Prozession für König Richard III. Vom Parkplatz in die Kathedrale

Stand: 23.03.2015 15:38 Uhr

Von Shakespeare kennt man ihn als buckligen Fiesling - doch der englische König Richard III. hat auch 530 Jahre nach seinem Tod glühende Anhänger. Seine sterblichen Überreste lagerten bis vor kurzem unter einem Parkplatz - und künftig in der Kathedrale von Leicester.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Hörfunkstudio London

Die Ritter ließen das Blech kräftig scheppern, als sie noch einmal in ihren Rüstungen auf das Schlachtfeld von Bosworth marschierten. Soldaten in Paradeuniform zogen den Holzkarren mit dem Sarg von Richard III. auf das Schlachtfeld, auf dem er vor 530 Jahren gefallen war - geehrt wurde er dort nun mit einem kurzen Feldgottesdienst.

Eine Schlange von Menschen, die den Sarg mit den sterblichen Überresten Richards III. sehen wollen. | Bildquelle: AFP
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Schlange stehen in Leicester, um den Sarg mit den sterblichen Überresten des Soldatenkönigs zu sehen.

Die Prozession hatte an der Universität von Leicester begonnen, dort, wo Richards Gebeine aufbewahrt wurden, nachdem sie vor zweieinhalb Jahren unter einem Parkplatz in der Stadt gefunden worden waren. Phil Stone, Präsident der Richard III. Gesellschaft, hatte Jahre lang dafür gearbeitet, den verschollenen Leichnam zu finden. Während des Feldgottesdienstes auf historischem Boden würdigte er nun den letzten Herrscher aus dem Geschlecht der Plantagenets. Nur zwei Jahre hatte der auf dem Thron gesessen und war im Alter von 32 Jahren im Kampf gegen die Tudors gefallen.

Zu einem Monster gemacht

Die Errungenschaften der kurzen Herrschaft Richards III., sagte Stone, seien überschattet worden von historischen Mythen und von Shakespeare, der aus ihm ein Monster gemacht habe. Einige seiner Reformen des Rechtssystems seien jedoch noch heute gültig: "Er entwickelte unter anderem eine frühe Form der Rechtshilfe für diejenigen, die sich keinen Anwalt leisten konnten", so Stone.

Der Sarg mit den sterblichen Überresten Richards III. | Bildquelle: dpa
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Ehrenwachen für Richard III.

Richards Bruder und seine Neffen, die noch Kinder waren, kamen allerdings nicht in den Genuss dieser Rechtshilfe. Richard ließ sie, wie auch zahlreiche andere Widersacher, ohne Prozess ermorden, um sich den Thron zu sichern. Das ist Richard III., wie ihn Theaterbesucher und Filmfans aus William Shakespeares berühmtem Historien-Drama kennen: ein buckliger Fiesling und brutaler Schlächter. Shakespeare schrieb den Text allerdings erst 100 Jahre nach Richards Tod. Da regierten in England schon die Tudors, die ein Interesse daran hatten, den Plantagenet, den sie aus dem Weg geräumt hatten, in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen.

Nicht um ein Pferd gebettelt

"Ein Pferd, mein Königreich für ein Pferd" heißen die berühmtesten Worte in Shakespeares Theaterstück. Für Stone sind sie eine Fälschung: "Ganz anders als um ein Pferd zu betteln, hat Richard bis zum Schluss tapfer gekämpft." Er sei Opfer von Verrätern geworden. Stones Plädoyer: "Lassen Sie uns an Richard III. als König erinnern, der sich um seine Untertanen gesorgt hat. Lassen Sie uns erinnern an den guten König Richard III., den Soldatenkönig."

Die Kathedrale von Leicester | Bildquelle: AFP
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Der König soll in der Gruft der Kathedrale von Leicester beigesetzt werden.

Der Bürgermeister von Leicester, Peter Soulsby, traf die Prozession an der historischen Bow-Bridge, über die Richard einst aus der Stadt hinaus in seine letzte Schlacht geritten war. Jetzt kehrte dieser zurück, und der Bürgermeister ist glücklich, dass er nun mit dem Grab Richards III. eine weitere Touristenattraktion bekommt.

Pubs, die seinen Namen tragen

"Wir sind hier schon immer stolz auf ihn gewesen", so Soulsby. Es gebe hier eine Straße, die nach ihm benannt ist und Pubs, die seinen Namen tragen, auch Schulen: "Wir haben immer gewusst, wie wichtig er für unsere Geschichte war. Aber jetzt können wir das auch endlich mit der ganzen Nation und der ganzen Welt feiern."

Richards Sarg wurde in die Kathedrale von Leicester getragen, wo er aufgebahrt liegt, bis seine Gebeine dort am Donnerstag in einer Gruft verschwinden werden. Beim festlichen Gedenkgottesdienst zeigte sich Kardinal Vincent Nichols glücklich, dass das blutige Mittelalter in England längst vorbei sei und Konflikte hierzulande jetzt meist friedlich beigelegt würden.

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