Die Rolling Stones in Kuba | Bildquelle: dpa

Rolling-Stones-Konzert in Havanna Kuba gets (no) Satisfaction

Stand: 25.03.2016 11:09 Uhr

Die aktuelle Tour der Rolling Stones sollte eigentlich in Mexiko schon zu Ende sein. Aber dann verkündete die britische Rockband eine Sensation: Es solle noch einen Auftritt in Kuba geben. Nun ist es nun soweit - und die Menschen schwanken zwischen Euphorie und Ärger.

Von Markus Plate, ARD-Studio Mexiko

Es ist das Aufeinandertreffen zweier real existierender Legenden. Die kubanische Revolution und die Rolling Stones. Beide regieren schon seit Ewigkeiten. Die Castros seit 1959 - Mick Jagger, Keith Richards & Co. haben nur drei Jahre weniger auf dem Buckel. Das Open Air Konzert der Stones in der Ciudad Deportiva, zwei Kilometer südlich vom Platz der Revolution, schließt in Kuba eine Woche ab, die mit Fug und Recht historisch genannt werden darf.

Großbritanniens Botschafter in Kuba, Tim Cole, ist jedenfalls ziemlich aus dem Häuschen: "Ich bin enorm stolz, dass die Rolling Stones nach Kuba kommen. Wie halb oder ganz Kuba bin auch ich unglaublich aufgeregt, dass die Stones hier spielen werden", sagt er.

Stones bei einem Konzert in Montevideo, Uruguay. | Bildquelle: REUTERS
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Rolling Stones (hier in Montevideo): Eine Musiklegende tritt in Kuba auf.

Gigantischer Aufwand für ein Konzert

Es ist alles andere als ein ganz normales Stones-Konzert. Schon der Aufwand ist für kubanische Verhältnisse gigantisch. 61 Container hat die Crew in den letzten Tagen auf die Insel gebracht, darin 500 Tonnen Equipment, die Bühne, der Sound, Videoprojektionen, Generatoren. Und viele Kubaner sind schon seit der Eventankündigung am 1. März voller Vorfreude auf das Konzert am Karfreitag. "Wir fühlen uns super, das muss man einfach genießen. Und wir werden tanzen bis der Malecón trocken liegt", sagt ein junger Mann.

Dieser März 2016 ist für Kuba ein Monat der Superlative. Am Dienstag spielte im Baseball-verrückten Land die kubanische Nationalauswahl gegen Tampa Bay Rays, das Major League Team aus Florida. Und Barack Obama hat gerade erst seinen Staatsbesuch beendet, den ersten eines US-amerikanischen Präsidenten seit fast 90 Jahren. Deshalb mussste auch der Stones-Gig um fünf Tage verschoben werden. Tour-Manager Dale Skjerseth sieht es mit Humor: "Wir sollten eigentlich vor ihm hier gewesen sein. Aber so ist er eben unsere Vorband."

"Das ist einzigartig"

Auf den Straßen und Plätzen von Havanna treffen dieser Tage zwei Musikwelten aufeinander. Die Touristen genießen Salsa Cubana, die Kubaner machen sich dagegen mit heimischen Coverbands fit für echten Rock. Los Kent sind so etwas wie die Stones Kubas, auch schon seit Jahrzehnten eine Institution, ihre Interpretationen von "Satisfaction" und "Paint It Black" sind der perfekte Teaser für das Konzert der Vorbilder.

Diese Einstimmung braucht Michel Alvarez, ebenfalls Rockmusiker und eingefleischter Stones-Fan, allerdings gar nicht: "Die Möglichkeit diese wirklich Großen des Rocks zu sehen, das ist einzigartig. Wir hatten ja hier nur wenige Möglichkeiten Rockgruppen dieses Kalibers zu erleben. Für mich als Rockmusiker ist das ein ganz großer Moment, ich bewundere diese Band", schwärmt Alvarez.

