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20.03.2010

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Reid lehnt nach rassistischen Bemerkungen Rücktritt ab
Nach rassistischen Bemerkungen

US-Senator Reid lehnt Rücktritt ab

Der demokratische Mehrheitsführer  im US-Senat, Harry Reid, lehnt einen Rücktritt wegen rassistischer  Bemerkungen zur Wahlkampagne von Präsident Obama ab. In einem angekündigten Buch über den Präsidentschaftswahlkampf  2008 wird Reid mit den Worten zitiert, Obama sei so beliebt, weil er "hellhäutig" sei und keine "Negersprache" verwende.

Von Sabine Müller, HR-Hörfunkstudio Washington

Obama und Reid (Archivbild) (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Offiziell wieder ein Herz und eine Seele: Barack Obama und Harry Reid ]
Eigentlich wollte Harry Reid wohl nett sein und Barack Obama ein Kompliment machen, als er im Wahlkampf 2008 sagte, Obama habe gute Chancen, Präsident zu werden, weil er hellhäutig sei und keinen "Neger-Dialekt" spreche. Dass sein Kommentar viele Monate später für solche Aufregung sorgt, hätte sich Reid wohl nicht träumen lassen.

In der Innenstadt von Washington steht neben einem Zeitungskasten, auf dem groß eine Schlagzeile zu Reid und Obama prangt, der Student Tylor Buckingham. Für ihn ist die Sache klar: "Von einem 'Neger'-Kandidaten zu sprechen, überschreitet definitiv eine Grenze. Ich will nicht sagen, dass es rassistisch war, aber auch jeden Fall rassistisch motiviert."

Wenig Interesse an neuer Rassismus-Debatte

Buckingham ist an diesem Morgen einer der wenigen Passanten, die sich zu dem Thema äußern wollen. Die meisten winken ab, wenn sie hören, worum es geht, hasten weiter. Es scheint, als habe die amerikanische Bevölkerung wenig Lust auf eine neue Rassismus-Debatte - die Republikaner im politischen Washington dafür umso mehr. Der republikanische Parteichef Michael Steele fordert Reids Rücktritt: Die Äußerungen seien absolut unangemessen gewesen, deshalb müsse Reid gehen.

Obama: Die Sache ist erledigt

Spätestens mit Steeles Fernsehauftritt war die Hoffnung der Demokraten dahin, jede Debatte im Keim zu ersticken. Mehrheitsführer Reid hatte sofort mit Präsident Obama telefoniert und sich für seine Wortwahl entschuldigt, Obama gab öffentlich bekannt, er habe die Entschuldigung akzeptiert, die Sache sei für ihn erledigt. Genauso will das auch der Parteichef der Demokraten, Tim Kaine, sehen: "Die Äußerungen waren unglücklich und unsensibel. Aber Senator Reid hat seinen Fehler eingestanden, sich beim Präsidenten entschuldigt, der hat angenommen. Jetzt schauen wir nach vorne."

Dürfe Demokraten so etwas sagen?

Hinter vorgehaltener Hand sagen manche Amerikaner, die Aufregung sei künstlich, schließlich habe Reid nur ausgesprochen, was wahr sei: dass viele weiße Amerikaner einen tiefschwarzen Kandidaten, der nicht so gestochenes Englisch spricht wie Obama, sicher nicht gewählt hätten. Die Republikaner lassen aber nicht locker, werfen den Demokraten vor, mit zweierlei Maß zu messen. Parteichef Steele beklagt sich, die Demokraten glaubten, sie könnten solche Dinge sagen und mit einer Entschuldigung sei alles erledigt. Wenn ein Republikaner so etwas sage, sei es Rassismus.

Lob für einen Rassisten

Die Republikaner erinnern an den Fall von Trent Lott, der einige Parallelen aufweist. Lott war 2002 der Mehrheitsführer der Republikaner im Senat und lobte damals in einer Geburtstagsansprache seinen erzkonservativen Kollegen Strom Thurmond. Thurmond war 1948 auch mal Präsidentschaftskandidat gewesen und zwar für eine Partei, die gegen jede "Vermischung der Rassen" kämpfte. Lott erklärte in seiner Rede, wenn Thurmond damals Präsident geworden wäre, hätte das Land "alle diese Probleme über all diese Jahre hinweg nicht gehabt".

Nach empörten Protesten von Demokraten und afro-amerikanischen Gruppen musste Lott zurücktreten. Die Republikaner argumentieren, wenn die Maßstäbe für alle gleich seien, müsse auch Reid abtreten. Die Demokraten halten dagegen, die beiden Fälle könne man überhaupt nicht vergleichen. Klar ist, dass es vor allem einen ganz gewaltigen Unterschied gibt: Präsident Bush und andere Republikaner stellten sich damals nicht hinter Lott, sondern ließen ihn fallen wie eine heiße Kartoffel.

Stand: 11.01.2010 19:44 Uhr
 

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