Alan Rickman

Zum Tod von Alan Rickman "Selbst wenn er böse war, liebte ihn das Publikum"

Stand: 14.01.2016 18:14 Uhr

Das junge Publikum kannte Alan Rickman als Professor Snape in den Harry-Potter-Filmen. Der Schauspieler und Regisseur war in Großbritannien aber schon vorher eine Legende. Jetzt ist Rickman im Alter von 69 Jahren an Krebs gestorben.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio London

Eine von Rickmans Filmszenen, an die sich auch in Deutschland viele erinnern werden, wenn sie immer mal wieder den Weihnachtsklassiker "Tatsächlich Liebe" gucken, ist ein Verkaufsgespräch zwischen Alan Rickman und Rowan Atkinson: Atkinson spielt einen überkandidelten Schmuckverkäufer, der für Rickman die ausgewählte Kette besonders aufwendig weihnachtlich verpacken möchte. Doch Rickman, der das Geschenk für seine Sekretärin hinter dem Rücken seiner Frau kauft, hat keine Zeit für solchen Zinnober und will eigentlich nur schnell bezahlen:

"Hier noch eine Zimtstange…", spricht Atkinson. "Ich kann wirklich nicht warten!", schnauzt Rickman im Anschluss. "Wollen Sie es noch in Joghurt tauchen und mit Schokolade überziehen?"

Ausgezeichnet und wandlungsfähig

Wie wandlungsfähig er war, bewies Rickman in so unterschiedlichen Werken wie dem Historiendrama "Sinn und Sinnlichkeit", der Fantasysatire "Dogma" an der Seite von Ben Afflek und Matt Damon oder in finsteren Filmen wie "Sweeney Todd" oder "Das Parfüm." Begonnen hatte Rickmans Filmkarriere eigentlich als Bösewicht. Sein Durchbruch gelang ihm 1988 mit der Rolle als deutscher Terrorist Hans Gruber in "Stirb Langsam" mit Bruce Willis.

Als Sherrif von Nottingham bot er Robin Hood Paroli und wurde dafür mit dem britischen Filmpreis "BAFTA" ausgezeichnet. Mit einem Golden Globe wurde er für seine Leistung in der TV-Miniserie «Rasputin» geehrt, in der er die düstere Hauptfigur spielte.

Ein großes Talent mit boshaftem Charme

Jüngeren Filmfans wird Rickman vor allem als Professor Snape unvergesslich bleiben. In der Harry-Potter-Verfilmung spielte Rickman zwischen 2001 und 2011 den strengen und dubiosen Magier, der Zauberschüler Harry Potter das Leben schwer macht und allen Strafe androht, die Potter helfen.

Schauspielerkollege Stephen Fry nannte Rickman bei Twitter ein großes Talent mit boshaftem Charme und überwältigender Präsenz auf der Bühne und Leinwand. "Was für eine unglaublich traurige Nachricht über Alan Rickman. Ein Mann mit viel Talent und einem spitzbübischen Charme und überwältigende Bildschirm- und Bühnenpräsenz. Er wird schmerzlich vermisst werden."

Stephen Fry @stephenfry
What desperately sad news about Alan Rickman. A man of such talent, wicked charm & stunning screen & stage presence. He'll be sorely missed

Auch Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling drückte ebenfalls ihr Beileid bei Twitter aus: "Mir fehlen die Worte, um auszudrücken wie sehr mich die Nachricht vom Tod Alan Ricksmans geschockt und mitgenommen hat. Er war ein herausragender Schauspieler und ein wundervoller Mann".

J.K. Rowling @jk_rowling
There are no words to express how shocked and devastated I am to hear of Alan Rickman's death. He was a magnificent actor & a wonderful man.

Scharfsinnig und immer witzig

Auch Jason Solomon, Filmkritiker der BBC meint, Rickman hätte immer ganz besonders feinsinnige Bösewichter gespielt: "Er war nicht so böse, wie Ralph Fiennes als Voldemort, falls ich diesen Namen hier nennen darf. Er war in seiner Boshaftigkeit immer witzig, scharfsinnig und höhnisch. Selbst wenn er böse war, liebte ihn das Publikum. Und was er als gelernter Bühnenschauspieler besonders gut konnte, war, einem der Hauptdarsteller im Film eine winzige Szene abluchsen, so dass er darin seine ganze Präsenz ausspielte."

Rickman führte im Theater und bei Filmen auch Regie. 2014 drehte er als Regisseur und Hauptdarsteller mit "Die Gärtnerin von Versailles" seinen letzten Spielfilm - mit Kate Winslet. Aus seinem Privatleben ließ Rickman selten etwas an die Öffentlichkeit dringen. Er war seit vielen Jahren mit der Politikerin und Professorin Rima Horton liiert.

Nachruf auf Alan Rickman
G. Biesinger, ARD London
14.01.2016 17:04 Uhr

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