Russische Diplomaten steigen in einen Bus vor der Botschaft in London | Bildquelle: AP

Streit um Fall Skripal Russische Diplomaten verlassen London

Stand: 20.03.2018 18:45 Uhr

Die im Streit um den Fall Skripal ausgewiesenen russischen Diplomaten haben Großbritannien verlassen. Morgen sollen alle ausländischen Botschafter in Moskau ins russische Außenministerin kommen.

Der Fall des in Salisbury vergifteten früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal hatte eine schwere Krise in den Beziehungen zwischen London und Moskau ausgelöst - samt Sanktionen. So ordneten beide Länder die Ausweisung von 23 Diplomaten des jeweiligen Landes an.

Menschen auf Gangway | Bildquelle: REUTERS
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Die Diplomaten und ihre Angehörigen wurden mir einer Sondermaschine ausgeflogen.

Jetzt haben die russischen Abgesandten samt Familien die Botschaft in London verlassen. Sie und ihre Familien wurden mit einem Sonderflug nach Moskau gebracht, wie die Agentur Tass meldete. Von dem Schritt waren etwa 80 Menschen betroffen, wie der russische Botschafter in London, Alexander Jakowenko, sagte.

Zum Fall Skripal, Toxikologe und Chemiewaffenexperte Ralf Trapp
tagesschau24 15:00 Uhr, 19.03.2018

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Alle Botschafter in Moskau eingeladen

Das russische Außenministerium lud in einem ungewöhnlichen Schritt alle in Moskau akkreditierten Botschafter ein, um ihnen am Mittwoch die russische Sicht auf den Fall darzulegen. Sprecherin Maria Sacharowa kritisierte die Diskussion, ob das eingesetzte Gift tatsächlich der Kampfstoff Nowitschok sei. Das lenke nur davon ab, dass Großbritannien keine Informationen zum Fall Skripal liefere, sagte sie der Agentur Interfax zufolge

Vergifteter Spion

Skripal und seine Tochter waren am 4. März in der südenglischen Stadt Salisbury bewusstlos auf einer Parkbank gefunden worden. Sie befinden sich weiterhin in einem kritischen Zustand. Bei dem Attentat war das in der früheren Sowjetunion produzierte, extrem gefährliche Nervengift Nowitschok verwendet worden. Großbritannien wie auch Deutschland, Frankreich und die USA machen daher Russland für die Tat verantwortlich.

Die britische Regierung ordnete daraufhin am vergangenen Mittwoch die Ausweisung der russischen Diplomaten an und gab ihnen eine Woche Zeit, um das Land zu verlassen. Russland reagierte mit einem entsprechenden Schritt.

Gestern hatten die EU-Außenminister den Giftanschlag scharf verurteilt und ihre "uneingeschränkte Solidarität" mit der britischen Regierung bekundet. Die EU zeigte sich schockiert über den "ersten offensiven Einsatz" eines militärischem Nervengifts "auf europäischem Boden seit mehr als 70 Jahren", hieß es in der gemeinsamen Erklärung.

Russischer Wissenschaftler spricht über Nervengift

Unterdessen zog ein russischer Wissenschaftler, der gegenüber der russischen Agentur Ria angab, an der Entwicklung des Nervengifts Nowitschok beteiligt gewesen zu sein, die britischen Vorwürfe gegenüber Russland in Zweifel. "Sie leben noch", sagte Leonid Rink mit Blick auf Skripal und seine Tochter. "Das bedeutet, dass es entweder überhaupt nicht das Nowitschok-System war, oder es war schlecht zusammengestellt, nachlässig angewandt", so der Chemiker im Interview, in dem er offen über seine Arbeit gesprochen hat.

Ermittlungen im Fall Skripal | Bildquelle: AP
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Der ehemalige russische Doppelagent Skripal und seine Tochter wurden bewusstlos auf einer Parkbank im britischen Salisbury gefunden.

Rink äußerte daher die Vermutung, das Gift könne außerhalb Russlands hergestellt worden sein. Auch in Großbritannien gebe es Spezialisten, die dies hätten machen können. Ob Skripal mit Nowitschok vergiftet wurde, sei leicht zu bestimmen. Jedes Mittel habe eine Art Handschrift von der Herstellung, sagte Rink. "Es wird sich sofort herausstellen, dass dies keine russische Technologie war. "Daher habe Russland bislang von Großbritannien noch keine Proben bekommen, spekulierte er.

"Nowitschok-Programm gab es nicht"

Rink gab gegenüber Ria an, die Arbeit an dem Nervengift sei Grundlage seiner Doktorarbeit gewesen. Zugleich behauptete er, dass das Programm zur Erarbeitung von Chemiewaffen in der ehemaligen UdSSR nicht den Namen Nowitschok getragen habe. Der Name des Gifts selbst habe aus Zahlen bestanden. Die russische Regierung hatte zuletzt dementiert, dass es in der Sowjetunion ein Forschungsprogramm unter dem Namen Nowitschok gab.

Rink zog somit Aussagen eines anderen Wissenschaftlers in Zweifel. Wil Mirsajanow hatte die Existenz des Nowitschok-Programms 1992 enthüllt und war in den vergangenen Tagen von westlichen Medien dazu interviewt worden. Er emigrierte 1994 in die USA. Die Angaben beider Wissenschaftler konnten allerdings bislang nicht unabhängig überprüft werden.

Ausgewiesene Russen haben Großbritannien verlassen
Thomas Spickhofen, ARD London
20.03.2018 18:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. März 2018 um 15:00 Uhr.

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