Seitenueberschrift

Abschluss des Gipfel Rio+20

Wenig Konkretes über "die Zukunft, die wir wollen"

"Die Zukunft, die wir wollen" - so lautet der Titel der gemeinsamen Abschlusserklärung des UN -Gipfels für nachhaltige Entwicklung in Rio de Janeiro. Doch am Ende bleiben viele unverbindliche Absichtserklärungen wie die zum Schutz der Meere, die bei Umweltverbänden auf Kritik stoßen.

Von Jule Reimer, Deutschlandfunk, zzt. Rio de Janeiro

Protest bei UN-Gipfel in Rio
galerie

Die Hoffnungen vieler Umwelt-Aktivisten haben sich in Rio nicht erfüllt.

Es sei nicht alles entschieden worden, was sich die EU gewünscht hätte noch was für die Welt notwendig sei, sagte EU-Umweltkommissar Janez Potocnik. Dennoch ist er trotz der ruppigen Verhandlungsführung der Brasilianer zufrieden: "Green Economy wurde hier als wichtige Antriebskraft für nachhaltige Entwicklung anerkannt. Das war vor einem Jahr in meinen Gesprächen mit den anderen Staaten überhaupt keine Selbstverständlichkeit. Und wir haben die Richtung festgelegt, wie wir die globalen Nachhaltigkeitsziele definieren werden."  

Auf der Suche nach Verbündeten für die Umsetzung

Auf seiner Habenseite verbucht Potocnik das Bekenntnis zum Recht auf Trinkwasser und eine würdige Abwasserentsorgung, den Kampf gegen die Bodenerosion, die Aufforderung, börsennotierten Unternehmen umweltorientierte Berichtspflichten aufzuerlegen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit dem Bruttoinlandsprodukt als irreführendes Maß aller Dinge. Und die Aufwertung des UN-Umweltprogramms, bei dem künftig alle UN-Staaten Mitglied sein müssen sind. Jetzt gelte es, Verbündete für die wirkungsvolle Umsetzung zu finden.

Abschluss des UN-Gipfels Rio+20
tagesschau 20:00 Uhr, 23.06.2012

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Allianzen zu schmieden empfiehlt auch Christoph Bals, Geschäftsführer der entwicklungspolitischen Lobbyorganisation Germanwatch: "Wir brauchen jetzt eine Fokussierung auf einige Kernbereiche: Einmal ist das der Bereich Energie und Klima, zweitens ist das der Bereich Landwirtschaft und Ernährungssicherung und drittens ist das der Bereich Schutz der Ozeane und Verhinderung der Überfischung der Meere."

Unverbindliche Vereinbarungen zum Meeresschutz

Insbesondere die unverbindlichen Vereinbarungen zum Meeresschutz hatten die Nichtregierungsorganisationen kritisiert. Hauptverhinderer waren die USA. "Hier in Rio haben mehr Staaten als jemals zuvor in harter Arbeit deutlich gemacht, dass es dringend einer übernationalen Gesetzgebung bedarf. Und dass die Zahl der Länder, die handeln möchten, höher denn je ist. Aber es reicht in der UN nun mal ein Land aus, um mehr als 190 daran zu hindern, voranzugehen. Das ist die Realität im Multilateralismus", sagte der Direktor des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner.

Rio+20-Gipfel endet mit Minimalkonsens
J. Reimer. DLF zzt. Rio de Janeiro
23.06.2012 04:59 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

500 Milliarden Dollar für Nachhaltigkeits-Projekte

Nach Angaben der UN hat der Gipfel verbindliche Zusagen über 500 Milliarden US-Dollar für Initiativen nachhaltiger Entwicklung mobilisiert. Die Abschlusserklärung der Rio+20-Konferenz trägt in vielen Punkten die Handschrift von Staaten, die wie Brasilien eher die Armutsbekämpfung als den Umweltschutz in den Vordergrund stellen.

Gro Harlem Brundtland, ehemalige Ministerpräsidentin Norwegens, zeigte sich enttäuscht. 1987 war unter ihrer Leitung der erste Weltumweltbericht zustande gekommen, der die Vorlage für den Erdgipfel 1992 geliefert hatte. Bei aller Bedeutung der Armutsbekämpfung sei zu bedenken: "Unsere Vision muss sein: Armut zu bekämpfen, die Gleichberech­tigung zu fördern, Wachstum allen zugute kommen zu lassen, nachhaltigen Konsum und nachhaltige Produktion zu fördern,  den Klimawandeln zu bekämpfen, und die Grenzen des Planeten zu respektieren. Aber diese letzte entscheidende Erkenntnis hat aus irgendeinem Grund keinen Eingang in die Abschlusserklärung gefunden", beklagte sie.

Stand: 23.06.2012 04:05 Uhr

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

11 Kommentare zur Meldung. Kommentierung der Meldung beendet.

Schlagwörter der Meldung:
Darstellung: