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20.03.2010

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Ausland
Wahlplakate rumänischer Präsidentschaftskandidaten
Herausforderer bei rumänischer Präsidentenwahl im Vorteil
Präsidentschaftswahl in Rumänien

"Wir sind das korrupteste Land Europas"

Rumäniens Präsident Basescu sieht sich als heldenhaften Retter des Landes. Sein Herausforderer Geoana wirft ihm Versagen im Kampf gegen die Korruption vor. Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt ist Geoana im Vorteil - auch dank der deutschen Minderheit.

Von Jörg Paas, ARD-Hörfunkstudio Wien

Die Ausgangslage vor dieser Wahl könnte spannender kaum sein: Der Unterschied zwischen den beiden Kandidaten, die in der Stichwahl um das Präsidentenamt gegeneinander antreten, betrug in der ersten Runde gerade mal etwas mehr als ein Prozent.

Rumänen im Wahllokal (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Viele Rumänen geben sich vor der Wahl gleichgültig. ]
Dennoch wirken die meisten Rumänen irgendwie gleichgültig. "Wir haben die Wahl zwischen zwei Kandidaten, von denen ich persönlich glaube, dass sie beide nichts voranbringen werden", sagt eine Frau. "Der eine hat seine Unfähigkeit in den letzten fünf Jahren bewiesen, der andere in der Zeit davor. Darum ist es eigentlich egal, wer gewinnt."

Autoritärer Amtsinhaber

Der eine, das ist Traian Basescu, der Amtsinhaber. 2004 gewann der ehemalige Schiffskapitän - für viele überraschend - gegen den Alt-Kommunisten Adrian Nastase und propagierte - in Anlehnung an die Ukraine - eine "orangene Revolution" auch für Rumänien. Mit markigen Sprüchen zog Basescu gegen Korruption und alte Seilschaften zu Felde. Doch immer häufiger wurde ihm dabei sein aggressiver und autoritärer Stil angekreidet.

Traian Basescu (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Amtsinhaber Basescu lag in der ersten Runde vorne. ]
Am besten gefällt sich Basescu in der Rolle des einsamen und heldenhaften Retters gegen alle Widerstände. "Immer werde ich Rumänien vertreten, egal gegen welche Institutionen", sagt er. "Immer werde ich die wirkliche Mehrheit vertreten und nicht irgendwelche, von konjunkturellen Interessen bestimmte Mehrheiten im Parlament - so wahr mir Gott helfe."

Farbloser Herausforderer

Herausforderer von Basescu ist der Sozialdemokrat Mircea Geoana. Er war in früheren Jahren lange Zeit Außenminister Rumäniens und gilt im Gegensatz zu Basescu als ein Mann des Ausgleichs, aber auch als farblos. Im Wahlkampf räumte Geoana ein, dass ihm Kontakte zur Bevölkerung nicht sonderlich liegen - und dass sein angeblich gut entwickelter Sinn für Humor wohl nicht immer nach außen dringe.

Seinem Gegner hielt er den Spiegel vor. "Wir stehen auf dem letzten Platz, wenn es um Korruptionsbekämpfung in Europa geht", sagte Geoana. "Ihr wichtigstes Wahlversprechen war ein besseres Leben. Aber jetzt, fünf Jahre später, leben wir nicht besser, sondern sind das korrupteste Land Europas, Herr Basescu. Das ist die Wahrheit!"

Der rumänische Präsidentschaftskandidat Mircea Geoana (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Oppositionskandidat Mircea Geoana gibt sich vor der Stichwahl siegesgewiss. ]
Im ersten Wahlgang lag Basescu ganz knapp vor Geoana. In der Stichwahl aber könnte sich das Blatt wenden. Denn die Opposition steht - trotz aller ideologischen Gräben - geschlossen gegen den amtierenden Präsidenten. Insbesondere der liberale Kandidat Crin Antonescu rief als Drittplatzierter seine Anhänger - immerhin ein Wählerpotenzial von 20 Prozent - zur Wahl Geoanas auf und bezeichnete Basescu wörtlich als "Tyrannen".

Deutsche Minderheit könnte Regierungschef stellen

Geoanas wichtigster Trumpf könnte ein Repräsentant der inzwischen winzigen deutschen Minderheit in Rumänien sein. Der Bürgermeister von Hermannstadt, Klaus Johannis, soll bei einem Wahlsieg von Geoana neuer Regierungschef werden. Das haben Sozialdemokraten und Liberale so verabredet. Die Personalie Johannis dürfte sogar das entscheidende Bindeglied dieser für Rumänien ungewöhnlichen Allianz sein. Die Liberale Partei hatte Johannis schon vor einigen Wochen als Premierminister vorgeschlagen, war damals aber am Widerstand von Präsident Basescu gescheitert.

Einige Kommentatoren haben inzwischen einen anschaulichen Vergleich für die Wahlen 2004 und heute gefunden. Die Begeisterung, mit der die Rumänen 2004 Basescu wählten, habe geradezu eine Liebesheirat bezeugt, sagen sie, während die bei dieser Wahl möglicherweise ausschlaggebende Unterstützung der liberalen Wähler für Geoana eher für eine Vernunftehe spreche.

Stand: 06.12.2009 01:59 Uhr
 

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