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Erster Prozess gegen Vertreter des Pol-Pot-Regimes
35 Jahre Haft für Folterchef der Roten Khmer
Es war der erste Prozess gegen einen Verantwortlichen des Rote-Khmer-Terrorregimes in Kambodscha: Der berüchtigte Gefängnischef "Duch" ist zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Rund 18 Jahre muss er davon noch absitzen. zu wenig, finden die Hinterbliebenen der Opfer.
Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südostasien, zzt. Phnom Penh
Der frühere Chef des Foltergefängnisses Tuol Sleng, Kaing Guek Eav, genannt "Duch", wurde wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Folter und Mord zu 35 Jahren Haft verurteilt. Das sogenannte Rote-Khmer-Tribunal in Kambodscha sah es als erwiesen an, dass der heute 67-Jährige für den qualvollen Tod von mehr als 12.000 Gefängnisinsassen mitverantwortlich war und deren Leid vorsätzlich verursacht hat.
Nil Non, der Vorsitzende Richter des Außerordentlichen Gerichts am kambodschanischen Gerichtshof, wie das Tribunal offiziell heißt: "Die Richter stimmen mit den Anklagevertretern darin überein, dass "Duch" einer von mehreren Personen ist, die der schlimmsten Verbrechen während der Zeit des Demokratischen Kampuchea beschuldigt werden. Mit der Mehrheit der Richter kommt das Tribunal zu einem Urteil von 35 Jahren Haft."
Fünf Jahre Haft werden dem früheren Chef des Foltergefängnisses erlassen, weil er 1999 von einem Militärgericht unrechtmäßig verurteilt wurde. Außerdem wird die bisher verbüßte Haft angerechnet, insgesamt elf Jahre. Wenn das heutige Urteil rechtskräftig wird, bleiben für "Duch" noch rund 18 Jahre Gefängnis.
Hinterbliebene: Urteil ist Schlag ins Gesicht
Die Vertreter der Opfer und Hinterbliebenen, die vom Gericht als Nebenkläger anerkannt wurden, bezeichneten das Urteil als Schlag ins Gesicht. Sie hatten eine härtere Bestrafung erwartet. Chum Sirat, einer der Nebenkläger, der während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer zwei Brüder verloren hat, war entsetzt. "Das ist schlimmer als alles was wir erwartet haben. 18 Jahre, für diese Verbrechen, die er begangen hat. Wenn jemand einen einzigen Mord begeht, bekommt er 99 Jahre Gefängnis. Und er hat mehr als 10.000 Menschen ermordet und bekommt 18 Jahre."
Der Vorsitzende Richter sagte, beim Strafmaß sei die Schwere der Verbrechen und die große Zahl der Opfer zugrunde gelegt worden. Allein im Gefängnis Tuol Sleng waren nach offiziellen Angaben 12.000 Menschen gefoltert und ermordet worden. Strafmildernd berücksichtigte das Gericht, dass "Duch" Kooperationsbereitschaft und Reue gezeigt und sich bei den Hinterbliebenen der Opfer entschuldigt habe.
"Die Entschuldigung war doch nicht ernst gemeint"
Chum Sirat betrachtete dies als Verteidigungsstrategie des einstigen Gefängnischefs: "Diese Entschuldigung war doch nicht ernst gemeint. Außerdem hat er vor Gericht immer nur das zugegeben, was aufgrund der Beweislage schon nicht mehr zu leugnen war. Und in seiner Entschuldigung sagte er, er wolle an jedem Geburtstag eine buddhistische Zeremonie abhalten, um sein Gewissen zu entlasten. Er macht das nicht für die Seelen seiner Opfer, sondern für sein eigenes Gewissen."
Vor dem Khmer Rouge Tribunal warten jetzt noch vier weitere frühere Anführer der Roten Khmer auf ihren Prozess. Doch noch ist das Urteil gegen "Duch" nicht rechtskräftig. Verteidiger und Ankläger haben die Möglichkeit des Einspruchs.
Stand: 26.07.2010 11:56 Uhr
