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Obdachloser in New York

Amerikas soziale Spaltung

Von "Sozialschmarotzern" und Superreichen

Es ist wie jüngst in Deutschland festgestellt: Die Reichen werden immer reicher, die Armen haben immer weniger. Auch in den USA klafft die Schere zwischen den wenigeren Vermögenden und den Millionen anderen Amerikanern immer weiter auseinander. Ein Sechstel der Bevölkerung lebt inzwischen unter der Armutsgrenze, 30 Millionen Menschen haben keinen regulären Job. Der Mittelklasse droht der Abstieg. Allein die Liga des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Romney profitiert.

Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Washington

Klassenkampf und Spaltung der Gesellschaft wirft Mitt Romney dem US-Präsidenten häufig vor. Doch Multimillionär Romney betreibt selber Klassenkampf von oben.

Für 47 Prozent der US-Wähler hat der Republikaner nur Verachtung übrig, weil diese sozial Schwachen sich aus Romneys Perspektive als Opfer betrachten, keine persönliche Verantwortung für ihr Leben übernehmen und staatliche Transferleistungen als Selbstverständlichkeit betrachten.

Romney und die soziale Spaltung der USA
R. Sina, ARD Washington
20.09.2012 03:28 Uhr

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Ein Sechstel unter der Armutsgrenze

Noch nie war Amerikas Gesellschaft politisch und sozial so gespalten wie im Wahljahr 2012.

Die Zahlen des Zensus-Büros sprechen eine eindeutige Sprache: Danach leben 46,2 Millionen Amerikaner unterhalb der offiziellen Armutsgrenze, annähernd ein Sechstel der US-Bevölkerung. Über die Hälfte von ihnen hat im Jahr weniger als umgerechnet 4000 Euro zum Leben. Viele vierköpfige Familien müssen mit 8000 Euro pro Jahr auskommen.

16 Millionen amerikanische Kinder wachsen in Armut auf. Viele ihrer Eltern können selbst von einem Tellerwäscher-Job nur träumen.

Job-Suchende als Sozialschmarotzer beschimpft

Mehr als fünf Millionen Langzeitarbeitslose zählt Amerikas Arbeitsmarktstatistik. Rund 30 Millionen Amerikaner sind entweder überhaupt nicht beschäftigt oder versuchen, sich mit Teilzeit-Jobs über die Runden zu retten.

Diese "working poor" werden von Romney gemeinsam mit Rentnern, Kriegsveteranen und College-Studenten in die Nähe von Sozialschmarotzern gerückt, die es sich angeblich in Amerikas sozialer Hängematte bequem machen.

Massive Umverteilung zu Gunsten der Superreichen

Doch selbst jene, die Romneys Gnade finden, weil sie soviel Geld verdienen, dass sie Einkommenssteuer bezahlen, sind vom sozialen Abstieg bedroht. Um 1,5 Prozent sank das mittlere US-Einkommen laut US-Zensusbüro.

Obama-Herausforderer Mitt Romney
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Tritt nach Expertenansicht für eine Politik ein, die die Reichen auf Kosten des Mittelstandes noch reicher macht: Mitt Romney

Gleichzeitig explodierten die Einkommen der Romney-Liga. Es gibt eine massive Umverteilung von der Mittelklasse zu den Superreichen. Ein Vorstandvorsitzender kassiert mittlerweile 300 Mal soviel wie einer seiner Angestellten - 1950 waren es 30 Mal soviel. 3,1 Millionen US-Millionäre verzeichnet die aktuelle Statistik, und 400 Milliardäre. Allein die drei reichsten von ihnen kommen auf ein Vermögen von 131 Milliarden Dollar.

Alles auf Kosten des Mittelstands

Amerikas soziale Spaltung beschäftigt sogar den Geheimdienst CIA. Der stellt die USA in punkto Verteilungsgerechtigkeit auf ein Niveau mit afrikanischen Staaten wie Kamerun, die Elfenbeinküste und Uganda.

Die gesamte Steuergesetzgebung der vergangenen Jahrzehnte habe nur ein Ziel gehabt: Die Reichen noch reicher zu machen - und zwar auf Kosten des Mittelstandes, sagt Jacob S. Hacker, Politikwissenschaftler an der Yale-University. Und Romney ist entschlossen, diesen Kurs fortzusetzen.

Stand: 20.09.2012 04:28 Uhr

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