Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch | Bildquelle: AFP

UN-Bericht zu Myanmar Rohingya systematisch vertrieben

Stand: 11.10.2017 14:36 Uhr

Häuser angezündet und Menschen in den Rücken geschossen - das berichten Rohingya-Flüchtlinge über das Vorgehen der Sicherheitskräfte in Myanmar. UN-Experten gehen davon aus, dass die Täter Rohingya systematisch vertreiben und sie an der Rückkehr hindern wollten.

Die Sicherheitskräfte in Myanmar haben die muslimische Minderheit der Rohingya systematisch angegriffen und vertrieben. Zu diesem Schluss kommen die Vereinten Nationen in einem aktuellen Bericht. Das Vorgehen der Sicherheitskräfte erscheine als "zynischer Plan zur gewaltsamen Vertreibung einer großen Anzahl von Menschen ohne Möglichkeit zur Rückkehr", erklärte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Zeid Raad al-Hussein.

Der Bericht basiert auf der Befragung von Dutzenden Rohingya-Flüchtlingen und Augenzeugen in Bangladesch Mitte September. Daraus schlussfolgern die UN-Experten, dass die Sicherheitskräfte die Männer, Frauen und Kinder der Minorität gezielt ängstigen und traumatisieren wollten, so dass sie sich nicht mehr in ihre Heimat im Rakhine-Staat zurücktrauten. Bewaffnete buddhistische Aktivisten hätten den Soldaten und Polizisten bei der brutalen Verfolgung der Rohingya geholfen, hieß es.

Rückkehr systematisch verhindern

"Vertrauenswürdige Informationen weisen darauf hin, dass die Sicherheitskräfte von Myanmar zielgerichtet das Eigentum der Rohingyas zerstört und ihre Unterkünfte sowie ganze Dörfer im nördlichen Staat Rakhine niedergebrannt haben", heißt es in dem Bericht. Den Menschen soll aus kürzester Entfernung in den Rücken geschossen worden sein. Augenzeugen berichteten laut UN auch von Vergewaltigungen kleiner Mädchen, oft vor den Augen ihrer Verwandten.

Die UN-Menschenrechtler gehen zudem davon aus, dass die Gewaltaktionen weitergehen und dass Minen an der Grenze gelegt wurden, um eine Rückkehr der Rohingyas zu verhindern.

Mehr als 500.000 Flüchtlinge

Seit August flüchteten nach UN-Angaben weit mehr als 500.000 Rohingya aus Myanmar nach Bangladesch. Die Vereinten Nationen sprechen von der am schnellsten eskalierenden Flüchtlingskrise weltweit. Die Rohingya werden im mehrheitlich buddhistischen Myanmar nicht als Minderheit anerkannt, haben keine Bürgerrechte und werden seit Jahrzehnten verfolgt.

UN-Generalsekretär António Guterres, der UN-Hochkommissar für Menschenrechte Al Hussein sowie der UN-Sicherheitsrat verlangen seit Wochen von den Streitkräften und der Regierung Myanmars unter der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ein Ende der Offensive gegen die Rohingya.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Oktober 2017 um 14:00 Uhr.

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