde nach einem 15-minütigen Schusswechsel mit der Polizei getötet. Während seiner Tat hatte der Mann mehrfach "Gott ist groß", "Vergesst Aleppo nicht" sowie "Vergesst Syrien nicht" gerufen.

Der 22-Jährige, der seit zweieinhalb Jahren bei der Polizei in Ankara war, habe nach Behördenangaben am 14. Dezember ein Hotel in der Nähe der Galerie gebucht und sei dort am Montag eingetroffen. Das Zimmer wurde mittlerweile versiegelt. Medienberichten zufolge verschaffte sich der Attentäter mit Hilfe seines Polizeiausweises Zutritt zu der Ausstellung. Demnach löste seine Waffe bei der Sicherheitsschleuse Alarm aus, doch durfte er nach Vorzeigen seines Ausweises bewaffnet passieren.

Familienmitglieder festgenommen

Unterdessen nahm die türkische Polizei mehrere Familienmitglieder des getöteten Attentäters fest. Darunter sollen die Mutter, der Vater und die jüngere Schwester sein. Auch ein Onkel wurde festgenommen, der eine leitende Funktion in einer Schule gehabt habe, die bei Ermittlungen gegen die Gülen-Bewegung geschlossen worden sei. Nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, die sich auf diplomatische Kreise in Ankara beruft, macht die türkische Regierung die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen für das Attentat verantwortlich.

Syrien-Treffen fand in Moskau statt

Cavusoglu kündigte eine lückenlose Aufklärung der Bluttat an. "Wir müssen herausfinden, was oder wer hinter diesem verräterischen, niederträchtigen Anschlag steckt. Und das werden wir gemeinsam schaffen", sagte er bei einem Treffen mit Lawrow in Moskau. Präsident Wladimir Putin ordnete wegen der Anschläge in Ankara und Berlin verschärfte Sicherheitsvorkehrungen an diplomatischen Vertretungen in Russland und russischen Auslandsvertretungen an. US-Außenminister John Kerry sprach Lawrow in einem Telefonat sein Beileid wegen des Attentats aus.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte in Istanbul: "Wir werden niemals erlauben, dass unsere Beziehungen zu Russland zerstört oder geschädigt werden." Trotz des Anschlags verhandelten die Außen- und die Verteidigungsminister aus Russland, der Türkei und dem Iran in Moskau über den Syrien-Krieg. Sie sprachen sich für eine Waffenruhe in Syrien aus und boten sich als Garanten für eine Friedenslösung an.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen in einer Extra-Ausgabe am 19. Dezember 2016 um 21:15 Uhr.

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