Die chinesisch-nordkoreanische Grenzstadt Dandong | Bildquelle: AFP

China und Nordkorea Gute Geschäfte - trotz Sanktionen

Stand: 01.10.2017 16:07 Uhr

Wegen des Atomprogramms schränkt China ab heute den Export von Ölerzeugnissen nach Nordkorea ein. Doch die Umsetzung solcher Sanktionen ist schwierig - vor allem in der Grenzstadt Dandong blüht der Schmuggel.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking, zzt. Dandong.

Jeden Morgen geht Jiang Chong Yi im Yalu-Fluss schwimmen. Der Yalu ist der Grenzfluss zwischen China und Nordkorea. Jiang duscht an den Ufertreppen der chinesischen Stadt Dandong und schwimmt dann die rund 300 Meter bis nach Nordkorea und wieder zurück.

"Wir schwimmen bis zum Ufer, aber wir verlassen das Wasser nicht. Solange Du an der nordkoreanischen Seite im Wasser stehst, ist es okay. Wir sind hier aufgewachsen. Seitdem ich acht oder neun Jahre alt bin, schwimme ich durch den Fluss. Damals immer nach der Schule."

Mehr als 60 Schwimmer duschen, schwimmen hin und wieder zurück und trinken dann Tee auf den Treppen am chinesischen Ufer.

Schwimmer auf den Treppen am chinesischen Ufer | Bildquelle: Axel Dorloff
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Jeden Morgen geht Jiang Chong Yi im Yalu-Fluss schwimmen.

Anfang September hat Nordkorea einen weiteren Atomtest durchgeführt. Für die Menschen hier in Dandong, wie den 54-jährigen Jiang, nichts Neues. Die Meldungen von Atom- und Raketentests haben eine traurige Regelmäßigkeit. "Natürlich fühlen wir uns bedroht", sagt er. "Das ist so nah dran. Dieser Fluss ist mit dem atomaren Testgelände in Nordkorea verbunden. Beim Atomtest vor einigen Wochen haben erst alle 'Erdbeben, Erdbeben' gerufen. Die Sirenen gingen an, alle hatten Angst. Nach zehn Minuten haben die Behörden dann bekannt gegeben, dass es ein Atomtest war."

Kein Kontakt erlaubt

Flussabwärts liegt die chinesisch-koreanische Freundschaftsbrücke. Sie verbindet Dandong und die nordkoreanische Stadt Sinuiju per Schiene und Straße. Eine Lebensader für das Regime in Nordkorea. Lastwagen fahren hier mit Waren und Rohstoffen den ganzen Tag über die Grenze.

Freundschaftsbrücke nach Nordkorea | Bildquelle: Alex Dorloff
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Die Freundschaftsbrücke verbindet Dandong und die nordkoreanische Stadt Sinuiju per Schiene und Straße.

Mit dem Boot kann man auf dem Yalu-Fluss bis auf wenige Meter an das nordkoreanische Festland heranfahren. Ein Mann aus Dandong, der anonym bleiben möchte, zeigt auf die barackenähnlichen Hafengebäude in Nordkorea. Immer wieder postieren sich Soldaten auf der Hafenmauer. "Die Vorschriften an der Grenze verbieten es uns, mit den Nordkoreanern Kontakt zu haben - keine Gespräche. Die Vorschriften sind streng. Das äußerste, was wir machen dürfen, ist, sie zu grüßen."

Lebensader für Nordkorea: Chinas Grenzstadt Dandong
Axel Dorloff, ARD Peking
29.09.2017 12:51 Uhr

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Dandong wichtigster Handelsposten

China ist mit Abstand der größte Handelspartner und Energielieferant Nordkoreas. Bis zu 90 Prozent allen nordkoreanischen Handels läuft über China. Mehr als die Hälfte davon wird über Dandong abgewickelt. Im Hafen fährt man direkt an nordkoreanischen Frachtbooten vorbei.

