Protest gegen Trump in Maine | Bildquelle: REUTERS

Widerstand aus den eigenen Reihen Republikaner wollen Trump verhindern

Stand: 04.03.2016 08:57 Uhr

Nach seinem Siegeszug am "Super Tuesday" dämmert den Republikanern, dass es Donald Trump tatsächlich zum Präsidentschaftskandidaten schaffen könnte. Deshalb formiert sich nun Widerstand - angeführt von einem Mann, der 2012 dort war, wo Trump nun hin will.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Obwohl Mitt Romney vor vier Jahren deutlich gegen Barack Obama verlor, ist er immer noch eine der einflussreichsten Stimmen im Establishment der Republikaner. Seine Rede an der Universität von Utah war eine vernichtende Generalabrechnung mit dem ambitionierten Milliardär: "Donald Trump ist ein Schwindler und Betrüger. Seine Versprechen sind so wertlos wie ein Abschluss an der Trump-Universität."

Mitt Romney bei seiner Rede in Utah | Bildquelle: AFP
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Vor vier Jahren war er dort, wo Trump hin will. Nun versucht Mitt Romney zu verhindern, dass Trump ihm als Präsidentschaftskandidat der Republikaner nachfolgt.

Trump habe weder das Temperament noch das Urteilsvermögen eines stabilen und umsichtigen Staatsmannes, kritisierte Romney. Er missbrauche die Ängste der Bürger und mache Muslime und Einwanderer aus Mexiko zu Sündenböcken. Er befürworte Folter und wolle die Freiheit der Presse einschränken. Auch sei er charakterlich ungeeignet für das Präsidentenamt: "Seine Schikanen, seine Gier, seine Angeberei. Stellen Sie sich vor, Ihre Kinder und Enkel würden sich so verhalten. Fänden Sie das gut?", fragte Romney in seiner Rede.

Von wegen Unternehmer-Genie

Mit seiner protektionistischen Wirtschaftspolitik werde Trump Amerika in Handelskriege verwickeln und in eine Rezession stürzen, warnte Romney weiter. Seine Außenpolitik werde Amerika und die Welt unsicherer machen. "Trump sagt, er bewundere Wladimir Putin. Gleichzeitig hat er George W. Bush einen Lügner genannt. Ein perverses Beispiel dafür, dass das Böse das Gute übertrumpft." Anders als von Trump immer wieder behauptet, sei dieser kein Unternehmer-Genie, sagte Romney und listete all seine gescheiterten Geschäftsprojekte auf, von der Trump-Universität über Trump-Airline bis zum Trump-Steak.

Romney prophezeite, dass der Milliardär seine Steuererklärung bewusst nicht veröffentlichen werde: "Ich sage voraus, dass sich in seinen Steuererklärungen viel Zündstoff verbirgt. Und obwohl er es versprochen hat, wird er sie niemals veröffentlichen. Er hat zu viel zu verbergen." Aus all diesen Gründen müsse Trump als Präsidentschaftskandidat verhindert werden. Ansonsten würde Hillary Clinton Nachfolgerin von Obama im Weißen Haus.

Rivalen wollen Trump unterstützen - notfalls

In der jüngsten TV-Debatte der Republikaner haben alle verbliebenen Rivalen von Donald Trump dem Milliardär Unterstützung zugesagt, sollte dieser zum Präsidentschaftskandidaten nominiert werden.

Er fühle sich seiner Partei verpflichtet, sagte Marco Rubio. Deshalb werde der Senator von Florida jeden republikanischen Nominierten unterstützen. Der erzkonservative Texaner Ted Cruz meinte, er bevorzuge Trump vor den beiden demokratischen Bewerbern Hillary Clinton und Bernie Sanders, den er als einen "Sozialisten" bezeichnete. Ohios Gouverneur John Kasich sagte, Trump mache es ihm "manchmal ein bisschen schwer." Er würde dem 69-jährigen aber seine Stimme geben.

Auch Trump musste auf die Frage antworten, ob er einen anderen Kandidaten unterstützen würde. Nach kurzem Zögern sagte er, er würde sich hinter jeden republikanischen Nominierten stellen.

Trumps Antwort folgt prompt

Die Reaktion des Gescholtenen ließ nicht lange auf sich warten: Romney sei ein "gescheiterter Kandidat", sagte Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung in Maine. Er habe "kläglich versagt". Romney sei als Geschäftsmann nicht so erfolgreich wie er und er habe einfach nicht das Zeug zum Präsidenten.

Doch nicht nur Romney fuhr heftige Angriffe gegen Trump, auch sein Vorgänger als Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Senator John McCain, wetterte gegen den derzeit aussichtsreichsten Republikaner im Kampf um das Oval Office. Er teile Romneys Befürchtungen, sagte McCain. Außerdem veröffentlichten 70 Außenpolitiker der Republikaner einen gemeinsamen Brandbrief gegen Trump im Internet.

Kampfkandidatur gegen Trump?

In den US-Medien waren die heftigen Attacken des Partei-Establishment gegen Trump das Top-Thema. Sie werden als Last-Minute-Versuch gewertet, Trumps Siegesserie doch noch zu stoppen. Auch über eine offene Kampfkandidatur gegen Trump auf der Parteiversammlung der Republikaner Mitte Juli wird bereits diskutiert.

Romney attackiert Trump
M. Ganslmeier, ARD Washington
04.03.2016 01:50 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 03. März 2016 um 23:42 Uhr im Deutschlandfunk.

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