Reisende vor einem Bahnhof in Guangzhou | Bildquelle: dpa

Reisechaos zum chinesischen Neujahrsfest "So schlimm war es noch nie"

Stand: 03.02.2016 09:54 Uhr

Vor dem chinesischen Neujahrsfest sind jedes Jahr Millionen Menschen unterwegs, ohne Verspätung kommt selten jemand zu seiner Familie. Doch diesmal ist das Verkehrschaos besonders schlimm. Am Bahnhof in Guangzhou sitzen seit Tagen Zehntausende fest.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

In den Fernsehnachrichten verbreitet Chinas Staatssender "CCTV" vor allem gute Nachrichten: Die Behörden bekämen die Lage langsam in den Griff, die schier unendlichen Schlangen seien kürzer geworden. Und natürlich zeigen die Fernsehbilder nur Menschen, die relativ entspannt und nicht erschöpft aussehen.

Schnellzüge extrem verspätet oder ausgefallen

Allerdings stecken rund um den Bahnhof der südchinesischen Stadt Guangzhou immer noch Zehntausende Menschen fest. Und das während der größten Reisewelle des Jahres zum chinesischen Neujahr. Außergewöhnlich viel Schnee und Eisregen haben in den vergangenen Tagen dafür gesorgt, dass sich Dutzende Schnellzüge extrem verspäteten oder ganz ausfielen. Und immer noch kommen neue Reisende am Bahnhof an.

"In den vergangenen Jahren war das nie so schlimm," sagt dieser Reisende. "Diesmal brauchen wir allein zwei Stunden um in den Bahnhof reinzukommen", sagt er. "Seit vier Stunden stehe ich hier. Es sind einfach zu viele Leute. Ich möchte einfach nur nach Hause", sagt ein Mann, der weiter hinten in der Reihe steht.

Wartende Reisende in Guangzhou, Bild vom 02.02.2016 | Bildquelle: AP
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Warten auf Einlass: Reisende in Guangzhou. Bild vom 02.02.2016

In den Schlangen vor dem Bahnhof Guangzhous stehen auch Menschen, die sich zwei Tage vor der geplanten Abfahrt des Zugs angestellt haben - aus Angst, ihn zu verpassen. Taxi-Fahrern wurde inzwischen verboten, weitere Menschen in Richtung Bahnhof zu bringen.

Auch U-Bahnen halten dort nicht mehr. 6000 zusätzliche Polizisten wurden geschickt, um Ordnung ins Chaos zu bringen. Die chinesische Bahngesellschaft versucht, so viele Ersatzzüge wie möglich in die Region zu schicken. Seit Montag, als rund 100.000 Menschen in den Schlangen anstanden, hat sich die Zahl der Wartenden immerhin etwa halbiert.

Neujahrsfest am Wochenende

Am Wochenende beginnt das Fest zum chinesischen Neujahr, das halbe Land ist während der Feiertage auf Achse. Jeder Chinese, der es irgendwie einrichten kann, fährt während des Neujahrsfests zu seiner Familie, also mitunter von einer Ecke des Landes in die entgegengesetzte. Rund um Guangzhou arbeiten Millionen Wanderarbeiter, die sich jetzt in ihre Heimatstädte aufmachen.

Reisechaos zum chinesischen Neujahrsfest
S. Wurzel (SWR, Shanghai)
03.02.2016 09:26 Uhr

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