Fussgängerzone in Dortmund

Nach dem Koalitionsgipfel Die wichtigsten Fakten zur Renteneinigung

Stand: 25.11.2016 10:46 Uhr

Großer Wurf oder schlechteste Lösung - bei der Renteneinigung der Großen Koalition gehen die Meinungen auseinander. Doch was bedeutet das alles für Rentner und Beitragszahler? Hier Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Alex Krämer, ARD Berlin

Die ganz großen Zukunftsfragen der Rente sind noch nicht gelöst, das wäre auch ein bisschen viel verlangt gewesen vom Koalitionsgipfel im Kanzleramt. Aber Ergebnisse gab es schon: Jetzt steht fest, wann die Renten in Ost-und Westdeutschland angeglichen sein sollen, es gibt Verbesserungen bei der sogenannten Erwerbsminderungsrente, und mehr Arbeitnehmer sollen eine Betriebsrente erhalten. Hier die Details:

Ost-West-Angleichung - wann kommt sie - und was heißt das?

Im Jahr 2025 sollen die Renten in Ost- und Westdeutschland gleich berechnet werden - noch gibt es Unterschiede, aufgrund derer die Ost-Renten etwas geringer ausfallen. Im Koalitionsvertrag war die Angleichung eigentlich schon für 2020 vorgesehen. Während diese Verschiebung die jetzigen Ost-Rentner vielleicht ärgert, können sich die Beitragszahler im Osten freuen: Sie haben nämlich Vorteile durch die zweigeteilte Berechnung. Der Euro, den Herr Müller in Leipzig in die Rentenkasse einzahlt, führt zu mehr Rentenansprüchen als der Euro, den Herr Meier in Bremen vom Bruttolohn abgezogen bekommt. Dieser Ost-Bonus bleibt jetzt fünf Jahre länger erhalten.

Was ändert sich für die, die krank werden und nicht bis zum Rentenalter arbeiten?

Sie kriegen künftig mehr raus: Bei der Berechnung ihrer Erwerbsminderungsrente wird fiktiv angenommen, sie hätten bis 65 gearbeitet. Bisher rechnet die Rentenkasse in diesen Fällen mit dem Renteneintrittsalter 62. Das kostet etwa drei Milliarden Euro jährlich - hilft aber einer Gruppe, die im Alter häufig mit sehr kleinen Renten auskommen muss und von Armut bedroht ist. Das gilt für Rentner im allgemeinen nicht - das Armutsrisiko von Kindern oder Alleinerziehenden ist um ein Vielfaches höher.

Zwei Hände mit einer Geldbörse | Bildquelle: dpa
galerie

Rentner mit Erwerbsminderungsrente sollen künftig mehr bekommen.

Wie will die Große Koalition hinkriegen, dass mehr Betriebsrenten gezahlt werden?

Indem sie deren Einführung für kleinere Betriebe attraktiver macht. Denn wer bei großen Läden wie VW, Siemens oder Daimler arbeitet, bekommt fast immer eine Betriebsrente, in Firmen mit zehn 20 oder 30 Mitarbeitern ist diese zusätzliche Altersvorsorge dagegen eine Seltenheit. Zu kompliziert, zu teuer, zu viele Risiken - das sind die Gründe, die Kleinbetriebe abschrecken. Neue Regeln und eine steuerliche Förderung sollen das ändern.

Welche Fragen sind noch offen?

Im Wesentlichen zwei - eine kleinere und eine richtig große. Die kleinere nennt sich Lebensleistungsrente, ein SPD-Projekt aus dem Koalitionsvertrag. Die SPD will Zuschläge für Geringverdiener, die lange eingezahlt haben, aber nur eine sehr niedrige Rente erwarten können. Die Union sieht das kritisch, eine Einigung dazu gab es beim Spitzentreffen nicht.

Die viel größere offene Frage aber lautet: Wie geht es nach 2030 weiter mit der Rente - Stichwort: Rentenniveau? Komplizierter Begriff, klingt ähnlich wie Rentenhöhe, bedeutet aber etwas ganz anderes. Wenn das Rentenniveau sinkt,  sinkt nicht die Rente -  die 1000-Euro-Rentnerin kriegt weiter 1000 Euro raus, nicht plötzlich nur noch 950 Euro. Es handelt sich dabei um eine Rechengröße: Die Rente eines Durchschnittsrentners, ins Verhältnis gesetzt zum Durchschnittseinkommen aller Erwerbstätigen. Im Moment liegt das Rentenniveau bei rund 48 Prozent, bis 2030 darf es nicht unter 43 Prozent sinken.

Um das Risiko von Altersarmut abzuschätzen, taugt das Rentenniveau übrigens nur sehr bedingt, denn es bildet nur die gesetzliche Rente ab - Immobilienbesitz, Betriebsrenten oder gut verdienende Ehepartner bleiben unberücksichtigt. Rechnet man diese Zusatzeinkünfte mit ein, dann zeigen die Prognosen zwar ein steigendes Risiko für Altersarmut. Aber nicht gleichmäßig für alle, sondern besonders für Geringverdiener, Menschen, die lange arbeitslos waren, und Selbstständige ohne Angestellte, die es oft gar nicht schaffen, fürs Alter vorzusorgen. 

Die Renteneinigung – welche Ergebnisse bringt sie, und was wurde nicht gelöst?
A. Krämer, ARD Berlin
25.11.2016 09:16 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. November 2016 um 11:00 Uhr.

Darstellung: