Fabrik der United States Steel Corporation in Clairton, Pennsylvania | Bildquelle: AFP

US-Strafzölle Hoffen und Bangen im Rostgürtel

Stand: 08.03.2018 21:28 Uhr

Mit Strafzöllen will er die heimische Schwerindustrie schützen: Im sogenannten Rostgürtel, wo die US-Stahlindustrie sitzt, gibt es viel Lob für Trumps Pläne - aber auch laute Kritik.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Trump im Gespräch mit Vertretern der Aluminium- und Stahlherstellerbranche | Bildquelle: AP
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Vor Vertretern der Aluminium- und Stahlbranche erläuterte Trump vergangene Woche seine Pläne.

Wenn US-Präsident Donald Trump seine Strafzölle gegen Kritik verteidigt, dann denkt er vor allem an Menschen wie Tony Panza. Der Stahlarbeiter aus Cleveland im Bundesstaat Ohio ist Gewerkschaftsmitglied bei den "United Steelworkers". Jahrzehntelang hat er die Demokraten gewählt, 2016 aber Donald Trump, weil der versprach, die heimische Kohle- und Stahlbranche zu schützen.

Dass Trump sein Wahlversprechen hält, freut Panza: "Das wird hier zu neuen Jobs führen. Es wird mehr Steuereinnahmen geben für unsere Kommunen. Langfristig wird das allen nutzen."

"Wir können wieder stolz durch diese Fabriken gehen"

Das sieht auch der Stahlunternehmer Barry Zekelman aus dem Bundesstaat Pennsylvania so. In seinen 15 Stahlhütten arbeiten 2000 Menschen. Über Trumps Strafzölle ist Zekelman so begeistert, dass er allen Mitarbeitern einen Extra-Bonus in Höhe von 1000 Dollar zahlen will. Trumps Maßnahme finde er schon deshalb richtig, so Zekelman im Sender CBS, weil Stahl lange das Rückgrat Amerikas war: "Wir können wieder das Rückgrat Amerikas werden und viel mehr Leute einstellen. Wir könnten wieder stolz durch diese Fabriken gehen, die jetzt nicht ausgelastet sind."

Zu den Gewinnern zählt auch die Stahlunternehmerin Lisa Goldhagen, die Chefin der "Delaware Steel Company". Sie spüre jetzt schon einen positiven Effekt, sagte Goldhagen im Radiosender NPR: "Für mein Unternehmen sind Strafzölle gut. Ich kann schon jetzt 30 Prozent höhere Preise für Stahl von meinen Kunden verlangen. Und ich werde den Preis weiter erhöhen."

Sorge bei der verarbeitenden Industrie

Doch genau dieser enorme Preisanstieg beim heimischen Stahl - allein schon durch Trumps Ankündigung von Strafzöllen - sorgt für Ärger, gerade auch in den Bundesstaaten des industriellen Rostgürtels (Rust Belt), denen Trump seinen Wahlsieg zu verdanken hat. Denn während sich die 150.000 Stahlarbeiter in den USA freuen, drohen den über sechs Millionen Beschäftigten bei den stahlverarbeitenden Unternehmen Jobverluste, weil heimischer Stahl nun so teuer ist.

Dave Campbell ist Manager des Industriesägen-Herstellers Simonds International aus Michigan. Viele seiner Arbeiter hätten bisher Trump unterstützt, so Campbell im Sender NPR, aber: "Jetzt sind sie enttäuscht und besorgt, dass sie und ihre Firma durch Trumps Strafzölle benachteiligt werden und sich ihre beruflichen Perspektiven mittelfristig verschlechtern."

Ein geschlossenes Stahlwerk in Youngstown, Ohio | Bildquelle: AFP
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Geschlossenes Stahlwerk in Youngstown, Ohio. Viele Jobs in der verarbeitenden Industrie gingen in den 2000er-Jahren verloren.

Nicht mehr konkurrenzfähig auf dem Weltmarkt

In der stahlverarbeitenden Branche gibt es viele kleine und mittelständische Unternehmen. Sie ärgert, dass die Trump-Regierung in den Wettbewerb eingreifen und über Gewinner und Verlierer entscheiden will. Für sie bedeuten deutlich höhere Stahlpreise, dass ihre Produkte auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig sind. Die Folge: Arbeitsplatzverluste in weit höherem Ausmaß als die Jobgewinne in den Stahlhütten.

So schon einmal geschehen in den Jahren nach 2002: Damals verhängte Präsident George W. Bush Strafzölle, um die heimischen Stahlhersteller zu schützen. 10.000 Jobs in den Stahlhütten konnte Bush damit retten. Doch gleichzeitig gingen in der stahlverarbeitenden Branche und bei den amerikanischen Autoherstellern 20 Mal so viele Jobs verloren.

Karte: Der sogenannte "Rustbelt" im Osten der USA
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Der sogenannte "Rust Belt" erstreckt sich entlang der Großen Seen von Chicago über Detroit, Cleveland, Cincinnati und Pittsburgh bis an die Metropolen der Ostküste.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 08. März 2018 um 22:30 Uhr.

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