Mächtige Männerfreunde: Putin und Rosneft-Chef Setschin im Kreml | Bildquelle: dpa

Rosneft und der Kreml Mächtige Männerfreunde

Stand: 31.08.2017 12:45 Uhr

Rosneft und der Kreml - die Beziehungen zwischen dem Ölkonzern und dem politischen Machtzentrum Russlands sind traditionell eng. Präsident und Konzernchef sind Freunde. Schröder im Aufsichtsrat hilft beiden starken Männern.

Von Markus Sambale, ARD-Studio Moskau

Rosneft - für das Wohl Russlands. So lautet das Firmenmotto, und schon damit macht der Ölkonzern klar, dass er sich nicht als x-beliebiges Energieunternehmen versteht. Rosneft wird mehrheitlich vom russischen Staat kontrolliert, kleinere Anteile hält unter anderem das britische Unternehmen BP.

Hand in Hand

Die Beziehungen zum Kreml sind traditionell eng, Rosneft gilt deshalb auch als inoffizielles Öl-Ministerium. Die engste Beziehung ist dabei die auf höchster Ebene: zwischen Wladimir Putin und Igor Setschin, dem Präsidenten und dem Rosneft-Chef. Sie sind befreundet, arbeiten seit Jahrzehnten auf verschiedenen Posten Hand in Hand. Kritiker werfen den beiden dubiose Justiz- und Geheimdienst-Methoden vor, um Konkurrenten in der Ölbranche auszuschalten - und Rosneft immer größer zu machen.

Mächtige Männerfreunde: Putin und Rosneft-Chef Setschin | Bildquelle: REUTERS
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Mächtige Männerfreunde: Putin und Rosneft-Chef Setschin

Schröder als Brücke nach Deutschland?

Der Moskauer Energie-Experte Konstantin Simonow meint, dass der Vorschlag, Gerhard Schröder in den Rosneft-Aufsichtsrat zu berufen, beiden starken Männern hilft: "Es gibt hier Putins Interesse, der seinen alten Freund nicht vergessen hat. Und es gibt auch Setschins Interesse an einem europäischen Politiker." Als solcher könnte Schröder dem Konzern den Anschein von mehr Unabhängigkeit verleihen und gleichzeitig geplante Investitionen in Deutschland erleichtern.

Auf der Sanktionsliste der EU

Immer wieder nutzt der Kreml Rosneft als außenpolitisches Machtinstrument. Nach Russlands militärischem Eingreifen in der Ost-Ukraine setzte die EU den Ölkonzern deshalb auf ihre Sanktionsliste. Und auch in anderen Teilen der Welt zeigt sich der Einfluss: etwa kürzlich durch einen Milliardenkredit von Rosneft an die international unter Druck stehende Führung in Venezuela.

Energie-Experte Simonow bezweifelt, dass sich Schröder im Aufsichtsrat einem solchen Vorgehen entgegenstellen würde: "Durch Schröder wird Rosneft nicht transparenter werden. Er wird keine unbequemen Fragen stellen, wie zum Beispiel: "Wozu habt ihr sechs Milliarden Dollar in Venezuela investiert?"'. Sollte dies so kommen, könnten Putin und Setschin also auch in Zukunft mit dem Ölkonzern Rosneft Politik machen.

Rosneft – der verlängerte Arm des Kreml?
Markus Sambale, ARD Moskau
31.08.2017 11:57 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 31. August 2017 Inforadio um 13:34 Uhr und Deutschlandfunk um 06:27 Uhr.

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