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Flüchtlingswelle in Myanmar
Bangladesch macht Grenzen dicht
Nachdem sich das Flüchtlingsdrama in Myanmar, dem früheren Birma, noch verschärft hat, will Bangladesch seine Grenze für Flüchtlinge dicht machen. "Wir werden keine Ausländer ins Land lassen", sagte ein Sprecher der Grenzbezirks Cox's Bazar. Nach Berichten von Lokalmedien werden Boote mit Flüchtlingen bereits zurückgeschickt.
Neue ethnische Unruhen im Westen Myanmars haben in den vergangenen Tagen mehr als 22.500 Menschen zur Flucht veranlasst, sagte der Vertreter der Vereinten Nationen in dem Land, Ashok Nigam, der Nachrichtenagentur AFP. Bei den Gefechten zwischen Buddhisten und Muslimen wurden im Bundesstaat Rakhine nach Angaben aus Regierungskreisen in den vergangenen Tagen mehr als 80 Menschen getötet. Etwa 130 Menschen seien zudem verletzt worden.
Die Flüchtlinge, überwiegend Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingya, versuchten nach UN-Angaben, bereits völlig überfüllte Lager zu erreichen. Es sei gut möglich, dass noch wesentlich mehr Menschen als derzeit bekannt auf der Flucht seien.
"Gewalt verhindern und Harmonie predigen"
Die Vereinten Nationen und verschiedene Hilfsorganisationen fordern die Verantwortlichen zum Handeln auf: "Die Regierung muss Recht und Ordnung garantieren, weitere Gewalt verhindern und Harmonie predigen", so Ashok gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. Sie müsse den Kreislauf von Diskriminierung und Gewalt durchbrechen, forderte Amnesty International von der Regierung.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) forderte die myanmarische Regierung auf, die Rohingya vor "bösartigen Angriffen" zu schützen und allen Menschen in der Region zu helfen. Die Regierung müsse zudem die Probleme bei den Wurzeln packen. "Wenn die Behörden nicht auch die Ursachen der Gewalt angehen, wird es wahrscheinlich noch schlimmer werden", warnte HRW.
Menschenrechtler: Staat grenzt Rohingya systematisch aus
Nach Angaben der Staatspresse will die Regierung Unruhestifter bestrafen. Menschenrechtler sehen darin nur halbherzige Versuche, die Gewalt zu stoppen. Der Staat grenzt die teils seit Generationen im Land lebenden Rohingya systematisch aus und verweigert ihnen die Staatsbürgerschaft. Die buddhistische Bevölkerung in Birma unterstützt die harte Haltung. Selbst Mönche haben gegen die schätzungsweise eine Million Rohingya demonstriert.
Die Bevölkerung in Myanmar ist zu 89 Prozent buddhistisch. Rund vier Prozent der Bevölkerung sind muslimischen Glaubens. Die etwa 800.000 Muslime in Rakhine gehören den Rohingya an. Sie sind staatenlos und in ihren Rechten erheblich eingeschränkt. Die UNO sieht die Rohingya als eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt an.
Die Lage in Rakhine hatte sich nach Zusammenstößen im Juni, die bereits 75.000 Menschen in die Flucht trieben, zunächst wieder beruhigt. Doch vor einer Woche flammte die Gewalt erneut auf.
Stand: 28.10.2012 14:49 Uhr
