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Romney im Porträt
Multimillionär, Mormone und "Flipp-Flopper"
Als Gouverneur von Massachusetts setzte Romney eine Gesundheitsreform durch, die der Obamas sehr ähnelt. Doch als Mann, der sein Fähnchen in den Wind hängt - als "Flipp-Flopper" - lehnt er "Obamacare" ab. Sollte der Multimillionär die Wahl gewinnen, wäre erstmals ein Mormone US-Präsident.
Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington, zzt. Tampa
Vorigen Freitag besuchte Mitt Romney Bloomfield Hills, Michigan. "Wie ich es liebe, in der Heimat zu sein!", rief er den Leuten zu, die an diesem sonnig-warmen Nachmittag zu seiner Wahlkampfveranstaltung gekommen waren. "Hier wurden Ann und ich geboren." Und übrigens: "Mich hat nie jemand nach meiner Geburtsurkunde gefragt. Es weiß doch jeder, dass wir hier geboren und aufgewachsen sind."
Die Leute lachten und klatschten Beifall, die Obama-Kampagne und die Medienmeute waren elektrisiert. Gefragt vom TV-Sender CBS, ob das auf Präsident Barack Obama gemünzt gewesen sei, dem noch immer etliche Konservative nicht glauben, dass er in den USA geboren wurde, erwiderte Romney: "Das war kein Seitenhieb auf Präsident Obama." Vielmehr müsse auch in Wahlkampagnen "ein bisschen Humor erlaubt sein. Wir sind hier aufgewachsen, ich wollte die Menschen begrüßen und die hatten etwas zu lachen."
Wer ist Mitt Romney?
S. Hasselmann, MDR Washington
27.08.2012 09:42 Uhr
Gold für den Olympia-Finanzmanager von Salt Lake City
Doch gelacht wird eher mal auf Kosten des heute 65-jährigen, groß gewachsenen Mannes. Zwar waren auch die Briten über die Sicherheit bei den Olympischen Sommerspielen in London besorgt. Doch als Romney Zweifel geäußert hatte, ätzte der britische Premier: Eine Weltmetropole sei schließlich etwas anderes, als Olympische Spiele in der Mitte von Nirgendwo zu organisieren.
Tatsächlich war Romney Organisationschef der Winterspiele 2002 in Salt Lake City in Utah gewesen. Der damalige Geschäftsmann hatte 1999 die unter schweren Bestechungsskandalen und dreistelligen Defiziten leidenden Olympiavorbereitungen übernommen und zu einem profitablen Erfolg geführt.
Vom Harvard-Studenten zum Multimillionär ...
Zuvor hatte der mit Harvard-Abschlüssen in Jura und Wirtschaft versehene Willard "Mitt" Romney in Boston die Investmentfirma Bain Capital gegründet. Deren legale, aber derzeit von der Obama-Seite scharf kritisierte Geschäftsmodelle machten ihn zum Multimillionär.
... und dann in die Politik
Nach dem Olympiaeinsatz gelang Romney der Sprung in die Politik: So wie einst sein Vater George wurde er 2003 Gouverneur eines Bundesstaates. In Massachusetts musste der Republikaner mit einem überwiegend von Demokraten besetzten Parlament regieren.
Dergleichen erfordere Führungsqualitäten, die Präsident Obama in seiner Amtsführung vermissen lasse, erklärte Romney im Sommer 2011, nachdem er zum zweiten Mal eine Präsidentschaftsbewerbung bei den Republikanern abgegeben hatte.
Sein Geheimnis: "Wie ein alter Spruch besagt: Halte deine Freunde nah bei dir und deine Feinde noch näher. Du musst auch mit diesen Leuten Vertrauen auf einer persönlichen Ebene aufbauen, so dass man selbst in harten Zeiten etwas zustande bringen kann."
"Romneycare" schon vor "Obamacare"
2007 wies Massachusetts jedenfalls Überschüsse statt Schulden auf; dazu ein neues, bis heute recht ordentlich funktionierendes Gesundheitssystem. Doch weil Obama Teile davon kopiert hat und weil viele Amerikaner derzeit "Obamacare" als sozialistisches Machwerk hassen, schweigt Romney diesen Erfolg lieber tot.
Auch deshalb wird er sein Image als "Flipflopper" nicht recht los: Gestern moderat, heute extrem konservativ und morgen, was dann die meisten Stimmen verspricht - sagen seine Kritiker.
Der Hund auf dem Autodach
Privat besteht der größte "Skandal" in einer Urlaubsfahrt mit dem Familienhund auf dem Autodach. Das ist drei Jahrzehnte her. Noch länger liegt seine Hochzeit mit Ann zurück (1969).
Und sonst sind die Romneys und ihre fünf Söhne leidenschaftliche und spendierfreudige Mormonen. Vor vier Jahren noch eine zu hohe Hürde für die Republikanerbasis, ist Romneys Glaube bei seinem zweiten Anlauf Richtung Weißes Haus kein großes Streitthema mehr.
Ein Mann wie du und ich
Dennoch erlaubt seine Wahlkampagne den Amerikanern ab sofort mehr Einblicke in Romneys religiöse und familiäre Privatsphäre. Sie sollen endlich Vertrauen zu einem Mann fassen, den die Obama-Wahlkampagne gnadenlos als abgehobenen Superreichen zeichnet, der im Weißen Haus vor allem ein Handlanger von Wall Street und Big Oil sein werde.
Stand: 29.08.2012 00:17 Uhr
