Verletztes Kind im Krankenhaus in Bangladesh | Bildquelle: AP

Verletzte Rohingya in Bangladesh Tausendfaches Leid

Stand: 20.09.2017 04:50 Uhr

Die Worte von Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi zur Verfolgung der Rohingya-Minderheit in Myanmar bleiben vage. Den Flüchtlingen jedenfalls, die in Bangladesch um ihr Leben kämpfen, helfen sie wohl kaum. Hier liegen viele verletzte Rohingya in Krankenhäusern.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

"Ich kann nichts sehen, ich habe meine Augen verloren", Yusuf Nobi stöhnt. Er liegt auf dem verdreckten Flur im staatlichen Krankenhaus in Chittagong, im Süden von Bangladesch. Er hört die vielen anderen Patienten, die um ihn herum auf Matten und Strohdecken liegen, dicht an dicht.

Yusuf hat große Schmerzen: Seine Beine sind mit Verbänden umwickelt. Sie enden an der Wade. Der junge Landwirt hat beide Füße verloren. Yusuf ist aus seinem Dorf geflohen, weil es überall gebrannt habe, erzählt er mit zittriger Stimme. Tagelang sei er unterwegs gewesen, bis er zur Grenze kam. Er habe Bangladesch schon sehen können: "Ich habe einen ganz normalen Schritt gemacht, dann ist etwas unter mir explodiert."

Überfüllte Krankenhäuser

Das Krankenhaus ist hoffnungslos überfüllt. Mehr als 2000 Patienten liegen im Medical College Hospital, obwohl es nur für rund 1000 Menschen Betten gibt. Jetzt sind noch rund 100 schwer verletzte Rohingya hier nach Chittagong gebracht worden. Auf den Treppenstufen sind Blutlachen, der Geruch ist beißend: eine Mischung aus Desinfektionsmitteln, Urin und Schweiß.

Flüchtlingslager von Rohinyas in Bangladesch | Bildquelle: AFP
galerie

Rohinyas im Flüchtlingslager Kutupalong in Bangladesch

Einige Matten neben Yusuf liegt Nowbab Sharif, er reckt seine Unterarme in die Höhe und spreizt seine Finger. Denn seine Haut dort ist völlig zerfetzt. "Die Armee hat unser Dorf umstellt", erzählt er. "Dann haben sie eine Ausgangssperre ausgerufen, von sechs Uhr abends bis sechs Uhr morgens. Sie haben wohl Landminen um unser Dorf gelegt, aber das wussten wir ja vorher nicht."

Morgens sei er mit zwei Freunden am Wegesrand rund um das Dorf gelaufen: "Plötzlich ist etwas unter mir explodiert und ich wurde stark verletzt. Meine Freunde waren auch leicht verletzt, aber bei mir war es ziemlich schlimm. Meine Nachbarn haben mich dann nach Bangladesch gebracht."

Minen an der Grenze zu Bangladesch

Es gibt ein internationales Übereinkommen das verbietet, Tretminen zu verwenden, mit ihnen zu handeln oder sie zu lagern. Doch Myanmar hat diesen Vertrag nicht unterzeichnet.

Yusufs Frau streichelt ihm sanft über den Kopf. Die drei Kinder sind bei Bekannten in einem Flüchtlingscamp untergebracht. Sie wissen nicht, wie es für sie weitergehen soll. Nobi wird wohl nie mehr arbeiten können, ohne Füße, ohne Augenlicht, die Finger seiner rechten Hand sind zerfetzt.

Suu Kyi verurteilt erstmals Gewalt in Rohingya-Gebieten: Einschätzungen von Sandra Ratzow, ARD Singapur
tagesschau24 15:00 Uhr, 19.09.2017

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Nicht nur die Opfer erzählen von Minen, auch die Regierung von Bangladesch legte gegen die Landminen so nah an der Grenze Protest ein. Dafür gebe es Beweisfotos. In Myanmar hieß es in Militärkreisen, Landminen seien in den 1990er-Jahren ausgelegt worden. Seitdem versuche das Militär allerdings, die Minen wieder zu entfernen und habe keine neuen platziert.

Zusatzzelte für Rohingya

Über eine staubige Piste, mehrere Stunden im Auto in Richtung Süden, erreicht man das Memorial Christian Krankenhaus in Cox’s Bazar. Auch hier liegen Minenopfer. Ein Rohingya hat seine schweren Verletzungen nicht überlebt.

Im Krankenhaus wurde ein Zusatzzelt aufgestellt, weil mehrere Rohingya mit verschiedenen Verletzungen hierher gebracht worden. Tasmin Ara ist mit ihrem Vater hier, sie ist zehn Jahre alt und kann sich an die Flucht aus Myanmar kaum erinnern, sie war bewusstlos: "Ich habe im ganzen Gesicht Schmerzen, hinter dem Auge und auf meiner Nase." Dort klafft ein Loch und blauen Fäden hängen heraus. Durch ihr linkes Auge könne sie nichts mehr sehen, sagt sie leise. "Ich habe draußen gespielt, es war Tag, da hat mich die Kugel am Auge getroffen. Ich weiß nicht, wer geschossen hat, die Leute sagen, es sei die Polizei gewesen."

Danach weiß sie nicht mehr, was passiert ist. Ihr Vater packt sie sanft am Arm. Er habe sie bis nach Bangladesch getragen, sie habe die ganze Zeit aus ihrem Auge geblutet. Jetzt rollt eine Träne über Tasmins Wange, sie kann mit ihrem blinden Auge nicht mehr zwinkern, es steht die ganze Zeit offen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. September 2017 um 02:32 Uhr.

Darstellung: