Rohingya auf der Flucht | Bildquelle: AP

Rohingya-Flüchtlinge Von einem Lager ins nächste?

Stand: 24.11.2017 05:03 Uhr

Myanmar will die Rohingya, die zu Hunderttausenden nach Bangladesch geflohen waren, wieder aufnehmen. Doch sind die Angehörigen der muslimischen Minderheit wirklich willkommen und kann für ihre Sicherheit garantiert werden?

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Langeweile, Frust, Streit. Tausende Menschen zusammengepfercht unter praller Sonne auf einem öden, staubigen Flecken Erde: Das Rohingya-Camp in Sittwe, im Rakhine Staat im Westen Myanmars. Ist das die Zukunft der Flüchtlinge, denen gestern versprochen wurde, dass sie aus Bangladesh zurückkehren dürfen? Von einem Lager ins nächste?

Ihre Häuser sind zerstört, die Felder abgefackelt, das Vieh geschlachtet oder gestohlen. Und diejenigen, vor deren Hass sie geflohen sind - die fanatischen buddhistischen Nationalisten - die wollen sie auf keinen Fall zurück als Nachbarn. Im Gegenteil. Am liebsten würden sie den Rest der muslimischen Minderheit auch noch vertreiben. "Bengali", wie sie die Rohingya nennen, Menschen aus Bangladesh - obwohl sie seit Generationen in Myanmar leben. Und in Bangladesh sind sie ebenfalls unerwünscht. 830.000 Menschen - zusammengepfercht in Elendslagern in einem bitterarmen Land, das kaum die eigene Bevölkerung ernähren kann.

Viele Fragen vor einer Rückkehr offen

Wo sollen sie hin? Wie soll ihre Sicherheit garantiert werden? Der seit Jahrzehnten gärende abgrundtiefe Hass überwunden werden? Fragen, die der Grundsatzbeschluss nicht beantwortet, der gestern von den Außenministern Myanmars und Bangladeshs unterzeichnet wurde. In zwei Monaten schon sollen die ersten zurückkommen dürfen. Aber wie viele von den über 600.000, die seit August geflohen sind? Auch darüber streiten die Nachbarländer noch. Keine einzige der entscheidenden Fragen geklärt,  nur die Bürokratie funktioniert bereits tadellos - welche Papiere die Rückkehrer brauchen und welche Offiziellen in Bangladesh unterschreiben müssen, das steht fest.

Stolz hat der Außenminister in Naypyidaw das Abkommen auf Facebook verkündet. Eine Absichtserklärung - mehr ist das bislang nicht. So wie Aung San Suu Kyi schon vor Wochen nach massiver internationaler Kritik die Flüchtlinge einlud, sie könnten gern zurückkehren nach Myanmar. Muslime nennt sie die De-facto-Staatschefin, den Begriff "Rohingya" würde sie nicht in den Mund nehmen, es würde bedeuten, sie als eine Volksgruppe des Vielvölkerstaates Myanmar anzuerkennen. Burmesische Staatsbürgerschaft für die Rohingya aber ist kein Thema - sie sind ausgegrenzt und werden diskriminiert, seit die britischen Kolonialherren sie vor fast 200 Jahren als billige Arbeitskräfte von Bangladesh nach Burma verschleppten.

Rohingya klettern aus einem Boot an einem Flußufer in Bangladesch. | Bildquelle: AFP
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Rohingya klettern aus einem Boot an einem Flußufer in Bangladesch. (Archiv)

Im August dieses Jahres griffen Royhinga-Extremisten Polizeistationen an. Die Armee reagierte mit sogenannten Anti-Terror-Einsätzen, und buddhistische Nationalisten nutzen die Gelegenheit, ihr Mütchen an den verhassten Muslimen zu kühlen. Die Vereinten Nationen nannten es "ethnische Säuberung". Und es war ja nicht das erste Pogrom gegen die Rohingya, jener meistverfolgten Minderheit der Welt.

Papst reist nach Myanmar

Papst Franziskus übrigens kennt keine Hemmungen, die Rohingya beim Namen zu nennen. Auch wenn Ex-UN-Generalsekretär Kofi Anan ihn gebeten hat, den Terminus bei seiner Reise nach Myanmar zu vermeiden, weil er diplomatisch heikel sei. Schon im August hatte Fransziskus beim Mittagsgebet in Rom seine ungeteilte Nähe zu den Rohingya bekundet und zum Gebet eingeladen für "unsere Geschwister die Rohingya". Kommende Woche reist Papst Franziskus nach Myanmar. Da kann es nicht schaden, wenn die Regierung in Naypyidaw darauf verweisen kann, bereits erste Schritte zur Rückführung der Flüchtlinge eingeleitet zu haben.

Burmesisches Willkommen - Rückkehrangebot an Rohingya
Holger Senzel, ARD Singapur
24.11.2017 11:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. November 2017 ab 18:30 Uhr im "Echo des Tages". Am 24. November 2017 berichtete Deutschlandfunk um 05:16 Uhr.

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