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Renzo Piano wird 75 Jahre alt

Ein Architekt, der kein Star sein will

Das Centre Pompidou in Paris brachte vor 35 Jahren den Durchbruch für Renzo Piano. Seitdem hat der Italiener alles vom Hafen bis zur Kirche gebaut. Sein neuestes Werk ist das Hochhaus "The Shard" in London. Als Star will sich der Spross einer Bauunternehmerfamilie dennoch nicht sehen.

Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom

"Ich fühle mich zutiefst als Italiener. Ich weiß nicht, ob ich 'Made in Italy' bin, doch sicherlich bin ich 'Born in Italy' und ich bin hier aufgewachsen. Allerdings auch mit dieser Lust etwas zu entdecken und in die Weite zu ziehen", sagt Renzo Piano über sich selbst. Und auch diese Lust hat ihn zu einem der bekanntesten Architekten der Gegenwart gemacht.

Renzo Piano mit dem Londoner Bürgermeister Boris Johnson
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Renzo Piano mit dem Londoner Bürgermeister Boris Johnson auf dem Hochhaus "The Shard", das er entworfen hat.

Geboren wurde Piano in Genua, dann folgte das Studium in Florenz und Mailand. Im Laufe seiner Karriere hatte er Büros in London, Paris, Houston, New York und Osaka.

Stararchitekt Renzo Piano wird 75
S. Troendle, ARD Rom
14.09.2012 01:10 Uhr

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Spross einer Bauunternehmerfamilie

Seit der Fertigstellung seines berühmtesten Werks, des futuristischen Centre Pompidou in Paris vor 35 Jahren, gilt der Italiener als einer der ganz großen Stars der Architektur-Szene, auch wenn er selbst diesen Begriff hasst: "Das Bild vom Stararchitekten tut der Architektur nicht gut - denn da wird nicht die Architektur sondern der Architekt gepriesen. Und gucken Sie mich nicht so an: Ich bin kein Star! Ich bin absolut kein Star. Nicht aus meiner Geschichte heraus, denn ich komme aus einer Bauunternehmerfamilie, ich bin nicht irgendwie zur Architektur gekommen." Zudem gehöre ein "Starleben" auch nicht zu seinen Gewohnheiten, er verbringe seine Tage mit Arbeit. "Und wenn ich es mir erlauben darf: Ich bin auch kein Star, weil ich das nicht brauche", betont Piano.

Das Centre Pompidou in Paris (Archivbild 2006)
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Pianos Durchbruch war das Centre Pompidou in Paris (Archivbild 2006)

Kirche Padre Piu Beato in Pietrelcina, dem Geburtsort des Geistlichen
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Kirche Padre Piu Beato in Pietrelcina, dem Geburtsort des Geistlichen

Vater des Londoner "Salzstreuers"

Weltbekannt ist er trotzdem, genau wie seine Werke: Die Bebauung am Potsdamer Platz in Berlin, das Mercedes-Design-Center in Stuttgart, das Paul-Klee-Zentrum in Bern und die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. Aber auch der Hafen von Genua, das Auditorium in Rom und die nach dem Petersdom zweitgrößte Kirche Europas in San Giovanni Rotondo, die über dem Grab des heiligen Pater Pio errichtet wurde.

Aber Pianos Tätigkeit beschränkt sich nicht auf Bauwerke. Unter anderem hat er auch Brücken, Bühnenbilder und sogar zwei Kreuzfahrtschiffe entworfen. Sein neuses Werk ist "The Shard" in London, der höchste Wolkenkratzer Europas. Über das Gebäudes, das den Spitznamen "Salzstreuer" trägt, sagt er, dass Hochhäuser per se nicht schlecht seien - sie müssten eben nur am richtigen Platz stehen.

The Shard in London
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Europas höchster Wolkenkratzer und einer von Pianos neuen Entwürfen: "The Shard" an der Themse

Angst vor einem goldenen Käfig

Renzo Piano hat häufig versucht, seine Entwürfe in die Landschaft zu integrieren. So etwas wie einen typischen Piano-Stil gibt es eher nicht, denn die persönliche Note, sagt er selbst, hat eine gute und eine schlechte Seite: Sie legt einen nämlich fest. "Wenn persönlicher Stil ein goldener Käfig ist, der bedeutet, dass man auf Biegen und Brechen erkannt werden möchte, wenn er das Markenzeichen ist, dann ist er absolut nichts Gutes." Dann sei dieser Stil schlichtweg oberflächlich und damit die Verneinung der Freiheit, statt Identifikation und Identität. Piano ist überzeugt: "Eine kreative Arbeit braucht vor allen Dingen Freiheit. Der persönliche Stil kann zu einem goldenen Käfig werden, der dich daran hindert, etwas Neues, etwas Interessantes, etwas Bedeutendes zu schaffen."

Ein Hoffnungsschimmer für Griechenland

Vor 14 Jahren erhielt Renzo Piano den renommierten Pritzker-Preis für Architektur. Momentan hat er gerade im Auftrag der Niarchos-Stiftung ein modernes Kultur- und Bildungszentrum für Athen entworfen, das ein Hoffnungszeichen für das krisengeschwächte Griechenland sein soll. Rund ein Dutzend weitere seiner Projekte sind derzeit im Bau. Aufhören will Piano übrigens noch lange nicht. Ein Architekt, sagt er, ist erst einmal Konstrukteur: "Und das missfällt mir überhaupt nicht. Schließlich liegen dort auch meine Wurzeln. Ich komme aus einer Familie von Bauunternehmern. Mein Vater war sogar etwas enttäuscht, als ich ihm sagte, dass ich Architekt werden wollte. Er sagte: Wie? Du kannst Baumeister werden und begnügst dich damit Architekt zu werden?"

Die Verbindung zum Bauen, zum Erschaffen von Neuem, bleibt auf jeden Fall in der Familie. Nach Renzo Piano hat sich auch seine Tochter entschieden, die Familientradition fortzusetzen, ebenfalls als Architektin.

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"The Shard" - Europas höchstes Gebäude eingeweiht

Sicht über die Themse auf den Wolkenkratzer the Shard. Im Vordergrund: die Tower-Bridge.

London hat ein neues Wahrzeichen. "The Shard", das höchste Gebäude Europas. Mit seiner Form und der zerklüfteten Spitze ist der Wolkenkratzer einer Scherbe nachempfunden. (Foto: dpa)

Stand: 14.09.2012 09:31 Uhr

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