Eine Gruppe von Rohingya-Flüchtlingen an der Grenze nach Bangladesch | Bildquelle: REUTERS

Vereinbarung zwischen Myanmar und Bangladesch Rohingya dürfen zurück - nur wie?

Stand: 23.11.2017 15:24 Uhr

Muslimische Rohingya-Flüchtlinge dürfen in den kommenden zwei Monaten mit ihrer Rückkehr von Bangladesch nach Myanmar beginnen. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten Vertreter der beiden Länder in Myanmar. Doch viele zweifeln, ob sich die Rückführung umsetzen lässt.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Alle haben ihre eigene Geschichte - und all diese Geschichten sind traurig. Sie handeln von erschossenen Ehemännern und Söhnen, vergewaltigten Frauen und Töchtern, niedergebrannten Dörfern. 830.000 Schicksale im Dreck der Elendslager in Bangladesch. Es gibt nicht genug zu essen, zu wenig sauberes Trinkwasser, kaum Medizin. Doch schon bald sollen die ersten Rohingya aus den Flüchtlingscamps in Bangladesch in ihre Heimat Myanmar zurückkehren dürfen. Darauf haben sich die beiden Länder heute geeinigt - das erklärten beide Staaten.

Doch die Menschen in den Lagern sind misstrauisch. "Ich traue der Regierung von Myanmar nicht", sagt ein Flüchtling. "Ich bin schon zum dritten Mal in meinem Leben geflohen. So ist das immer. Ich werde zurückkehren, wenn ich die Staatsbürgerschaft von Myanmar bekomme."

Hetzjagd auf Rohingya

Doch genau das wird vermutlich nicht passieren. Die Staatsbürgerschaft von Myanmar für Rohingya ist kein Thema für die Regierung. Selbst die de-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi spricht bis heute nicht von "Rohingya", weil das deren Anerkennung bedeuten würde. Für die meisten Burmesen sind Rohingya „Bengali“, also Menschen aus Bangladesch, auch wenn sie seit Generationen in Myanmar leben.

Rohingya klettern aus einem Boot an einem Flußufer in Bangladesch. | Bildquelle: AFP
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Rohingya klettern aus einem Boot an einem Flußufer in Bangladesch. (Archiv)

Buddhistische Mönche riefen dort zu regelrechten Hetzjagden gegen die muslimische Minderheit auf. Muslime seien Terroristen - das impften selbst Äbte ihren Zuhörern bei Kundgebungen ein. Sie müssten vertrieben werden.

Bilder von einem aufgepeitschtem Mob, der mit Knüppeln Rohingya jagte gingen um die Welt. Der benzingetränkte schwarze Rauch brennender Dörfer verdunkelte den Himmel. Und in diesen Hass sollen die Rohingya zurückkehren? Die Vereinten Nationen sprachen in seltener Klarheit von "ethnischer Säuberung" und zeigten Satellitenaufnahmen von Armeesoldaten, die Flüchtenden in den Rücken schossen. Erst unter dem massiven Druck internationaler Kritik äußerte sich Suu Kyi öffentlich zur Lage im Bundesstaat Rakhine. Und sagte allen Ernstes, sie wolle gerne herausfinden, wieso diese Menschen so massenhaft fliehen.

Angst vor dem Hass in Myanmar

Internationaler Druck mag auch zu dem heute unterzeichneten Abkommen geführt haben. Einstweilen ist es nicht mehr als eine Absichtserklärung, ein schwammiger Grundsatzbeschluss mit vielen offenen Fragen und ungeklärten Details. Nicht konkreter als die damalige Einladung Suu Kyis an die Flüchtlinge, nach Myanmar zurückzukehren. Eine Geste guten Willens, die von der internationalen Gemeinschaft goutiert wurde - aber wer mag sagen, ob sie ernst gemeint war?

Unabhängig von allen politischen Erklärungen sieht die aktuelle Situation so aus, dass die Vertriebenen Angst haben vor dem Hass, der ihnen in Myanmar entgegenschlägt - und dass die Burmesen im Bundesstaat Rakhine sie auf keinen Fall zurückhaben wollen.

Angebliche Einigung über Rohingya
Holger Senzel, ARD Singapur
23.11.2017 13:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 23. November 2017 Deutschlandfunk um 12:00 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.

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