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US-Präsidentschaftskandidat in Europa und Israel
Die seltsame Auslandsreise des Mitt Romney
In Großbritannien düpiert er die Gastgeber der Olympischen Spiele, in Israel zieht er sich einen Rassismusvorwurf zu und in Polen beschimpft sein Pressesprecher die Journalisten. Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Romney hinterlässt nach seiner Auslandsreise einen merkwürdigen Eindruck.
Von Anna Engelke, NDR-Hörfunkstudio Washington
Eigentlich war Mitt Romneys Besuch in Polen bis zu diesem Zeitpunkt gut gelaufen. Er hatte gerade einen Kranz am Grab des unbekannten Soldaten niedergelegt und schritt zu seinem Wagen. Mitgereiste Journalisten aus den USA standen hinter einer Absperrung und filmten das Ganze. Weil es während der Auslandsreise kaum Gelegenheit gegeben hatte, Romney Fragen zu stellen, taten sie es jetzt.
Etwa diese: "Gouverneur Romney, haben die Ausrutscher ihre Reise überschattet?" Romneys Pressesprecher Rick Gorka entgegnete scharf: "Zeigen Sie etwas Respekt. Für die Polen ist das hier eine heilige Stätte." Eine Journalistin intervenierte, man habe doch keine andere Möglichkeit gehabt, ihm Fragen zu stellen. Daraufhin der Pressesprecher: "Leck mich am Arsch". Im US-Fernsehen wurde über diesen drastischen Ausdruck ein Piepton gelegt.
Romneys Pressesprecher beschimpft US-Journalisten
A. Engelke, NDR Washington
01.08.2012 02:45 Uhr
"Du kannst mich mal"
Einem anderen Journalisten raunte Gorka zu: "Du kannst mich mal". Kurz darauf entschuldigte sich Romneys Pressesprecher bei den Korrespondenten, aber der Schaden war angerichtet. Die Sequenz lief im US-Fernsehen rauf und runter. Damit war auch Teil drei von Romneys Auslandsreise von einem Fauxpas überschattet.
In London hatte Mitt Romney daran gezweifelt, ob die Briten die Olympischen Spiele hinbekommen. In Israel hatte er Jerusalem als israelische Hauptstadt bezeichnet und bei einem Frühstück mit Wahlkampfspendern gesagt, die wirtschaftliche Überlegenheit Israels gegenüber den Palästinensern sei auch kulturell begründet. "Rassistisch sei das", schäumten daraufhin die Palästinenser.
Romneys Team spricht von "kleinen Schönheitsfehlern"
Der Journalist Ryan Lizza, der für das Magazin "The New Yorker" schreibt, fasste auf CNN Romneys Reise so zusammen: "Ohne zu überheblich sein zu wollen, er hat die US-Medien verärgert, die Palästinenser und das gesamte britische Volk. Daran werden sich die Menschen erinnern, darüber haben wir hier gesprochen. Es war kein Erfolg." In der Tat könnte man sagen: Die Reise, mit der sich der republikanische Präsidentschaftskandidat außenpolitisch etwas aufhübschen wollte, ist nicht gut gelaufen.
Romneys Wahlkampf-Team sieht das indes anders: Sicher, es habe kleine Schönheitsfehler gegeben, aber insgesamt sei die Reise erfolgreich gewesen, heißt es. Romney habe keinen Zweifel daran gelassen, dass er an der Seite Israels stehe. Er sei vom israelischen Premier Benjamin Netanjahu gelobt und gepriesen worden genauso wie vom ehemaligen polnischen Gewerkschaftsführer Lech Walesa.
Bei bestimmten Wählern dürfte Romney durchaus gepunktet haben
Bei bestimmten Wählern zu Hause in den USA könne Romney damit durchaus punkten, meinte der Politik-Experte Hank Sheinkopf: "In Wahlkampf entscheidenden Staaten werden Wähler mit polnischen Wurzeln sagen: 'Das ist mein Mann.' Konservative Katholiken werden sagen 'wundervoll'." Evangelikale Wähler im Süden der USA würden zudem Romneys klares Bekenntnis zu Israel schätzen.
Katholiken im Norden, Evangelikale im Süden - das können bei der Präsidentschaftswahl im November die entscheidenden Stimmen sein. Und dann hätte sich die Reise von Mitt Romney in die weite Welt gelohnt - allem Hohn und Spott zum Trotz.
Stand: 01.08.2012 03:14 Uhr
