Sportgerichtshof

Russland empört über CAS-Urteil

Stand: 09.02.2018 14:48 Uhr

Russland reagiert mit Empörung auf die CAS-Entscheidung, russische Athleten von den Winterspielen auszuschließen. Damit hat die Doping-Causa am Eröffnungstag noch einmal für Wirbel gesorgt.

Von Sabine Stöhr, ARD-Studio Moskau

Nach der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Südkorea ist klar: Es werden nur knapp 170 Russen dabei sein. Und die dürfen auch nicht unter russischer Fahne, sondern nur unter der neutralen Olympischen Fahne auftreten. So hatte es das Internationale Olympische Komitee Anfang Dezember beschlossen, weil es in Russland systematisches Doping vermutet.

Etwa 300 russische Sportler müssen definitiv draußen bleiben. Der Vorsitzende des russischen Parlaments, Wjatscheslaw Wolodin, kann nicht verstehen, warum ausgerechnet Russland so hart bestraft wird.

"Doppelstandards sind unzulässig", sagte er. "Wir leben hier nach Gesetzen, und wenn man diese Gesetze einfach durchstreicht, müssen wir scharf und entschieden reagieren. Seit 1968 haben wir noch keine Olympiade verpasst. Doch dieses Mal - aus Protest gegen das IOC und gegen die Willkür gegen unsere Sportler - werden wir nicht zu diesen Olympischen Spielen fahren."

Die russischen Athleten dürfen nur unter der neutralen Olympischen Fahne bei den Olympischen Spielen auftreten.

Erstmals keine russischen Biathlon-Staffeln

Damit will das russische Parlament, die Duma, zeigen, dass sie auf der Seite der russischen Athleten steht. Vor allem an der Seite derer, die nicht dabei sein dürfen. Medaillenhoffnungen wie der Eisläufer und Shorttracker Viktor Ahn zum Beispiel. Den gebürtigen Südkoreaner trifft das besonders hart. Er hatte 2006 Gold für sein Heimatland geholt. Nachdem er sich mit dem südkoreanischen Verband überworfen hatte, nahm er die russische Staatsbürgerschaft an und gewann bei den Winterspielen in Sotschi wieder Gold.

Auch im Biathlon trifft es Russland sehr. Unter anderem darf Biathletstar Anton Schipulin nicht antreten. Daher wird es erstmals keine russischen Staffeln bei den Männern und Frauen geben. Auch die Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Xenia Stolbowa ist nicht dabei.

Voller Unverständnis

Vizeregierungschef Vitalij Mutko gibt sich kämpferisch. Der Nachrichtenagentur Interfax sagte er, das könne so nicht stehen bleiben. Man prüfe weitere Schritte. Das Vorgehen des Internationalen Olympischen Komitees sei undurchsichtig und widersprüchlich. Der Sportfunktionär erklärte die Entscheidung damit, dass die Richter unter Druck gestanden hätten. Hätte man die russischen Sportler zugelassen, wäre das ein Schock gewesen.

Voller Unverständnis dafür, dass ausgerechnet die Stars des Sports ausgeschlossen wurden, hoffen viele in Russland jetzt darauf, dass es nicht noch weitere Sportler treffen wird. Der Chef des Ausschusses für Sport in der Duma, Michail Degtjarjow, erklärte, dass man nach den Wettkämpfen in Südkorea den Rücktriff des IOC-Vorsitzenden Thomas Bach fordern werde.

"Entscheidung rein politisch"

"Damit so etwas nicht wieder passiert, werden wir nach den Olympischen Spielen mehrere Schritte und Veränderungen einleiten", sagte er. "Auch was die Antidopingarbeit weltweit und die Entscheidungen des IOC angeht."

Der Vorsitzende des Auslandsausschusses, Kosatschow, sagte, die Entscheidung des CAS sei rein politisch. Westliche Politiker wollten Russland für die glänzende Olympiade in Sotschi, für die Annexion der Krim sowie dem Krieg in Syrien bestrafen.

Bis zum Ende der Spiele soll in Moskau aber erstmal Olympischer Friede einkehren. Und Ende Februar dann für die ausgeschlossenen Sportler in mehreren Städten Russland landeseigene Spiele organisiert werden.

Your browser doesn't support HTML5 audio.

Reaktionen auf CAS-Entscheidung gegen 47 russische Sportler
Sabine Stöhr, ARD Moskau
09.02.2018 14:27 Uhr