Die Rolling Stones geben Konzert auf Kuba
tagesschau 09:55 Uhr, 25.03.2016

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Kritiker sprechen von Verrat

Bei aller Begeisterung für die Musik: Natürlich ist ein Auftritt einer Superband wie der Stones ein Politikum. Englischsprachiger Rock war im kommunistischen Kuba jahrzehntelang als kontrarevolutionär geächtet. Es gibt denn auch zum Teil beißende Kritik an diesem Rendezvous, nicht nur aus der exilkubanischen Community in Miami.

Da ist zum Beispiel Mike Porcell, der 1950 geborene Musiker und Komponist. 1980 wurde Porcell mit einem Aufführungsverbot belegt. Erst neun lange Jahre später ließ man ihn ausreisen. "Ein Teil meiner Generation fühlt sich verraten", sagt er. Für diese Menschen komme das alles sehr spät und das Regime ziehe viel Nutzen aus diesem Besuch. "Das ist Teil der Maschinerie, mit der sie den Leuten vormachen, dass es Öffnung und Freiheit gibt", kritisiert der Musiker.

"Das ist schon ziemlich naiv!"

Natürlich versucht Kubas Regierung, Megaereignisse wie dieses für sich zu nutzen. Wie die Papstreise im September letzten Jahres, den Staatsbesuch Obamas und das Baseballspiel in dieser Woche. Und auch für die Stones hat der Auftritt laut ihrer Tourwebsite einige Bedeutung: "Wir haben an so vielen besonderen Orten während unserer langen Karriere gespielt, aber diese Show in Havanna wird für uns ein Meilenstein sein. Und wir hoffen, für unsere Freunde in Kuba ebenso!"

Der Frontmann der Punkband "Porno para Ricardo", Gorki Aguilar, empfindet das Gastspiel der Briten allerdings als Adelung des kubanischen Regimes und deswegen überhaupt nicht gut. Aguilar hatte in den letzten 15 Jahren wegen regimekritischer Äußerungen und Songtexte des Öfteren Ärger mit den kubanischen Behörden und war mehrfach verhaftet worden. "Das ist schon ziemlich naiv! Die wissen doch gar nicht, was in Kuba passiert", ärgert sich Gorki Aguila. Die Stones ließen sich "vor den Karren des Regimes spannen", sängen schöne Lieder und adelten damit den Wandel, der sich angeblich in Kuba vollziehe.

Die Rolling Stones auf Kuba
M. Plate, ARD Mexiko-Stadt
25.03.2016 10:11 Uhr

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Gratiskonzert - aber reicht der Platz?

Der Begeisterung auf Kuba tun derlei Legendenpflege bei Band und Politikern keinen Abbruch. Zumal das Konzert ja gratis ist, gratis sein muss, will es im Niedrigstlohnland Kuba bei den sonst üblichen Stones-Ticketpreisen nicht exklusiv für Politkader, Neureiche und Touristen sein.

Historisch und umsonst: Wenn es da Bedenken gibt, dann gehen diese, wie bei diesen Schaulustigen beim Bühnenaufbau doch eher in eine andere Richtung. "Das ist ein Konzert, das du nur einmal im Leben siehst", sagt eine Frau. Jedoch fürchte sie, dass der Ort zu klein für die vielen Menschen sein könne. "Mein Freunde haben gesagt, dass sie hier mit Zelten anrücken und hier schlafen werden, damit sie am Tag gute Plätze ergattern können, um das Konzert auch genießen zu können", erzählt sie.

Bei einem anderen Fan überwiegt die Begeisterung: "Na, ich finde das großartig. Das ist der Beginn von etwas Gutem. Das sich die beiden Kulturen austauschen und dass in Zukunft noch mehr Bands hier spielen werden", sagt er.

Gerade jüngere Kubaner haben die Hoffnung, dass die Stippvisite einer der größten Bands aller Zeiten kein Ausnahmekonzert bleibt, sondern das Kubas langsame Öffnung auch die Musik mit einschließt.

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