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28.05.2012

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Ausland
Iran: Die Angst der religiösen Minderheiten wächst
Repressionen gegen Glaubensgemeinschaften im Iran

Die Angst der religiösen Minderheiten wächst

Im Iran sehen sich religiöse Minderheiten mit wachsendem Druck konfrontiert: Vor allem die seit 1983 verbotene Gemeinschaft der Bahai bekommt dies zu spüren. Seit der islamischen Revolution wurden 200 Anhänger hingerichtet.

Von Ulrich Pick, SWR-Redaktion Religion, Kirche und Gesellschaft

Im Gegensatz zu manch anderem Land im Mittleren Osten hat der Iran einen Schutz für religiöse Minderheiten in seiner Verfassung. Die Folge ist, dass im Teheraner Parlament auch drei Christen (zwei Armenier und ein Assyrer), ein Jude sowie ein Zoroastrier vertreten sind. Der Schutz der religiösen Minderheiten im Iran ist allerdings begrenzt. So ist es den etwa 140.000 einheimischen Christen, etwa 25.000 Juden und etwa ähnlich vielen Zoroastriern beispielsweise erlaubt, eigenen Religionsunterricht zu erteilen, iranische Staatsbeamte können sie aber nicht werden.

Zoroastrismus:

Der Zoroastrismus - eine monotheistische Religion - ist Schätzungen zufolge zwischen 1800 v. Chr. und 600 v. Chr. im heutigen Iran entstanden. Gegründet wurde die Glaubensrichtung von Zarathustra. Heute soll es zwischen 120.000 bis 150.000 Zoroastrier weltweit geben.
 

Die Mar Giwergis Kathedrale der assyrischen Christen in Teheran Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Mar Giwergis Kathedrale der assyrischen Christen in Teheran ]

Die Bahai gelten als vom Glauben Abgefallene

Die größte religiöse Minderheit bilden etwa 300.000 Bahai. Seit 1983 ist die Religionsgemeinschaft verboten und starken Repressionen ausgesetzt. Nach staatsoffiziellem Verständnis gelten die Bahai als Apostaten, das heißt: vom islamischen Glauben Abgefallene. Denn ihr Religionsgründer, der aus Persien stammende Baha’u’llah, erklärte, er stehe in der Nachfolge des Propheten Mohammed. Das aber ist nach islamischer Auffassung unmöglich, da Mohammed der letzte Prophet ist.

Der Druck auf die Mitglieder der Bahai, von denen seit der islamischen Revolution etwa 200 hingerichtet wurden, ist unter Präsident Mahmud Ahmadinedschad deutlich gewachsen. Momentan sind nach Angaben der deutschen Bahai-Gemeinde 97 iranische Gemeindemitglieder in Haft, unter ihnen befindet sich auch das gesamte siebenköpfige Führungsgremium.

20 Jahre Gefängnis für Bahai-Mitglieder

Die fünf Männer und zwei Frauen wurden in nichtöffentlicher Verhandlung zu je 20 Jahren Haft verurteilt, weil man sie der "Verletzung religiöser Gefühle" sowie der "Spionage für Israel" angeklagt hatte. Gerade der zweite Vorwurf war besonders tückisch.

Denn zum einen gilt Israel als der Erzfeind Irans in der Region. Zum anderen liegt im dortigen Haifa das administrative und geistliche Zentrum der Bahai. Im Grunde also haben alle Bahai eine gewisse Verbindung nach Israel, die allerdings rein religiöser Natur ist. Der Druck auf die religiöse Minderheit hält an. So berichtet die deutsche  Bahai-Gemeinde, dass noch Anfang Februar in Shiraz zehn iranische Gemeindemitglieder verhaftet und im Dezember im kurdischen Sanadaj die Häuser von zwölf Bahai überfallen worden seien.

Die hängenden Gärten der Bahai in Haifa: Schönheit spielt im Leben der Religionsgemeinschaft eine zentrale Rolle. Der Garten soll dieses Denken widerspiegeln. (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die hängenden Gärten der Bahai in Haifa in Israel: Schönheit spielt im Leben der Religionsgemeinschaft eine zentrale Rolle. Die Gärten sollen dieses Denken widerspiegeln. ]

Auch Freikirchler sind dem Regime ein Dorn im Auge

Wachsenden Repressionen sehen sich auch freikirchlich-protestantische Christen in Iran ausgesetzt. Hintergrund ist, dass viele von ihnen - im Gegensatz zu den einheimischen Christen - Mission betreiben. Dies steht jedoch unter Strafe, weshalb zahlreiche freikirchlich-protestantische Christen in Haft sind.   

Das prominenteste Beispiel ist der evangelikale Pfarrer Yousef Nadarkhani. Der 32-jährige Iraner aus Rascht am Kaspischen Meer konvertierte 1998 vom Islam zum Christentum. Nachdem er 2006 bereits kurzfristig festgenommen wurde, ist er seit 2009 zum zweiten Mal im Gefängnis. Nadarkhani wird der Abfall vom islamischen Glauben vorgeworfen, was in Iran die Todesstrafe nach sich ziehen kann.

Wiederholt wurde Nadarkhani aufgefordert, seinen ursprünglichen Glauben wieder anzunehmen, was er stets verweigerte. Der momentane Stand des Verfahrens ist unklar. In der vergangenen Woche hieß es, seine Exekution stünde kurz bevor, was internationale Proteste auslöste. Am Samstag meldete dann das englischsprachige iranische Fernsehprogramm Press-TV auf seiner Internetseite, der Oberste Gerichtshof des Landes habe das Verfahren noch nicht abgeschlossen.

Auffällig viele neue Christen

Die Zahl der Neu-Christen soll in den vergangenen Jahren auffällig gestiegen sein. Viele von ihnen organisieren sich in Untergrundkirchen, die untereinander vernetzt sind. Wie hoch die Zahl dieser Konvertiten liegt, ist unbekannt.

Zwar schreibt die evangelikale Organisation "Open doors" auf ihrer Internetseite, dass es im Iran mittlerweile insgesamt 460.000 Christen gebe. Diese Angabe klingt aber unrealistisch hoch. Denn angesichts der sehr schwierigen Informationslage im Land, ist es so gut wie unmöglich, gerade auf diesem heiklen Feld eine konkrete Zahlenerhebung zu machen. Auch die Bahai betonen, dass ihre Zahl sich an der letzten bekannten Erhebung orientiert, welche vor der Revolution lag.   

Stand: 26.02.2012 13:35 Uhr
 

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