Rentner sitzen vor einem geschlossenen Geschäft in Athen | Bildquelle: REUTERS

Hintergrund Knackpunkt griechisches Rentensystem

Stand: 18.06.2015 08:56 Uhr

Das Rentensystem ist ein Streitpunkt bei den Verhandlungen mit Griechenland. Athen wirft den Geldgebern vor, die Renten in Griechenland kürzen zu wollen - Brüssel weist das zurück. Wie sieht das umstrittene System aus und was wird von den Griechen gefordert? Ein Überblick.

Die Durchschnittsrente in Griechenland beträgt nach Angaben des Sozialministeriums 664,69 Euro. 89,4 Prozent der Rentner sind über 61 Jahre alt. 44,8 Prozent der Rentner erhalten Renten, die unter der Armutsgrenze liegen. Seit 2009 haben die Rentner in Griechenland nach tiefen Einschnitten mehr als 30 Prozent ihrer Renten verloren.

Griechische Rentner protestieren vor dem Gesundheitsministerium | Bildquelle: dpa
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Sie sind krankenversichert, erhalten aber trotzdem keine Medikamente: Griechische Rentner protestieren vor dem Gesundheitsministerium.

Die Rentenkassen, es gibt insgesamt 13 verschiedene, sind in einem erbärmlichen Zustand. Nach dem Schuldenschnitt im privaten Bereich haben sie Schätzungen zufolge 13 Milliarden Euro ihrer Geldeinlagen verloren, weil sie griechische Staatsanleihen gekauft hatten. Das System droht zusammenzubrechen. Auf einen Rentner sollen derzeit nur zwei Arbeitende kommen, bei einigen Kassen soll dieses Verhältnis bereits bei 1:1 liegen. Da die Löhne dramatisch gefallen sind und die Schwarzarbeit enorm zugenommen hat, sind die Einnahmen der Rentenkassen eingebrochen.

Athen verspricht Reformen, aber stufenweise

Griechenland will das System stufenweise reformieren. Wer sich nach 1993 versichert hat, wird erst mit 67 Jahren in Rente gehen können. Allgemein gilt bereits heute, dass nur diejenigen einen Rentenanspruch haben, die 62 Jahre alt sind, mindestens 40 Jahre lang gearbeitet haben und Beiträge gezahlt haben. Aber auch das gilt noch heute: Mütter, die vom Staat beschäftigt werden, 50 Jahre alt sind und ein noch nicht volljähriges Kind haben, können nach 25 Jahren in die Rente gehen. 

Was sagt die EU-Kommission?

Die EU-Kommission als eines des Mitglieder der Geldgebergruppe wehrt sich gegen den in Athen verbreiteten Eindruck, es solle weitere Rentenkürzungen geben. Es sei eine Fehldarstellung zu sagen, die Geldgeber wollten die individuellen Renten kürzen. Aber: Das griechische Rentensystem sei eines der teuersten in Europa und müsse reformiert werden. Die Geldgeber stellen sich ein Auslaufen von Frühverrentungen und eine Anhebung des Rentenalters vor. - Die Einsparungen sollen etwa ein Prozent der griechischen Wirtschaftsleistung pro Jahr bringen. Griechenland bot 71 Millionen Euro für 2016 an, was einer Einsparung von nur 0,04 Prozent entspricht.

Quelle: dpa

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