"Das hier ist der Frachthafen von Sinuiju. Hier gibt es Fabriken, die direkt am Ufer liegen. Da drüben sieht man einige Arbeiter. Und dort hinten sind die großen Lagerhallen des Hafens, in denen die ganzen Güter gelagert werden. Von hier aus werden sie nach Sinuiju und in andere Städte Nordkoreas transportiert."

"Die Regierung will es so, aber es bringt nichts"

Zweieinhalb Millionen Menschen wohnen in der chinesischen Grenzstadt Dandong. Vieles ist hier auf den Handel mit Nordkorea abgestimmt: Die kleinen Läden in der Innenstadt haben ihre Schilder meist in chinesischer und koreanischer Schrift. Auf dem Fischmarkt am Stadtrand von Dandong sortieren die Händler ihre Ware: Muscheln, Krabben, Krebse und Fische. Einige Tiere schwimmen in den Aquarien ihrem Ende entgegen. Die Muscheln werden in weiße Kisten aus Styropor verpackt und mit dickem Klebeband zugeschnürt.

Auf dem Fischmarkt am Stadtrand von Dandong sortieren die Händler ihre Ware: Muscheln, Krabben, Krebse und Fische. | Bildquelle: Axel Dorloff
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Auf dem Fischmarkt am Stadtrand von Dandong sortieren die Händler ihre Ware: Muscheln, Krabben, Krebse und Fische.

UN-Resolution | Bildquelle: Axel Dorloff
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Die UN-Resolution 2371 besagt: kein Import von Meeresfrüchten aus Nordkorea.

Direkt neben dem Laden von Fischhändler Liu Jian hängt ein weißer Zettel, auf dem auf die UN-Resolution 2371 hingewiesen wird. Die besagt: kein Import von Meeresfrüchten aus Nordkorea. Fischhändler Liu verdreht die Augen. "Der hängt schon länger hier. Die Regierung will es so, aber es bringt nichts. Das ist doch eine Idee der Amerikaner, nicht von uns. Die Grenze zwischen Nordkorea und China ist lang, sie lässt sich nicht so einfach kontrollieren. Die USA wollen zwar wirtschaftliche Sanktionen, aber sie können die Situation nicht kontrollieren."

Schmuggel floriert

Während China angibt, die Sanktionen erfolgreich umzusetzen, behaupten die Vereinten Nationen genau das Gegenteil. Die Sanktionen würden nicht konsequent umgesetzt, der Schmuggel an der chinesisch-nordkoreanischen Grenze habe zugenommen. Die Muscheln, die ein Arbeiter am Hafen mit der Schippe in große Eimer sortiert und dann in den Kühlraum bringt, kommen aus nordkoreanischen Gewässern. Liu zuckt mit den Schultern.

"Die Nordkoreaner brauchen das Geld, um zu essen. Und wir müssen unsere Wirtschaft entwickeln. Jeder hat sein eigenes Interesse. Manche Schiffe dürfen ihre Fang-Ladungen erst nicht abladen. Aber es gibt Korruption. Wenn Du Ihnen Geld bezahlst, lassen sie Dich Deinen Fang von Fischen und Meeresfrüchten abladen."

Gute Geschäfte mit Nordkorea

Chinas Handel mit Nordkorea schafft sich seinen Weg, trotz Sanktionen und schärferer Kontrollen. Laut den Zahlen der chinesischen Zollbehörde ist zwischen China und Nordkorea im August das größte monatliche Handelsvolumen seit Dezember 2016 umgesetzt worden. Güter im Wert von rund 600 Millionen Dollar sind danach im- oder exportiert worden. Wenn abends die Lichter von Dandong angehen und die Uferstraße der Millionenstadt hell beleuchten, dann wurden wieder einmal - und werden auch immer noch - gute Geschäfte mit Nordkorea gemacht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Oktober 2017 um 12:27 Uhr.

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