Rohingya werden von bangladeschischenSicherheitskräften überwacht. | Bildquelle: AFP

Minderheit in Myanmar Rohingya-Konflikt eskaliert erneut

Stand: 11.01.2017 12:58 Uhr

Die Minderheit der Rohingya wird seit Jahren in Myanmar diskriminiert. Doch seit Oktober eskaliert der Konflikt erneut, 65.000 Menschen sind auf der Flucht. Auch Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi steht in der Kritik. Nun beraten Myanmar und Bangladesch über eine Lösung.

Die südasiatischen Nachbarländer Myanmar und Bangladesch haben mit hochrangigen Beratungen zur Flüchtlingskrise rund um die muslimische Minderheit der Rohingya begonnen. Das erklärte das bangladeschische Außenministerium in der Hauptstadt Dhaka, wo die Beratungen stattfinden.

Seit Oktober 2016 flohen nach Angaben der Vereinten Nationen 65.000 Menschen aus der grenznahen Rakhine-Region in Myanmar ins muslimisch geprägte Bangladesch. Die Flüchtlinge gehören zur rund 1,1 Millionen Menschen zählenden Minderheit. In Rakhine gibt es bereits länger Spannungen zwischen der mehrheitlich buddhistischen Bevölkerung und den Rohingya.

Gewaltwelle seit Oktober

Anfang Oktober brach eine neue Gewaltwelle aus. Die Behörden sagen, Muslime hätten Grenzposten attackiert und neun Polizisten getötet. Das Militär greift seitdem hart durch, Staatsmedien zufolge sind bereits mehr als 80 Menschen bei den Unruhen umgekommen. Auch buddhistische Milizen sollen gegen die Minderheit vorgehen. Die Zusage der Regierung, die Vorfälle untersuchen zu lassen, erfolgte erst durch wachsenden internationalen Druck.

Für Zündstoff sorgt auch ein Video, das seit einigen Tagen kursiert. Ein Polizist soll gefilmt haben, wie Bewohner eines Dorfes auf einen Platz getrieben werden und wie Polizisten die Menschen schlagen und treten. 

Rohingya werden von Polizisten zusammengetrieben. | Bildquelle: AFP
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Screenshot aus dem Video, das ein Polizist gefilmt haben soll.

Zuflucht in Bangladesch?

Bangladesch werde sich in den Beratungen um eine dauerhafte Lösung des Rohingya-Konflikts bemühen, hieß es aus dem Ministerium. Diese könnte vorsehen, dass das muslimisch geprägte Bangladesch den Rohingya Zuflucht bietet. Denn das buddhistische Myanmar verwehrt den Rohingya bislang die Staatsbürgerschaft und damit essentielle Bürgerrechte, obwohl viele bereits seit Jahrzehnten dort leben.

Kritik an Aung San Suu Kyi

Aung San Suu Kyi | Bildquelle: AP
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Aung San Suu Kyi

Die UN bezeichnen sie als eine der am meisten verfolgten Minderheiten der Welt. Einige Staaten der Region, wie Malaysia, werfen der Militärregierung in Myanmar einen Völkermord vor. Auch Friedensnobelpreisträgerin und Außenministerin Aung San Suu Kyi steht seit Monaten in der Kritik. Als De-facto-Regierungschefin habe sie nichts unternommen, um die Gewalt zu beenden. Erst vor wenigen Tagen hatten mehrere andere Friedensnobelpreisträger sowie Aktivisten, Wissenschaftler und Politiker ein Eingreifen der Vereinten Nationen gegen die Verfolgung der muslimischen Minderheit gefordert.

Vor zwei Jahren waren Tausende Rohingyas auf Boote geflüchtet, um der Verfolgung in Myanmar zu entgehen. Sie trieben teilweise wochenlang auf dem Meer, weil kein Staat den Menschen Asyl oder Zuflucht gewähren wollte. Malaysia, Indonesien und Thailand trieben die Boote teilweise zurück aufs Meer, wenn sie an ihrer Küste angelandet waren.

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